Matt: "Bin für den Slalom hier, nicht für die Party!"

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Das Hoch "Mario" taucht in den Wetterkarten der Meteorologen nicht auf. Dabei kehrt es jeden Jänner wieder.

So auch in diesem Jahr. Es dauerte auch in diesem Winter ein bisschen, bis Mario Matt auf Touren kam.

Aber pünktlich zum Jahreswechsel war es wieder soweit: Nach Rang drei in Zagreb flog der "Adler vom Arlberg" in Adelboden auf den zweiten Platz.

Bereit für einen heißen Tanz

In Wengen machte ihm das Material einen Strich durch die Rechnung, aber dieses Problem hat er beim Einzeltraining daheim in St. Anton in den Griff bekommen.

Also kommt Kitzbühel, wo er seit jeher stark fährt, gerade recht. Auch, wenn ihm im Vorfeld eine Verkühlung zusetzte. Zur Sicherheit ließ Matt auch die Startnummern-Auslosung aus.

Vor dem heißen Tanz im eisigen Stangenwald hat sich der 33-Jährige Zeit für ein ausführliches Gespräch genommen.

Die behandelten Themen: Natürlich Kitzbühel, die WM in Schladming, und der Stenmark-Rekord. Das ist dabei herausgekommen:

LAOLA1:Sie haben sich zuletzt mit Einzeltraining in St. Anton auf Kitzbühel vorbereitet. Wie ist es also aktuell um die Form bestellt?

Mario Matt: Das Training daheim war perfekt. Ich hatte eine tolle Piste, super Verhältnisse und Traumwetter. Das hat richtig Spaß gemacht. Wir haben noch einiges beim Material probiert, das hat im Training schon sehr gut ausgeschaut. Hoffentlich passt es am Sonntag auch.

LAOLA1: In Wengen hat Sie das Set-Up eine bessere Platzierung gekostet?

Matt: Ja, das stimmt. Da hat es nicht ideal gepasst. Aber wir wissen, woran es gelegen ist. Und in Kitzbühel haben wir auch ganz andere Bedingungen. Hier wird es relativ hart und eisig sein.

LAOLA1: Schaut man sich ihre Kitzbühel-Bilanz von einem Sieg (siehe Bild oben) und fünf Stockerlplätzen an, ist es wenig gewagt, wenn man behauptet, dass Sie den Hang hier mögen?

Matt: Es ist sehr speziell hier, ich möchte fast sagen eigenartig. Der Hang hängt im Mittelteil nach links weg, dazu die vielen Wellen. Ich habe keine Erklärung dafür, warum ich Kitzbühel so gerne mag, aber es stimmt sicher, dass ich hier meistens gut über dem Ski stehe.

LAOLA1: Zählen Sie sich also zum engsten Kreis der Sieganwärter?

Matt: Wenn es normal läuft, gehöre ich sicher dazu. Aber nach dem bisherigen Saisonverlauf muss man natürlich vor allem den Marcel auf der Rechnung haben. Er ist brandgefährlich und will natürlich auch hier wieder aufs Stockerl fahren. Aber es gibt genügend andere Kandidaten, die das auch wollen. Es wird sicher wieder sehr, sehr spannend.

LAOLA1: Wir haben eine der spannendesten Abfahrten aller Zeiten hier in Kitzbühel gesehen. Kann der Slalom da überhaupt mithalten?

Matt: Der Slalom muss da nicht mithalten. Für uns Slalomläufer ist Kitzbühel auch ein ganz besonderes Rennen. Das spürt, glaube ich, jeder, dass hier die Atmosphäre und die Euphorie ganz anders sind. Und für mich als Tiroler ist es sowieso ein ganz spezielles Rennen.

LAOLA1: Das Slalom-Team ist am Freitag angereist und auch nicht in Kitzbühel einquartiert. Kriegen Sie von dem Trubel überhaupt etwas mit?

Matt: Nein, nein, überhaupt nicht. Wir haben zwar ein paar Termine, aber dann geht es gleich wieder ins Hotel. Mein Fokus ist auf das Rennen ausgerichtet, nicht auf die Party. Das hebe ich mir für die Zeit nach der Karriere auf.

LAOLA1: Nach Kitzbühel ist vor Schladming und also der Heim-Weltmeisterschaft. Wie sieht eigentlich ihr Fahrplan aus?

Matt: Zunächst einmal geht es von Kitzbühel direkt weiter nach Moskau. Das ist noch ein bisschen stressig mit der Reiserei. Aber wir haben bis zum WM-Slalom ja noch ein bisschen Zeit. Deshalb werde ich nach Moskau ein paar Tage Pause machen und mir überlegen, wie meine Vorbereitung für Schladming aussieht.

LAOLA1: Jeder Läufer, den man fragt, behauptet mit dem Brustton der Überzeugung, dass die Weltmeisterschaft noch überhaupt kein Thema ist. Stimmen Sie in den Chor mit ein?

Matt: Naja, ich habe jetzt noch kein WM-Gefühl. Aber ich habe mich schon dabei erwischt, dass ich an meine beiden WM-Titel gedacht habe und wie toll es ist, dass ich in meiner Karriere das Glück hatte, diesen Erfolg schon zwei Mal zu erleben.

LAOLA1: Und Sie kennen auch das Gefühl, wie es ist, daheim Weltmeister zu werden?

Matt: Für Schladming macht es keinen Unterschied. Aber St. Anton war schon ein ganz spezielles Rennen für mich. Das war Wahnsinn, einfach genial, da wurde schon in jungen Jahren ein Traum wahr. So etwas lässt sich nicht wiederholen.

LAOLA1: Immerhin könnten Sie in Schladming Geschichte schreiben und mit einem dritten WM-Titel mit dem großen Ingemar Stenmark gleichziehen.

Matt: Ach, immer diese Statistiken. Für mich spielt das überhaupt keine Rolle, ich denke nicht an solche Dinge. Für mich ist nur die Gegenwart interessant – und die heißt Kitzbühel.

LAOLA1: Wir danken für das Gespräch.

 

Das Interview führte Stephan Schwabl

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