"Möglich, dass ich dann nicht mehr beim ÖSV wäre"

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ÖSV-Ikone Hans Pum blickt seiner bereits dritten Ski-WM in Vail/Beaver Creek entgegen. Der Oberösterreicher war 1989 als Cheftrainer der Herren und 1999 als Alpindirektor mit von der Partie.

2015 reist Pum als ÖSV-Sportdirektor in die USA. "Ich freue mich auf diese WM. Ich habe in Vail/Beaver Creek wirklich schon alles erlebt", sagte Pum im Gespräch mit der APA.

Nierlich rettet die WM 1989

1989 war Pum in seiner ersten Saison als Chef des Herrenteams. In der Abfahrt lief es nicht nach Wunsch, beim Sensationssieg des Deutschen Hansjörg Tauscher in der kuriosen "Klapperschlangen-Bobbahn" ging man leer aus.

"Wir hatten die Abfahrtstrainings im Griff. Dann folgte ein Wetterumsturz, statt null Grad hatte es plötzlich minus 25. Und plötzlich kommt da einer daher, den keiner kannte und holte Gold", erinnerte sich Pum.

Auch im Super-G blieb Österreich ohne Medaille, doch dann schwang sich Rudi Nierlich zum WM-Helden auf und holte Gold im Riesentorlauf und im Slalom. "Wenn der Rudi nicht zweimal gewinnt - gut möglich, dass ich dann schon lange nicht mehr beim ÖSV wäre", meinte Pum 26 Jahre nach dem Nierlich-Doppelpack.

Besondere Beziehung

Das ist aber nicht der Grund, warum Nierlich, der im Mai 1991 bei einem Autounfall ums Leben kam, nach wie vor das einzige Foto eines Skifahrers in Pums Büro in Innsbruck ziert. "Ja, dieses Foto hängt noch immer. Ich hatte wirklich eine sehr enge Beziehung zu ihm. Und auch heute noch eine sehr intensive zu seinem Papa Günter", meinte Pum.

Unvergessen ist für Pum auch Ulrike Maier, die einzige ÖSV-Dame, die 1989 WM-Gold (im Super-G) gewann. Die Salzburgerin kam 1994 bei einem Sturz bei der Weltcup-Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen ums Leben.

Pum blickt auf seine letzten zwei Weltmeisterschaften in Beaver Creek zurück

"Blizzard-Ski gegangen wie die Sau"

1999 verlief alles ganz anders. Hier half feuchter Neuschnee entscheidend mit, dass Vail mit 13 Medaillen zur bis heute zweiterfolgreichsten WM für Österreich wurde. "Plötzlich sind die Blizzard-Ski gegangen wie die Sau", kann sich Renate Götschl noch gut an die feuchten Neuschneemassen von damals erinnern.

Während Hermann Maier, Hans Knauß und Stephan Eberharter auf der spektakulären neuen "Raubvogelpiste" im Kampf mit den Norwegern Lasse Kjus (gewann Medaillen in allen fünf Disziplinen) und Kjetil Andre Aamodt ein unvergessliches Ski-Feuerwerk abbrannten, räumten die "Golden Girls" des ÖSV in Vail ab wie noch nie.

Inklusive dem historischen Vierfach-Triumph in der Abfahrt durch Götschl vor Michaela Dorfmeister, Stefanie Schuster und Alexandra Meissnitzer und dem Dreifacherfolg im Super-G holten sie gleich neun Medaillen.

Pum vom Team überzeugt

"Was interessiert mich ein Vierfachsieg, wenn ich Vierte bin", hatte sich Meissnitzer damals zunächst noch geärgert. Die heute 41-jährige Salzburgern hielt sich mit Gold im Super-G und im Riesentorlauf aber mehr als schadlos und ist 2015 als ORF-Co-Kommentatorin und Kameraläuferin wieder mit dabei.

Insgesamt verfügte der ÖSV damals, als gerade der Kurz-Carver im Slalom aufkam, über das vielleicht stärkste Alpin-Team aller Zeiten. "Ich bin aber sicher, wir sind auch 2015 mit einer sehr starken Truppe am Start", wollte Pum keine allzu wertenden Vergleiche ziehen.

"Wir haben auch diesmal ein paar Topstars, die gewinnen können. Und Athleten, die jederzeit eine Medaille holen können oder für Überraschungen gut sind", glaubt Pum an einen gesunden Mix.

Nach 38 Jahren im Skizirkus müsste er es wissen. "Im Endeffekt hatten wir in Vail also immer Erfolg. So wird es hoffentlich auch diesmal sein."

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