Baumann "wusste, was zu tun ist"

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Baumann: "Retter" der rot-weiß-roten Ski-Ehre

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Beinahe wäre die Ski-Weltmeisterschaft abgesagt worden, so schlecht war die Stimmung im Lager der Österreicher schon.

Und dann fädelte auch noch Benni Raich im Kombi-Slalom ein. Das Entsetzen stand ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel ins Gesicht geschrieben.

Aber zum Glück gibt es ja noch Romed Baumann. Der Tiroler, in der Vergangenheit keine Medaillen-Bank, machte in der Abfahrt alles und im Slalom sehr viel richtig.

Raich-Ausfall mitbekommen

In der Super-Kombination ergab das Bronze für Baumann und also die erste Herren-Medaille für Österreich bei der Heim-WM.

„Zwei WM-Rennen ohne Medaille sind für Österreich ein Desaster. Schon alleine deshalb haben alle eine Medaille erwartet, aber in erster Linie vom Benni.“

Den Raich-Ausfall hatte Baumann am Start oben mitbekommen, allerdings nicht am Fernseher. „Plötzlich ist es leise geworden, da habe ich gewusst, dass er ausgeschieden ist.“

"Musste alles auspacken"

Nach der Abfahrt hatte der 27-Jährige trotz Bestzeit nicht mit einer Medaille gerechnet. „Aber dann war klar, dass es an mir liegt und ich wirklich alles auspacken muss.“

Der Rennverlauf kam Baumann, der zu Beginn seiner Weltcup-Karriere zwei Mal im Schladminger „Night-Race“ am Start war, entgegen.

Einige Slalom-Spezialisten schieden aus, andere, wie der versilberte Ivica Kostelic erwischten keine Top-Fahrt.

Romar machte Hoffnung

So durfte sich zum Beispiel auch der Finne Andreas Romar, bis dato ein relativ unbeschriebenes Blatt und eher auf der Speed-Seite daheim, bis zum letzten Läufer Hoffnungen machen.

„Da habe ich mir gedacht: Wenn der das kann und auf einen Kostelic nicht so viel verliert, dann kann ich das auch!“

Mit einem Schlag war das mulmige Gefühl von der Besichtigung - „Da hab ich mir die Schneid abkaufen lassen!“ - wie weggeblasen. „Ich bin aus dem Starthaus raus und gleich in einen guten Rhythmus gekommen.“

Nicht mit Wut im Bauch

Schon im Mittelteil, erzählt Baumann, hat er den Stadionsprecher gehört und also auch gewusst, wie er im Rennen liegt. „Vielleicht konnte ich dadurch ein paar Prozent mehr rausholen. Aber ich hatte auch das Glück auf meiner Seite.“

Die Wut im Bauch über die Nicht-Nominierung für die WM-Abfahrt sei aber nicht mitgefahren, schickt der Skifahrer aus der Biathlon-Hochburg Hochfilzen nach.

„Als Rennläufer willst du nicht vor dem Fernseher dabei sein. Aber die Trainer haben so entschieden und so bin ich stattdessen Slalom trainieren gegangen.“

Formkurve stark ansteigend

Dass er überhaupt zu WM-Ehren und zwei Einsätzen kommt, war zu Saisonbeginn alles andere als vorherzusehen.

Die Vorbereitung war mit körperlichen Problemen und dem unfreiwilligen Materialwechsel von optimal weit entfernt. „Ich bin schlecht gestartet, aber je länger die Saison gedauert hat, desto besser wurde es.“

Mit Jahreswechsel ging die Formkurve plötzlich steil nach oben. Platz sechs in der Lauberhorn-Abfahrt folgte Rang vier im Super-G von Kitzbühel.

„Es war lange ein Kampf, aber jetzt bin ich froh, dass ich immer an mich geglaubt habe.“ Und die Ski-Nation atmet auf …

 

 

Stephan Schwabl

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