"In Kitzbühel passt das Verhältnis Preisgeld zu Risiko"

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„Mit dem Niki ist ausgemacht, dass wir uns treffen, wenn es meine Zeit zulässt. Aber ich hoffe, dass ich ein stressiges Wochenende habe.“

Gerne würde sich Hannes Reichelt in Kitzbühel mit Airliner Niki Lauda über seine neue Leidenschaft, die Fliegerei, austauschen.

Aber noch lieber würde der Salzburger am Samstag in der Abfahrt, sofern eine stattfindet, ganz oben stehen.

Durchbruch gelungen

„Am Schönsten wäre es, wenn wir uns am Abend im VIP-Zelt treffen. Aber aufgrund des Resultats.“

Denn der Abfahrtssieger wird, nachdem er am Balkon des Zielhauses die Goldene Gams in Empfang genommen hat, auch auf der Race-Party gefeiert.

Aber daran mag Reichelt, dem in diesem Winter der Durchbruch in der Abfahrt gelungen ist, noch nicht denken. Und auch nicht an die 50.000 Euro Preisgeld, die auf den Sieger warten.

Stattdessen spricht er im LAOLA1-Interview seine Gedanken über die Herangehensweise auf der Streif, die Schweizer Dominanz im Speed-Bereich und zum Thema Sicherheit laut aus.

 

LAOLA1: Warum bricht Didier Cuche nicht den Klammer-Rekord auf der Streif?

Hannes Reichelt: Weil wir ein paar starke Läufer haben, die da etwas dagegen haben. Klaus Kröll ist sicher unser heißestes Eisen, Mario Scheiber hat im ersten Training aufgezeigt, aber den muss man in Kitzbühel sowieso immer auf der Rechnung haben. Und ich hoffe natürlich, dass ich auch ein Wörtchen um den Sieg mitreden kann.

LAOLA1: Was macht Cuche besser als der Rest, dass er in den letzten vier Jahren drei Mal Kitzbühel gewonnen hat?

Reichelt: Er ist ein komplett wilder Hund. Manchmal denkst du dir, dass er komplett irre ist. Wie zum Beispiel im zweiten Training beim Zielsprung.

LAOLA1: Du hast nach Platz zwei in Wengen gesagt, dass du jetzt auch ein „wilder Hund“ bist. Wie viel fehlt aber noch auf den Schweizer Rudelführer?

Reichelt: Im Training waren es sieben Zehntel, also eigentlicht nicht so viel. Aber eigentlich sind es schon noch ein, zwei Lernjahre. Da geht es nicht nur um die Strecken. Cuche ist ein genialer Springer, der mit seiner Routine genau weiß, wie viel er bei welchem Jump riskieren kann. Beim Pilot werden sind es die Flugstunden, beim Skifahren die Kilometer.

LAOLA1: Österreich wartet in dieser Saison noch auf einen Speed-Sieg, die Schweizer Herren halten bereits bei fünf Erfolgen. Vorteil Eidgenossen?

Reichelt: Wir sind knapp dran, es ist nicht so schwarz, wie es vielleicht aussieht. In Wengen haben mich die Schweizer Journalisten gefragt, was uns in den technischen Disziplinen so stark macht. Da hat der Marcel bewiesen, wie stark wir sind. Vor allem im Slalom fehlt es den Schweizern doch weit.

LAOLA1: Aber nach dem Schweizer Heimsieg am Lauberhorn wäre es doch schön, könnte Österreich daheim zurückschlagen?

Reichelt: Das haben wir vor! Wir hätten es ja schon in Wengen probiert, den Schweizern die Suppe zu versalzen. Das ist uns nicht ganz geglückt, jetzt liegt es an uns, dass wir in Kitzbühel die Suppe sauber halten.

LAOLA1: Ist dieses Unterfangen in Kitzbühel schwieriger als in Wengen?

Reichelt: Ein Rennen zu gewinnen ist überall schwierig. Du brauchst einen guten Tag, das Material muss perfekt passen und es gehört immer auch ein bisschen Glück dazu. Cuche und Feuz sind heiße Eisen, aber es gibt nicht nur die beiden. Auch mit einem Bode Miller muss man rechnen.

LAOLA1: Rechnet man als Läufer auch, was man im Fall der Fälle mit dem Preisgeld für den Sieg machen würde?

Reichelt: Ich mache mir darüber eigentlich keine Gedanken. Nur in Bormio, da habe ich mich schon geärgert, dass es so wenig Preisgeld gibt, für das Risiko, das wir eingehen. In Kitzbühel passt das Verhältnis zwischen Risiko und Preisgeld. Wenn es einen Kostelic abwirft, den zur Zeit sichersten Skifahrer im Weltcup, dann weiß man, was Sache ist.

LAOLA1: Wenn es nicht das Geld ist, warum riskiert man dann in jedem Training und dann auch im Rennen Kopf und Kragen, um ganz vorne dabei zu sein?

Reichelt: Was der Grund ist? Wir sind alle ein bisserl gestörte Hunde!

LAOLA1: In den letzten Jahren hat Bormio im Ranking der gefährlichsten Abfahrten aufgeholt. Ist Kitzbühel nach wie vor noch die Nummer 1?

Reichelt: Für mich schon. Man muss sich ja nur anschauen, wie viele schwere Stürze es in den letzten Jahren gegeben hat. Mit Kopfverletzungen. Wenn du in Kitzbühel stürzt, dann geht es meistens nicht glimpflich aus. Bei der Sicherheit muss die Formel 1 das Vorbild sein. Da kracht es zwar auch immer wieder, aber ohne grobe Verletzungen.

LAOLA1: Seit dieser Saison gibt es bei jeder Abfahrt einen Athletensprecher. Ein erster Schritt in die richtige Richtung?

Reichelt: Ja. In Beaver Creek zum Beispiel hat man gleich gesehen, wie wichtig das ist. Eigentlich hat es bei jeder Abfahrt ein paar Kleinigkeiten gegeben, die geändert werden mussten. Hier in Kitzbühel zum Beispiel die Hausbergkante. Wenn man in diesen Dingen mit einer Stimme spricht, hilft das natürlich schon.

LAOLA1: Wir danken für das Gespräch.

Das Interview führte Stephan Schwabl

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