Die Geister, die er rief

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Reichelts Traum von der personalisierten Gondel

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„Das war teilweise richtig schlecht, was ich zusammengefahren bin. So ist man hier nicht vorne dabei."

Hannes Reichelt hielt mit seiner Enttäuschung über Rang 14 im Super-G von Kitzbühel im Gespräch mit LAOLA1 nicht hinterm Berg.

Der Probe-Galopp für den samstägigen Downhill ging für den Salzburger gründlich daneben.

Ein Erklärungsversuch: „Ich war vom Start weg zu gerade und habe dadurch die kleinen Schläge voll abgekriegt. Mit dieser Linie gewinne ich in der Abfahrt gar nichts!“

"Gradmesser für die Abfahrt"

Aber lieber ein Wachrütteln zur rechten Zeit, als die große Ernüchterung nach der WM-Generalprobe im Abfahrts-Mekka für den zweifachen Trainingszweiten und Mitfavoriten.

Vor dem Super-G galt Reichelt als erster Herausforderer des Norwegers Aksel Lund Svindal, je 17 blaue und rote Tore später hat sich die Ausgangslage zumindest für den Salzburger leicht verändert.

„Der Super-G war sicher ein Gradmesser für die Abfahrt. Vom Speed her ist es ähnlich und die Traverse ist fast schwieriger zu fahren.“

Traum von der eigenen Gondel

Die Zielsetzung bleibt jedoch unverändert: „Die Streif ist das Nonplusultra, hier höchte jeder gewinnen“, träumt auch Reichelt davon, eines Tages in den Klub der Streif-Legenden aufgenommen zu werden.

„Kitzbühel ist ein irrsinniger Mythos! Hier eine Gondel mit meinem Namen zu haben, wäre richtig cool.“

Nach fünf Schweizer Siegen (vier Mal Cuche, einmal Defago; Anm.) en suite, ist es auch wieder an der Zeit für einen rot-weiß-roten Triumph, findet Reichelt.

„Durch das lange Warten ist der Sieg wenigstens wieder etwas wert.“

Bereit für Kampf mit dem Berg

Aber der 32-Jährige weiß, dass der Weg auf das oberste Stockerl vor allem über einen Mann führt. „Cuche ist kaum weg, ist mit Svindal auch schon wieder ein anderer da.“

Der möchte nach seinem Super-G-Triumph das Gams-Double holen. Hannes Reichelt kümmert das vorerst wenig, er schaut auf sich und seine Leistung.

„Ich habe Ehrfurcht vor der Streif und vorm Kampf gegen den Berg“, weiß der einzige österreichische Saisonsieger in der Abfahrt, dass der Grat zwischen Siegen und Fliegen gerade in Kitzbühel ein besonders schmaler ist.

„Das macht es so gefährlich und gleichzeitig so interessant. Hier runter verlangt einfach jede Passage volle Konzentration.“

Kein wilder, aber ein schneller Hund

Das wurde Reichelt beim Training am Mittwoch in Erinnerung gerufen, als der 2011 so schwer gestürzte Hans Grugger neben ihm durch die Mausefalle rutschte, jene Schlüsselstelle, die dem ehemaligen Teamkollegen einst zum Verhängnis wurde.

„Da wird dir schon in Erinnerung gerufen: Mach keinen Scheiß!“ In diesen Momenten wird ihm auch bewusst, sagt Reichelt, dass er nach wie vor kein „wilder Hund“ ist.

Aber zumindest ein schneller, wie man seit Wengen weiß, wo er als einziger Österreicher die 160 km/h knackte. Weil er – Zitat - „zu wenig Kraft zum Bremsen“ hatte.

Die Kraft für zwei WM-Starts in Schladming hat er aber. In der Abfahrt ist Reichelt sowieso Fixstarter, im Super-G hat er mit einem dritten Platz in Beaver Creek sehr gute Karten.

„Die Entscheidung treffen die Trainer, aber ich möchte eigentlich nur fahren, wenn ich eine Chance auf eine Medaille habe.“

 

Stephan Schwabl

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