Hirscher jubelt über Double in Adelboden

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Die Erfolgsserie von Marcel Hirscher ist auch am Sonntag im Slalom des alpinen Ski-Weltcups in Adelboden weitergegangen.

Und der Lauf des jungen Salzburgers nimmt schön langsam historische Dimensionen an.

Auf Stenmarks Spuren

Hirscher gewann auch das dritte Rennen des Jahres 2012 und stellte damit einen Uralt-Rekord des legendären Schweden Ingemar Stenmark ein.

Stenmark hatte 1978 als bis Sonntag einziger männlicher Athlet in der Weltcup-Geschichte die ersten drei Bewerbe eines Kalenderjahres für sich entschieden.

Zudem geht Hirscher als jener Athlet in die Historie ein, der als erster das Adelboden-Double mit Siegen in Riesentorlauf und Slalom an einem Wochenende geschafft hat.

Führung ausgebaut

Mit seinem fünften Saison-Triumph, dem dritten innerhalb von nur vier Tagen, hat der 22-Jährige den Vorsprung im Gesamt-Weltcup weiter ausgebaut.

Hirscher führt schon 230 Punkte vor dem kroatischen Titelverteidiger Ivica Kostelic. Der Norweger Aksel Lund Svindal, der am Sonntag krank im Bett lag, weist bereits 269 Zähler Rückstand auf den ÖSV-Jungstar auf.

Achter Weltcupsieg

"Schön langsam fehlen mir die Worte. Es läuft derzeit einfach extrem gut. Ich falle kaum aus, und diese Beständigkeit stärkt auch mein Selbstvertrauen", sagte Hirscher, der bei Schneefall, Nebel und Riesenlöchern in der Piste 0,27 Sekunden vor Kostelic und 0,99 Sekunden vor dem Italiener Stefano Gross den achten Weltcup-Erfolg seiner Laufbahn einfuhr.

Mario Matt wurde Vierter, Benjamin Raich landete als Achter ebenfalls in den Top Ten. Für die große positive Überraschung sorgte Rainer Schönfelder als 14. und mit Bestzeit im zweiten Durchgang.

Pause statt Super-Kombi

Die historischen Bestmarken lassen Hirscher genauso kalt wie seine Spitzenposition im Weltcup. "Momentan ist mir das egal. Vielleicht wird das einmal interessant, wenn ich aufgehört habe."

Jetzt möchte sich Hirscher von den Strapazen der vergangenen Tage erholen. "Ich bin sehr müde und brauche jetzt ein paar Tage Ruhe."

Die Super-Kombination am Freitag in Wengen ist kein Thema, sein nächster Einsatz steht am Sonntag im Wengen-Slalom auf dem Programm.

Chef zieht den Hut

Auch ÖSV-Cheftrainer Mathias Berthold wird der Erfolgsrun schön langsam unheimlich.

"Alle Achtung, schön langsam ziehe ich meinen Hut. Das ist wirklich eine Wahnsinnsserie, die Marcel da hinlegt. Hier in Adelboden auf dem anspruchsvollen Hang beide Rennen zu gewinnen, das ist beeindruckend", erklärte der Vorarlberger.

Matt schreibt erstmals an

Matt schrammte knapp am Podest vorbei, im Schlusshang vermied der Tiroler mit viel Mühe und Glück einen Ausfall.

"Im Training funktioniert es schon die ganze Saison perfekt. Ich bin froh, dass ich jetzt endlich auch ein gutes Ergebnis im Ziel habe", sagte Matt, der angesichts der schwierigen Bedingungen meinte: "Ich habe fast nichts gesehen, es war wirklich wild heute."

Bestes Saisoneregbnis für Raich

Raich fuhr einen Tag nach seinem zweiten Rang im Riesentorlauf wie Matt sein bestes Saisonresultat im Slalom ein.

"Es war extrem schwierig. Die Sicht war schlecht, die Piste ruppig. Aber mein Wochenende hier in Adelboden war ein Erfolg", bilanzierte der 33-Jährige.

Laufbestzeit für Schönfelder

Im Gesicht von Schönfelder war Erleichterung, Genugtuung und pure Freude zu erkennen.

Der Kärntner, der im Frühjahr aus dem ÖSV-Kader geflogen war, holte erstmals seit 15. November 2009 (Rang 20 in Levi) wieder Weltcup-Punkte. Damit erfüllte der 34-Jährige bei der womöglich letzten Chance die ÖSV-Vorgabe, in die Top 30 zu fahren.

"Das ist wie Weihnachten, ich hatte schon lange nicht mehr so eine Freude. Es ist wunderbar", frohlockte Schönfelder und sang im Ziel mit den Fans den "Heidi"-Song.

So wie bei seinem bisher letzten Weltcup-Sieg am 8. Februar 2004 in Adelboden. Damit steht einem Einsatz am Sonntag in Wengen nichts im Wege.

Pranger fliegt ab

Manfred Pranger riskierte voll - und verlor. Der Tiroler war im ersten Durchgang schnell unterwegs, flog aber kurz vor dem Ziel spektakulär aus dem Rennen - ähnlich wie bei Olympia 2010 in Kanada.

"Leider hat der Ski hinten gebissen und ich bin abgeflogen. Ich hätte vielleicht unten zurückschalten sollen, aber ich war einfach so gut unterwegs und wollte bis ins Ziel volles Rohr fahren. Leider ist es nicht belohnt worden. Ich wollte eigentlich eine spektakuläre Zeit hinlegen, nicht einen spektakulären Sturz", erklärte Pranger.

Der Weltmeister 2009 hofft, dass sein lädiert gewesener Rücken nicht zu stark in Mitleidenschaft gezogen worden ist.

Pranger ist im April 2009 auf der linken Rückenseite operiert worden, der heftige Aufprall am Sonntag erfolgte zu seinem Glück rechts.

Herbst fehlt das Glück

Vom Glück verlassen fühlt sich weiterhin Reinfried Herbst, der im ersten Lauf einfädelte und damit endgültig aus der ersten Startgruppe der Top-15 hinausfallen wird.

"Ein Einfädler im Slalom kann immer passieren. Aber er kam halt zu einer Zeit, wo es absolut scheiße ist", betonte der Salzburger verärgert.

Die nächste Chance für ihn bietet sich bereits in Wengen. "Ich brauche nichts anderes tun als bis jetzt, es muss einfach nur diese Negativserie aufhören."

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