Zehn Jahre Warten sind genug!

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LAOLA1 checkt die Favoriten für die Herren-Abfahrt

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Zehn Jahre Warten sind genug!

2003 durfte Österreich zum letzten Mal einen Abfahrts-Weltmeister feiern, damals triumphierte Michael Walchhofer in St. Moritz.

Danach jubelten nur mehr die Anderen, bei den letzten drei WM-Abfahrten reichte es nicht einmal mehr für eine Medaille.

In Schladming soll alles anders werden und die Goldmedaille in der Königsdisziplin in Österreich bleiben.

Richten sollen es beim "Ski-Fest dahoam" vor allem Hannes Reichelt und Klaus Kröll, der Top-Favorit kommt mit Dominik Paris aber aus Italien.

LAOLA1 hat sich durch Statistiken gewühlt, mit Experten und den Läufern selbst gesprochen und die beiden Trainings auf der Planai beobachtet.

Herausgekommen ist das ultimative Abfahrts-Ranking für den Kampf um Gold, Silber Bronze!
 

DOMINIK PARIS

Das letzte Abfahrts-Gold für Italien liegt 61 Jahre zurück. Zeno Colo war es 1952 bei den Olympischen Spielen in Oslo, die gleichzeitig auch Ski-Weltmeisterschaften waren.

Italienische Mitfavoriten gab es in den Jahren danach immer wieder, auch einige Medaillen, aber nur selten stand vor einer WM-Abfahrt ein Läufer aus der Squadra Azzurra so im Fokus wie Dominik Paris.

Aber das hat sich der bislang schnellste Abfahrer dieses Winters selbst zuzuschreiben: Sieg in Bormio, Sieg in Kitzbühel, das rote Trikot des Führenden im Abfahrts-Weltcup, dazu schnelle Abschnitte in den Trainings.

Vor allem mit seiner Linie im oberen Teil sorgte er bei der Konkurrenz für Rätselraten. Ein bisschen was hat der 23-Jährige übrigens von Hermann Maier: Auch er war einst als Maurer tätig.

HANNES REICHELT

Das heißeste Eisen aus österreichischer Sicht. Zwar wehrte sich der Salzburger lange Zeit gegen die Bezeichnung Abfahrer, mittlerweile hat er akzeptiert, dass er in der schnellsten aller Disziplinen zu den Schnellsten gehört.

Und Reichelt kann auf eine stolze Serie blicken: In den letzten drei Abfahrten stand er jeweils am Stockerl: Bormio (1.), Wengen (3.) und Kitzbühel (3.).

Beim Video-Studium analysierte der 32-Jährige vor allem die erste Trainingsfahrt von Top-Favorit Paris. „Da ist er mir ziemlich um die Ohren gefahren, aber ich habe noch Luft nach oben. Wäre das nicht so, müsste ich mir den Kopf zerbrechen.“

Dass ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel Abfahrts-Gold fordert, setzt Reichelt nicht zusätzlich unter Druck: „Ich bin kein Mathematiker, aber unsere Chancen stehen ganz gut!“

AKSEL LUND SVINDAL

Vor Beginn der Weltmeisterschaft galt der „Super-Elch“ als großer Favorit auf das goldene Speed-Double. Nach dem Super-G hat der Norweger zwar eine Medaille im Nachtkasterl, aber „nur“ aus Bronze und also auch nur noch eine echte Chance auf Gold.

Wie es sich anfühlt, Abfahrts-Gold umgehängt zu bekommen, weiß Svindal bereits. 2007 im schwedischen Are war er nicht zu schlagen – und Samstag? Der Kälteeinbruch war schon einmal ganz nach dem Geschmack des skandinavischen Muskelpakets.

„Im Super-G war die Piste nicht so, wie man sich das als Rennläufer wünscht, aber jetzt haben wir perfekte Bedingungen.“

Die Hoffnung, dass Svindal bei seiner Medaillen-Party über die Stränge geschlagen hat, brauchen sich seine Gegner nicht machen. „Ich bin hier um Rennen zu fahren, und nicht um Champagner zu trinken!“

CHRISTOF INNERHOFER

Der große Abräumer der Ski-WM 2011 in Garmisch ist rechtzeitig zum „Ski-Fest mit Herz“ wieder in Top-Form.

Vor zwei Jahren gewann Innerhofer einen kompletten Medaillen-Satz (Gold im Super-G, Silber in der Super-Kombi, Bronze in der Abfahrt), lebte sein Playboy-Image voll aus und wandelte nächtens auf den Spuren seines Landsmannes Alberto Tomba.

