Reichelt: Gesundheit wichtiger als der Sieg

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Stephan Eberharter war einer der ersten Gratulanten.

Aber Hannes Reichelt hatte anderes im Sinn, als ihm der dreimalige Kitzbühel-Sieger die Hand entgegenstreckte.

„Wir müssen reden, wie das mit der Traverse geht“, lachte der Abfahrts-Dritte.

Eberharter hatte die Fahrt des Salzburgers live im Zielraum gesehen und lieferte ihm sogleich die Analyse.

"War schon richtig heavy!"

„Zwei Meter enger, dann fährst du wie Paris auf der blauen Linie und holst dir das Ding“, so der 43-Jährige.

Vor dem Rennen war er noch höchstselbst über das Querstück zwischen Hausberg und Zielhang gerutscht, wo er 2004 mit der vielleicht brutalsten Linie ever ein Stück Ski-Geschichte schrieb.

Eberharters Eindruck: „Das war heuer schon richtig heavy!“

Gesund heimfahren

Fast schon Heavy-Metal, befand Reichelt, der im Ziel „auf mehr Rückstand und eine schlimmere Platzierung“ vorbereitet war.

„Oben bin ich gut gefahren, aber in der Traverse hat das Herz zu bluten begonnen“, wusste der Hobby-Pilot genau, worin sein Sinkflug vom ersten auf das dritte Treppchen begründet war.

„Ein, zwei Meter höher und ich gewinne das Rennen. Ich habe alles riskiert, war voll auf Zug, bis es mich runtergeklopft hat. Aber das ist Kitzbühel und im Endeffekt bin ich froh, dass ich gesund ins Auto steige und heimfahre.“

Deshalb und weil es schlussendlich und nach langer Zitterpartie doch mit dem Stockerl klappte, trauert er auch dem Sieg nicht nach. „Ich habe ja noch ein paar Jahre und vielleicht geht es sich einmal aus.“

Nach wie vor kein Abfahrer

Die WM-Generalprobe für den besten heimischen Abfahrer und einzigen Saisonsieger in diesem Winter (Bormio; Anm.) ist jedenfalls geglückt.

„Für mich war es wichtig, dass ich nach dem verpatzten Super-G bewiesen habe, dass ich schnell Skifahren kann.“

Mit dem Begriff Abfahrer hat der 32-Jährige, der sich wie einst Vorbild Eberharter eher als Allrounder sieht, weiterhin seine liebe Not.

„Ich bin wahrscheinlich der letzte, der sich noch dagegen wehrt. Aber heute kann man sagen, dass ich bis zur Hausbergkante ein Abfahrer war.“

Erst heim, dann nach Saalbach

Bis zumindest Dienstag wird pausiert, dann übersiedelt Reichelt nach Saalbach-Hinterglemm, wo sich das rot-weiß-rote Speed-Team auf die Heim-Weltmeisterschaft in Schladming vorbereitet.

Ob er vor der Abfahrt auch den Super-G fahren darf, weiß der Radstädter noch nicht. „Ich bin mir sicher, dass ich es auch im Super-G drauf habe, aber bislang ist es mir noch nicht gelungen, es konstant umzusetzen.“

Auch im Riesentorlauf darf sich Reichelt, der bei der letztjährigen WM-Generalprobe im Rahmen des Weltcup-Finales immerhin Zweiter wurde (damals allerdings noch auf dem alten Material; Anm.) Chancen ausrechnen.

Super Form statt Krise

Und das trotz durchwachsener Ergebnisse: der 6. Platz von Sölden ist sein bestes Resultat in diesem Winter.

Angesichts der mageren Ausbeute in den anderen beiden Disziplinen ist er dann doch froh, dass er den Sprung unter die weltbesten Abfahrer geschafft hat.

„Wenn ich so wie früher nur Riesentorlauf und Super-G hätte, wäre ich in der Krise, aber so reden alle nur von meiner super Form.“

 

Stephan Schwabl

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