"Steff" kritisiert Kurvenorgie

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"Auf einige Kurven hätte man verzichten können!"

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Stephan Eberharter kennt das Gefühl, bei einer Heim-WM Medaillen zu gewinnen. Der Zillertaler eroberte als 21-Jähriger bei der WM in Saalbach die Herzen der heimischen Skifans. Mit Gold im Super-G und in der Kombination startete seine großartige Karriere mit zwei Paukenschlägen.

Zehn Jahre später stand er bei der WM 2001 in St. Anton am Arlberg erneut auf dem Podest, gewann Silber im Super-G und kürte sich in der selben Disziplin 2003 in St. Moritz noch einmal zum Weltmeister.

"Eine Heim-WM ist das Größte", weiß Eberharter. "Es gibt kaum ein Land, in dem der Stellenwert des Skisports so groß ist wie in Österreich. In der Heimat um Medaillen zu fahren, ist einfach großartig. Wenn man dann auch noch gewinnt, dann ist das kaum zu toppen. Davon kann ich ein Lied singen."

2004 beendete der Riesentorlauf-Olympiasieger von 2002 und zweimalige Gewinner des Gesamtweltcups nach 29 Weltcupsiegen, 18 davon in der Abfahrt, seine aktive Laufbahn.

Seither ist der Tiroler als vitaler Headcoach für die UNIQA-Versicherung im Einsatz, hält Vorträge, spricht über seine aktive Zeit und verrät Konzepte, um mentale Krisen zu überwinden.

Im Vorfeld der WM in Schladming ist Eberharter mit einem futuristischen Truck durch Österreich getourt, die "UNIQA Hall of Fame" mit den bedeutensten Trophäen seiner Laufbahn sowie jenen von Marlies Schild und Bennie Raich zu präsentieren.

Im Gespräch mit LAOLA1 verrät Stephan Eberharter nicht ohne Stolz, dass sein Sohn Felix gerade seine ersten Kinderrennen bestreitet. "Er ist ein wilder Hund und hat viel Spaß am Skifahren." Ob er einmal in den Spuren seines Vaters carven wird, wollte "Steff" nicht prophezeien.

Dafür nahm er sich Zeit, um über die WM-Abfahrt zu sprechen, erklärte die CHarakteristik der Planai, nannte Favoriten und analysierte den speziellen Druck für die Top-Favoriten.

"Bei der Abfahrt braucht es eine gewisse Erfahrung", erklärt der Streif-Sieger 2002 und 2004. "Draufgängertum ist gut und recht, aber es besteht auch die Gefahr, dass der Schuss nach hinten los geht. Routine ist das wichtigste Kriterium. Ich habe das auch erlebt. Erst mit 28, 29 Jahren ist man im guten Alter, um Abfahrten zu gewinnen."

LAOLA1: Wie würdest du die Abfahrt charakterisieren. Was hat die Strecke auf der Planai, was andere nicht haben?

Eberharter: Die Abfahrt hat eigentlich alles zu bieten. Im oberen Bereich ist es eher flach mit vielen langgezogenen Kurven. Da ist die Abfahrt eher ein Super-G. Man nimmt sehr schnell Fahrt auf, aber hat kein übertrieben hohes Tempo. Richtung Streckenabschnitt Holzhacker, als zur Halbzeit des Rennens, wird es steiler und der schwierigste Teil der Abfahrt wartet dann im Finale. Wobei die Organisatoren für meinen Geschmack in diesem Bereich auf zwei, drei Kurven verzichten hätten können. Da hätte man eine durchaus direktere Linie wählen können. Vielleicht nicht ganz so gerade wie in den Anfangszeiten des Weltcups in Schladming, aber doch direkter. Im Schlussteil gibt es dann noch eine zusätzliche Kurve, da hätte man mit einem langen Zug jene Linie wählen können, wie sie einst Harti Weirather bei seinem WM-Triumph 1982 gefahren ist.

LAOLA1: Wie beurteilst du die Schneebedingungen für die WM-Abfahrt?

Eberharter: Es ist eher zu erwarten, dass sich die Piste beim Rennen in einem knallharten Zustand befindet. Es gibt einen guten Grundstock an Schnee auf der Strecke. Die Piste, das haben mir einige Freunde erzählt, war vor zwei Wochen brutal gut beisammen, hart, eisig, schnell und in einem absoluten Topzustand. Jetzt hat es wieder geschneit und durch die höheren Temperaturen ist die Situation deutlich entschärft. Es wird unruhiger werden. Da der Schnee nicht mehr so kompakt ist, könnte das, wir haben das ja im Super-G gesehen, ein leichtes Problem darstellen.

LAOLA1: Wie unterscheidet sich eigentlich eine Abfahrt die zur Gänze durch ein bewaldetes Gebiet führt von einer Strecke im freien Gelände.

Eberharter: Für den Rennläufer ist eine Abfahrt durch bewaldetes Gebiet wesentlich feiner. Der Wald gibt Licht zurück und das hilft dem Athleten. Auch wenn keine Sonne scheint, sieht man im bewaldeten Gebiet besser als im freien Gelände.

LAOLA1: Wer sind deine Favoriten auf die Medaillen?

Eberharter: Ich habe auf Svindal vor Paris und Kröll gesetzt. Wobei ich von meinen Tipps nicht hundertprozentig überzeugt bin, da es doch zwei Hände voll Medaillenkandidaten gibt. Theaux, Innerhofer, Max Franz oder Reichelt, der augenscheinlich seit seinem Sieg in Bormio einen Trend nach oben zeigt, können genauso aufs Podest fahren. Kröll hat das Zeug Weltmeister zu werden, aber es gilt halt auch, den Sack zuzumachen. Das ist noch einmal etwas anderes. Da kommt dann die mentale Komponente ins Spiel. Oft will man bei so einem Rennen etwas ganz besonders gut machen und wenn man das Besondere will, dann kann das auch besonders gut in die Hosen gehen. Wenn du hier allerdings zu den Top-Favoriten zählst und dann auch gewinnst, dann bist du ein Großer. Für diese Leute ist es ungleich schwieriger, diesem Druck stand zu halten. Der braucht genauso einen perfekten Tag. Natürlich ist es auch möglich, dass ein Außenseiter zuschlägt. Es gibt genug Läufer, die das Können dazu haben und mit einem perfekten Lauf, mit Glück sowie optimalen Bedingungen in die Medaillenränge fahren können. Aber der Favorit braucht das auch. Er muss genauso hundert Prozent geben, er muss in jeder Kurve riskieren und darf sich keinen Fehler leisten. Speziell bei den Pisten-Bedingungen, die sich abzeichnen. Da kann schon einmal die Bindung aufgehen oder ein Innenskifehler passieren. Es geht so leicht und schnell, dass du draußen liegst.

Das Gespräch führte Peter Rietzler

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