Hirscher krönt Ski-Party mit Heimsieg

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Eine bessere Antwort auf die Einfädler-Affäre hätte Marcel Hirscher nicht geben können.

Der Salzburger behielt im Hexenkessel von Schladming kühlen Kopf und gewann vor 45.000 Zuschauern den Nacht-Slalom auf der Planai.

Der 22-Jährige feierte seinen neunten Weltcup-Sieg, den bereits sechsten in dieser Saison und den ersten auf österreichischem Schnee.

Hirscher und Matt am Podest

Hirscher triumphierte bei dichtem Schneefall 0,22 Sekunden vor dem Italiener Stefano Gross, der Tiroler Mario Matt fuhr als Dritter (0,29) aufs Stockerl.

Ivica Kostelic, dessen verbale Sticheleien in Richtung Hirscher in den vergangenen Tagen für hohe Wellen sorgten, verpasste das Podest als Vierter um 0,01 Sekunden.

Die befürchteten Ausschreitungen oder Unsportlichkeiten blieben größtenteils aus, einem Pfeifkonzert und ein paar Schneebällen der ÖSV-Fans musste sich Kostelic aber schon aussetzen.

10. ÖSV-Sieg beim Nacht-Slalom

Der Kroate behielt aber Platz eins im Gesamt-Weltcup, Kostelic führt nun 80 Punkte vor Hirscher.

Für die Österreicher bleibt Schladming, der WM-Ort 2013, ein hervorragender Boden. Es war bereits der zehnte Sieg in der 16. Auflage des Nacht-Rennens.

Debatte hinterlässt Spuren

"Schaut's mir in die Augen", meinte Hirscher auf die Frage, ob die vergangenen Tage spurlos an ihm vorübergegangen sind.

"Die Augenringe zeigen, dass die Sache nicht spurlos an mir vorüber gegangen ist."

Beim Schlafen hatte Hirscher also im Vorfeld des Nacht-Rennens Probleme, von seiner Müdigkeit war aber im Schladminger Schneetreiben rein gar nichts zu bemerken.

Nach Aussprache wieder voll da

Viel mehr fuhr Hirscher frech und schnell wie immer, denn spätestens seit der öffentlichen Versöhnung mit Kostelic am Montagabend war der Fokus wieder - fast ausschließlich - aufs Sportliche gerichtet.

"Ich bin froh, dass das alles vorbei ist und der Sport wieder im Vordergrund steht. Es geht schließlich ums Skifahren. Auch die Aussprache mit Kostelic war sehr wichtig für mich", sagte Hirscher.

Reaktion auf Einfädler

Eine Reaktion auf die angeblichen Einfädler in Zagreb und Adelboden sowie auf die echten Einfädler in Wengen und Kitzbühel gab es aber.

Hirscher setzte nämlich bei der Skiwahl auf jene mit Geierschnäbeln und damit auf die sicherere Variante.

Mit Startnummer 1 ("Das war sicher ein kleiner Vorteil") zauberte Hirscher im ersten Lauf eine grandiose Bestzeit in den Schnee, zur Halbzeit führte er gleich 0,75 Sekunden vor Matt.

"Emotional schönster Sieg"

Und im Finale behielt der ÖSV-Jungstar die Nerven. "Das ist emotional sicher mein bisher schönster Sieg. Die Genugtuung ist ehrlich gesagt sehr groß.

Die letzten Tage waren mitunter die schwierigsten in meinem Leben", jubelte Hirscher, der sich im Ziel vor Erleichterung in den Schnee fallen ließ und als ersten Gratulanten Vater und Trainer Ferdinand umarmen durfte.

Matt wieder am Podest

Matt fuhr nach Rang zwei in Kitzbühel auch beim nächsten Heim-Spektakel zwei Tage später als Dritter wieder aufs Podest.

Der Tiroler hatte im ersten Durchgang mit Rückenproblemen zu kämpfen und musste in der Pause behandelt werden. Dennoch stellte der zweifache Schladming-Gewinner einmal mehr seine Hochform unter Beweis.

"Stimmung beflügelt"

"Schladming ist einfach gewaltig, so eine Stimmung beflügelt. Da kann man gar nicht anders, als volles Risiko gehen und alles probieren", sagte Matt.

Ganz am Limit war Matt aber wie auch schon in Kitz nicht. "Ich habe es im zweiten Lauf unten nicht mehr ganz so laufen lassen, hoffentlich kann ich beim nächsten Rennen einmal hundert Prozent abrufen."

Bestes Saisonergebnis für Herbst

Reinfried Herbst, Schladming-Sieger 2009 und 2010, fuhr als Achter erstmals in dieser Saison unter die besten zehn.

"Schladming beflügelt einfach. Der Ansporn ist, dass du für die sensationellen Fans alles gibst", sagte Herbst.

"Da weißt du, warum die Ski fährst"

Unmittelbar hinter dem Salzburger wurde Benjamin Raich Neunter.

Der Tiroler Schladming-Rekordgewinner (vier Siege) genoss die Atmosphäre in vollen Zügen: "Wenn du hier im Ziel abschwingst, dann weißt du, warum du Ski fährst." Manfred Pranger wurde trotz Grippe 13.

Schild als Vorläuferin

Raichs Freundin Marlies Schild fungierte in Schladming als Vorläuferin. Angesichts ihrer Dominanz im Damen-Slalom hat es schon des öfteren geheißen, Schild könne auch bei den Herren mitfahren.

Und die Salzburgerin bewies, dass sie es auch mit ihren männlichen Kollegen aufnehmen kann, gemäß inoffizieller Zeitnehmung hätte Schild im ersten Lauf Rang 27 belegt.

Schönfelder kämpft mit Schlechter Piste

Damit wäre sie u.a. schneller als Rainer Schönfelder gewesen, der es als 37. nicht ins Finale schaffte. Dem Kärntner machte mit Startnummer 37 die bereits schlechte Piste zu schaffen.

"Ich werde wie ein Verrückter trainieren und schauen, dass ich mich an die schlechten Pisten gewöhne", kündigte Schönfelder, der in den kommenden Wochen auch bei FIS-Rennen an den Start gehen wird, an.

Im Weltcup der Herren geht es nun mit zwei Speed-Bewerben in Garmisch-Partenkirchen weiter, am Samstag und Sonntag stehen ein Super-G und eine Abfahrt auf dem Programm.

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