„In Garmisch war alles perfekt!“ Heute ist der 28-Jährige in festen Händen. Auch schön. Als echter Gentleman weiß der Südtiroler natürlich, dass sich jede Frau über neuen Schmuck freut. Und was würde einer „Ski-WAG“ besser stehen als eine Goldmedaille?

Dass es auf der Planai kracht und nicht mehr der Schnee spritzt, kommt ihm entgegen, denn „Inner“ liebt es eisig. Und die Piste liegt ihm nach eigener Aussage sogar besser als die in Garmisch - trotz verpatztem Abschlusstraining.

KLAUS KRÖLL

Die letzten Tage liefen für den Lokalmatador nicht nach Wunsch. Erst schaffte er es in der Super-G-Quali nur als Ersatzfahrer ins WM-Aufgebot.

Die nächsten Tage verbrachte er im Bett. Allerdings nicht aus Enttäuschung, sondern weil er gesundheitlich bedient und eine Grippe im Anmarsch war. Angst um die WM-Abfahrt hatte er aber nie. „Ich muss mich noch etwas regenerieren, aber am Samstag kann ich alles geben.“

Dass es in diesem Winter noch nicht für einen Sieg reichte, davon lässt sich der „Bulle aus Öblarn“ nicht aus dem Konzept bringen. „Ich weiß, dass ich die Möglichkeit habe, das Rennen zu gewinnen. Hoffentlich nütze ich sie.“

Nach dem „Mega-Bluff“ (O-Ton Reichelt; Anm.) im ersten erhöhte er im zweiten Training den Einsatz – im Rennen wird er „All In“ gehen.

ERIK GUAY

Der amtierende Weltmeister reiste mit einem zweiten Platz in der Kitzbühel-Abfahrt nach Schladming. Die Form stimmt, aber auch an Selbstvertrauen mangelt es dem „Canadian Cowboy“ nicht.

„Ich bin nicht hier, um Vierter zu werden. Ich will auf das Podium und am liebsten dieses Ding gewinnen“, möchte Guay für das dritte kanadische Abfahrts-Gold in Folge sorgen.

2009 in Val d'Isere gelang John Kucera der Sensations-Coup, zwei Jahre später in Garmisch war dann Guay nicht zu schlagen.

Mit der Planai freundete sich der 31-Jährige nur langsam an, beim letztjährigen Weltcup-Finale wurde er 13. „Die Strecke ist schwierig, das Gelände anspruchsvoll. Aber es macht richtig Spaß, hier zu fahren. Wenn ich jetzt noch den siebenten Gang finde, ist wieder alles möglich.“

MAX FRANZ

Niemand Geringerer als der „Herminator“ hat den jungen Kärntner ganz oben am Zettel.

Franz selbst bezeichnet sich als Außenseiter. „Es muss alles passen – die Form, die Fahrt und der Ski. Dann könnte es passieren, dass sie mir eine Medaille umhängen.“

Nach einem Traumstart in den Winter mit Rang zwei in Lake Louise stürzte der 23-Jährige in Beaver Creek so schwer, dass er erst in Wengen wieder in den Weltcup zurückkehren konnte.

Schon in Kitzbühel fand er sich als Fünfter dort wieder, wo er sich am wohlsten fühlt: Mitten in der „Chef-Partie“!

In den beiden Trainings auf der WM-Abfahrt lief es noch nicht ganz optimal. Aber sobald es zählt, wird aus der Wildsau ein Rennpferd.

MISTER X

„Eine WM hat eigene Gesetze!“ Eigentlich hätte Peter Schröcksnadel nach dieser Aussage gleich drei Euro ins Phrasenschwein stecken müssen. Aber ganz unrecht hat der ÖSV-Präsident nicht.

Mit den „Canadian Cowboys“ Kucera und Guay musste man bei den letzten beiden Weltmeisterschaften nicht rechnen und in Schladming gab es mit Silber für den Franzosen Gauthier de Tessieres im Super-G auch schon eine große Sensation.

Hannes Reichelt geht davon aus, dass sich die „üblichen Verdächtigen“ die Medaillen untereinander ausmachen. Aber sollte es doch anders kommen, wie zum Beispiel in Gröden, wo der Amerikaner Steven Nyman gewann, wer wären mögliche Kandidaten?

Der Slowene Andrej Sporn zeigte mit der zweitbesten Zeit im Abschlusstraining auf, für die USA könnte Marco Sullivan in Abwesenheit von Bode Miller die Fahne hochhalten, die Hoffnungen der in diesem Winter schwer geprügelten Schweizer ruhen vor allem auf Silvan Zurbriggen.

 

Stephan Schwabl

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