Serie gerissen! Zielhang wirft Hirscher ab

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Die Erfolgsserie von Marcel Hirscher ist gerissen.

Der Salzburger musste sich am Samstag im Riesentorlauf in Adelboden mit Rang 16 begnügen.

Fehler nach Top-Fahrt

Der entfesselt fahrende Halbzeit-Leader war vor 28.000 Zuschauern auf dem besten Weg zu einem überlegenen Triumph, ein Fehler im steilen Schlusshang wenige Tore vor dem Ziel bedeutete aber das Ende von Hirschers Träumen. Den Sieg erbte Ted Ligety.

Der US-Amerikaner gewann überlegen vor den beiden Deutschen Fritz Dopfer (+1,15 Sekunden) und Felix Neureuther (1,24) und freute sich über seinen ersten Sieg beim Klassiker auf dem Chuenisbärgli.

Ligety als glücklicher Sieger

"Dieser Erfolg bedeutet mir sehr viel, jetzt habe ich alle Riesentorlauf-Klassiker gewonnen."

Ligety gestand aber nach dem 15. Sieg seiner Karriere und dem vierten in diesem Winter: "Eigentlich war ich mir schon sicher, dass ich das Rennen nicht gewinne. Hirscher hätte sich den Sieg heute verdient gehabt, ich hatte großes Glück."

Dennoch baute Ligety seine Führung im Riesentorlauf-Weltcup deutlich aus. Nach dem vierten Sieg im fünften Saisonbewerb (nur in Val d'Isere gewann Hirscher) weist Ligety 460 Punkte auf, Hirscher folgt mit 335 Zählern.

Erleichertung trotz schwerem Schnitzer

Hirscher, der 2012 in Adelboden im Riesentorlauf und im Slalom gewonnen hatte, durfte sich aber am Samstag als heimlicher Sieger fühlen.

Denn der 23-Jährige schien seinem großen Rivalen Ligety an diesem Tag eindeutig überlegen zu sein.

"Trotz des 16. Platzes bin ich erleichtert. Das ist eine extreme Genugtuung und Belohnung für meine harte Arbeit in den vergangenen Monaten", berichtete Hirscher, der nach den Riesenrückständen auf Ligety in Sölden, Beaver Creek und Alta Badia noch härter an sich arbeitete.

"Grenze überschritten"

Nach neun Podestplätzen in den ersten neun Technikrennen der Saison schoss Hirscher aber diesmal auch übers Ziel hinaus.

"Heute hab ich die Grenze leider überschritten. Ich hab übertrieben und bin dafür bestraft worden", meinte Hirscher, der resümierte: "Ich stand kurz vor dem Sieg, aber jetzt kann ich mir nicht einmal eine Wurstsemmel drum kaufen."

Eine weitere Serie endet: Erstmals seit Dezember 2011 (Alta Badia) schaffte es Hirscher in einem Riesentorlauf nicht aufs Siegerpodest.

Gesamtweltcup-Führung behauptet

Im Gesamtweltcup führt Hirscher noch 26 Punkte vor dem Norweger Aksel Lund Svindal (6. in Adelboden) und 103 Zähler vor Ligety.

Am Sonntag hat Hirscher die Chance, im Slalom auf dem Chuenisbärgli seine Führung wieder auszubauen.

Routiniers melden sich zurück

Die letzte Chance auf ein Ticket für den WM-Riesentorlauf genützt haben wohl Philipp Schörghofer und Benjamin Raich.

Der Salzburger als Siebenter und der Tiroler als Achter waren im letzten Bewerb vor der Heim-WM in Schladming die mit Abstand Besten der Anwärter.

Schörghofer erleichtert

"Jetzt ist mir schon ein mittelgroßer Felsen vom Herzen gefallen", gestand Schörghofer, der WM-Dritte 2011.

"Bis jetzt habe ich in diesem Winter in den Rennen nichts zusammengebracht. Heute waren endlich wieder coole Schwünge dabei. Es ist zwar noch nicht ideal, aber ich bin auf dem Weg der Besserung", freute sich der Salzburger.

Raich mit gedämpfter Euphorie

Gebremste Euphorie zeigte Raich. "Ich hatte mir schon mehr vorgenommen, hatte aber heute nicht den richtigen Zug am Ski. Den achten Platz nehm' ich aber natürlich gerne mit."

Als WM-Fixstarter wollten sich Schörghofer und Raich noch nicht sehen. "Mal schauen, was die Chefs sagen. Aber ich wäre natürlich topmotiviert", sagte Raich.

Ärger beim Cheftrainer

Ihre Möglichkeiten auf bessere WM-Chancen verspielt haben bereits im ersten Durchgang Christoph Nösig und Marcel Mathis, sie verpassten mit den Rängen 31 und 33 knapp das Finale.

"Das war einfach nur schlecht. Ich habe viel zu wenig attackiert", ärgerte sich Mathis. "Das ist nicht das, was ich kann. Es wird Zeit, dass ich meine Leistung nicht nur im Training, sondern auch im Rennen zeige", meinte der 21-jährige Vorarlberger selbstkritisch.

Auch ÖSV-Herren-Cheftrainer Mathias Berthold sparte nicht mit Kritik: "Ein paar sind heute im ersten Lauf auf alle Fälle ins Abseits gefahren. Das hatte nichts mit Skirennsport zu tun, sondern mehr mit Skiurlaub. Das ärgert mich sehr."

Reichelt und Baumann geschwächt

Hannes Reichelt und Romed Baumann schafften es trotz Grippeerkrankung zwar in den zweiten Lauf, schieden dort aber entkräftet aus.

"Unter normalen Umständen wäre ich gar nicht an den Start gegangen. Aber wenn es um einen WM-Startplatz geht, dann mobilisiert man alle Kräfte", sagte Baumann.

"Ich habe gehofft, dass es geht. Aber die Grippe steckt mir noch in den Knochen", meinte Reichelt enttäuscht.

Kleines Schweizer Erfolgs-Erlebnis

Die in der tiefsten Krise der Weltcup-Geschichte steckenden Schweizer hatten wie erwartet nichts mit dem Kampf ums Podium zu tun.

Die heißesten Eisen Didier Defago (38.) und Carlo Janka (ausgeschieden) ließen aus, dafür sprang mit Startnummer 52 Gino Caviezel in die Bresche. Der 20-Jährige rettete mit Platz 11 die Ehre der Hausherren.

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