ÖSV-Pleite in Abfahrts-Lotterie

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ÖSV-Pleite in Abfahrts-Lotterie von Gröden

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Gröden hat einmal mehr einen völlig verrückten Abfahrts-Samstag erlebt.

Der Sieger der Wetter-Lotterie auf der wegen Schneefall und Nebel verkürzten Strecke stand erst kurz vor Einbruch der Dunkelheit fest, das große Los zog der US-Amerikaner Steven Nyman mit Startnummer 39.

Damit feierte der 30-Jährige auch seinen zweiten Weltcup-Triumph in Gröden, seinen Premierensieg hatte er hier 2006 gefeiert.

Guay jubelt zu früh

Nyman gewann 0,19 Sekunden vor dem Slowenen Rok Perko (Startnummer 35), der die im Laufe des Rennens deutlich besser werdende Sicht ebenfalls perfekt ausnützte.

Erst dann folgten die Besten der großen Favoriten: der Kanadier Erik Guay, der schon Sieger-Interviews gegeben hatte, wurde Dritter.

Die beiden Norweger Kjetil Jansrud und Aksel Lund Svindal belegten die Ränge vier und fünf.

Debakel für ÖSV-Herren

Die Österreicher schlitterten in ein schweres Debakel. Joachim Puchner war als bester ÖSV-Läufer 13., direkt dahinter folgte Georg Streitberger als 14..

Der als Mitfavorit gehandelte Abfahrts-Weltcup-Sieger Klaus Kröll wurde sogar auf Platz 29 durchgereicht.

Für die ÖSV-Herren war es das schwächste Abfahrtsergebnis seit 17. Jänner 2009, damals war Streitberger als Bester auf Rang 18 gefahren.

Eine Riesenchance verpasst hat aber vor allem die zweite Garde der ÖSV-Truppe.

Denn im Gegensatz zu Nyman, Perko, Werner Heel (6. mit Startnummer 52) oder der niederländischen Sensation Marvin van Heek (8. mit Nummer 53) nutzten ÖSV-Hoffnungen wie Matthias Mayer (19.), Frederic Berthold (23.), Markus Dürager (33.) oder Otmar Striedinger (45.) die Gunst der Stunde nicht aus.

Wetter-Chaos und Sprint-Abfahrt

An Spannung und Überraschungen fehlte es am Samstag in Gröden keinesfalls. Der erste Krimi war nämlich schon, ob das Rennen überhaupt stattfinden kann.

Die Wetterprognosen im Grödnertal waren nämlich leider zutreffend. In der Nacht hatte sich der Niederschlag noch in Grenzen gehalten, in der Früh setzte dann aber starker Schneefall ein.

Das Unterfangen, eine klassische Abfahrt über die gesamte Saslong-Strecke durchzuführen, stellte sich rasch als aussichtslos heraus.

Letzte Chance genutzt

Die Kräfte wurden daher auf den unteren Abschnitt fokussiert, um vom Super-G-Start ein Sprintrennen mit zwei Durchgängen zu ermöglichen.

Auch dieser Plan scheiterte, deshalb war eine Abfahrt vom Super-G-Start die letzte Chance. Und die wurde dann auch genutzt.

Eine Entscheidung, mit der der schwer geschlagene Kröll nicht wirklich zufrieden war: "Sportlich wertvoll war das heute nicht. Ich hab mir aber schon gedacht, dass sie das Rennen irgendwie durchdrücken wollen."

Ärger bei Klaus Kröll

Kröll merkte aber selbst an, dass es Leute wie Guay oder Svindal sehr wohl ins Spitzenfeld geschafft haben.

"Nur ich fahr irgendwo im Mittelfeld herum", ärgerte sich der 32-Jährige, der damit weiter auf sein erstes Podestergebnis auf der Saslong warten muss.

Als Puchner ins Ziel kam, ballte er die Faust. Denn mit der Fahrt durfte der Salzburger durchaus zufrieden sein.

"Im Gegensatz zu den Trainings hab ich die Sprünge gut erwischt und das Tempo mitgenommen", bilanzierte Puchner.

Gröden, wie man es kennt

In weiterer Folge war er aber chancenlos: "Jetzt ist einfach kein Schnee mehr auf der Strecke und die Sicht besser. Da wird man durchgereicht. Ein unglaubliches Derby."

Streiberger meinte achselzuckend: "So ist es halt in Gröden."

Der Salzburger erwischte zum ersten Mal in seiner Karriere die Ciaslat-Wiese perfekt, dafür kostete ihn ein Ausflug in den Tiefschnee im oberen Teil viel Zeit.

"Gunst der Stunde genützt"

Einen Tag wie aus dem Bilderbuch erwischte Nyman, für den Gröden natürlich ein ganz spezieller Ort ist.

"Das ist ein echter Traum. Hier in Gröden fühle ich mich einfach sehr wohl. Das ist mein Rennen hier", meinte der US-Amerikaner, der sich im November 2011 in Copper Mountain einen Riss der linken Achillessehne zugezogen hatte.

"Ich hatte zuletzt viele Verletzungsprobleme. Jetzt bin ich aber langsam wieder dort, wo ich einmal war."

Auf die Frage, ob es ein faires Rennen war, meinte Nyman: "Es war nicht superfair, aber ich habe die Gunst der Stunde genützt."

Für die Allrounder unter den Weltcup-Herren geht es bereits am Sonntag mit einem Riesentorlauf in Alta Badia (9.30 und 12.30 Uhr) weiter.

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