"Habe es erst kapiert, als es schon vorbei war!"

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„Augen zu und durch“, dachte sich Anna Fenninger, als sie sich um 15:32 Uhr (!) aus dem Starthaus und in den WM-Super-G katapultierte.
 
1:15 Minuten später platzte der Traum der Salzburgerin von der zweiten WM-Medaille ausgerechnet an einem „blinden“ Tor bei der Einfahrt in die Traverse.
 
Enttäuscht schwang Fenninger am Pistenrand ab, um den ersten Frust loszuwerden.
 
"Erst kapiert, als es zu spät war"
 
Unten im Ziel dann ein Erklärungsversuch: „Es war ein Linienfehler, ich war zu rund, habe das Tor falsch angesteuert. Du siehst nichts, deshalb muss die Richtung passen.“
 
Hat sie nicht – und bei Tempo 100 konnte Fenninger nicht mehr reagieren.
 
„Ich habe es erst kapiert, als es schon vorbei war. Aber zwischen Besichtigung und meiner Fahrt lagen gefühlte 100 Stunden – und durch den Nebel in der Früh hat man auch nicht viel gesehen.“
 
Kein Blackout, keine Ausreden
 
Den schweren Sturz von Lindsey Vonn, der für eine lange Unterbrechung sorgte, ließ sie nicht als Ausrede gelten.
 
„Ich habe zwar gewusst, dass sie gestürzt ist, aber nicht wie schlimm es ist. In solchen Situationen versucht man sich auf sich zu konzentrieren.“
 
Auch von einem Blackout wollte die 23-Jährige nichts wissen. „Es hat bei diesem Tor ja mehrere Läuferinnen erwischt und ich glaube nicht, dass alle ein Blackout hatten.“
 
Unverständliche Entscheidung
 
Ein solches wollte Fenninger auch der Jury nicht unterstellen. Die Entscheidung das Rennen um 14:30 Uhr zu starten, fand sie aber zumindest fragwürdig.
 
„Ich habe nicht mehr daran geglaubt und dann ist es doch noch losgegangen. Das sind so Entscheidungen, die man nicht versteht“, sprach aus der geschlagenen Mitfavoritin die Enttäuschung.

„Vom Kopf her war es einfach extrem schwierig, vielleicht der härteste Tag für mich überhaupt.“ Aber: „Die Medaillen wurden trotzdem vergeben!“

Keine konkreten Informationen

Sie selbst, sagt Fenninger, hatte nicht mehr an ein Rennen geglaubt.

„Zuerst hat es ewig geheißen, dass nicht gefahren werden kann, dann hat es zu schneien begonnen und plötzlich wollte man starten“, vermisste die größte ÖSV-Hoffnung auf eine Medaille in den schnellen Disziplinen konkrete Informationen.

„Es interessiert mich als Läuferin schon, warum man so entscheidet. Noch dazu, wenn man am Start nichts erfährt.“

Die Informationen holte sie sich dann im Ziel – und dort erfuhr sie auch, dass ÖSV, FIS und die Organisatoren das Ersatzprogramm bereits fixiert hatten, der Super-G am Donnerstag hätte gefahren werden sollen.

Jetzt wird für die Abfahrt trainiert, die am Freitag Teil der Super-Kombination ist - und da ist Anna Fenninger Titelverteidigerin.

Stephan Schwabl

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