Ersatzmann de Tessieres fährt zur Sensation

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Die Ski-WM in Schladming hat am Mittwoch ihre erste große Sensation erlebt.

Der Franzose Gauthier de Tessieres eroberte Silber im Super-G, für den er eigentlich gar nicht vorgesehen war.

"Eine unglaublich verrückte Geschichte", schüttelte der Ersatzmann des verletzten Johan Clarey immer wieder ungläubig den Kopf.

Skifahren mit der Nichte

Am vergangenen Samstag ist de Tessieres noch daheim auf seiner Couch in Alpe d'Huez gelegen.

Der Frust über die Nicht-Nominierung für die WM in Schladming saß beim 31-Jährigen tief, zur Ablenkung ging er mit seiner sechsjährigen Nichte Sixtine skifahren.

Clarey verletzt

Dann folgte der Anruf seiner Trainer, durch die Rückenblessur von Clarey rutschte de Tessieres in die Super-G-Mannschaft.

Am Sonntag ging es ruckzuck nach Schladming, am Montag zur Eröffnung und am Mittwoch sensationell zur Siegerehrung.

Weltcup statt Tennis

Dass de Tessieres in Schladming Silber gewann, ist also ein kleines Skiwunder.

Dass er es überhaupt in den Weltcup geschafft hat ebenfalls.

Denn de Tessieres kommt aus der zentralfranzösischen Stadt Clermont-Ferrand und wollte eigentlich Tennisspieler werden.

Spätstarter nach Skikurs

Erst als normaler Tourist entflammte in ihm die Lust aufs Skirennfahren.

"Ich hatte einen sehr guten Skilehrer, der in mir diese Leidenschaft geweckt hat", berichtete de Tessieres, der erst im Alter von 14 Jahre seriös mit dem Skifahren begann.

"Da haben alle gesagt: 'Der schafft das sowieso nicht, der kommt ja nicht einmal aus den Alpen.'"

"Ich habe mir diese Medaille verdient"

De Tessieres empfand die verrückten vergangenen Tage als "Glück des Tüchtigen".

"Ich habe mich nach Verletzungen so oft zurückgekämpft. Ich habe mir diese Medaille verdient", sagte de Tessieres, der sich drei Knieoperationen unterziehen musste und zudem Schulter- und Knöchel-Verletzungen hatte.

Technik ausgespielt

Ähnlich wie Sieger Ted Ligety nutzte auch de Tessieres auf dem kurvigen und technisch schwierigen Super-G die Gunst der Stunde.

"Schon bei der Besichtigung hab ich gemerkt, dass das etwas für mich mich sein könnte. Vor dem Rennen hatte ich dann eine unglaubliche positive Energie in mir."

 Ein Podestplatz im Weltcup

Seine bis Mittwoch größten Erfolge hatte de Tessieres im Riesentorlauf gefeiert: im Weltcup war er 2008 in Val d'Isere Dritter, bei der WM 2011 Neunter.

Seine bisher einzige Top-Ten-Platzierung im Super-G-Weltcup ist ihm 2012 in Beaver Creek mit Rang acht gelungen. De Tessieres ist auch für den WM-Riesentorlauf eigentlich nicht vorgesehen, seit Mittwoch hat er jedoch deutlich bessere Karten.

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