"Mein Tag bräuchte 48, 50, oder 60 Stunden"

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„Eier. Wir brauchen Eier!“, antwortete Tormann-Legende Oliver Kahn einst nach einer Niederlage auf die Frage, was seiner Mannschaft zum Sieg gefehlt habe.

Ähnlich sieht es Marcel Hirscher, auch wenn man Platz zwei im Kitzbühel-Slalom wahrlich nicht als Niederlage bezeichnen kann. „Ich hatte nicht die Eier, dass ich ihn im Mittelteil über die Wellen drüberlasse“, konstatiert er in Hinblick auf den Zeitverlust im zweiten Durchgang auf Sieger Mattias Hargin.

Dennoch zeigt sich der 25-Jährige mit dem zweiten Rang und den 160 Punkten, die er aus Kitzbühel mitnimmt, äußert zufrieden. „Ein zweiter Platz kann keine Enttäuschung sein. Es ist unglaublich toll, in Kitzbühel Zweiter zu werden und 160 Punkte zu machen. Ich bin sehr dankbar.“

„Ich war im zweiten Lauf im Mittelteil einfach nicht so gut wie Mattias. Ich habe noch nie gesehen, dass jemand so viel Risiko über die Übergänge und Kuppen nimmt. Das war einer der besten Slalom-Durchgänge, die ich je gesehen habe“, streut Hirscher dem Schweden Rosen.

Warum ihm der ganze Trubel in Kitzbühel fast etwas zu viel ist, er den Gesamtweltcup immer im Hinterkopf hat und es ihm das Herz bricht, nicht allen Kindern Autogramme geben zu können erfährst du bei LAOLA1.

MARCEL HIRSCHER...

… über den Stellenwert des zweiten Platzes:

Ein zweiter Platz kann keine Enttäuschung sein. Es ist unglaublich toll, in Kitzbühel Zweiter zu werden und 160 Punkte zu machen. Ich bin sehr dankbar. Ich muss Mattias (Hargin/Anm.) für seinen fantastischen zweiten Lauf gratulieren. Ich habe noch nie gesehen, dass jemand so viel Risiko über die Übergänge und Kuppen nimmt. Das war einer der besten Slalom-Durchgänge, die ich je gesehen habe.

… über den Unterschied zwischen seiner und Hargins Fahrt:

Ich war im zweiten Lauf im Mittelteil einfach nicht so gut wie Mattias. Dort darfst du keine Kompromisse machen und musst voll riskieren. Es war sehr schnell mit vielen Kombinationen und sehr schwer. Es gab so viele riskante Tore, wo Mattias volles Risiko genommen hat. Er ist definitiv besser gefahren.

… ob ihn der Zeitrückstand im Ziel überrascht hat:

Ich habe es so angelegt wie im ersten Durchgang. Ich war dann schon überrascht, dass ich im Mittelteil – laut Analyse – so viel Zeit liegen gelassen habe. Wenn man dann aber den Unterschied zwischen meiner und Mattias' Fahrt sieht, ist mit freien Auge zu erkennen, dass er über die Welle so viel Tempo mitgenommen hat. Ich hatte nicht die Eier, dass ich ihn dort drübergelassen habe.

… über die zahlreichen Fans und die Stimmung, als er am Start stand:

Das sind die „Magic Moments“, die mir viel Kraft und Selbstvertrauen für die nächsten Rennen und Monate geben. Dieses Gefühl kann man nicht mit Worten beschreiben. Die Atmosphäre war einzigartig. Ich bin jetzt ungefähr zum siebten Mal hier und habe noch nie so viele Zuseher beim Slalom gesehen.

… über den Trubel in Kitzbühel:

Es ist super und gewaltig, hier zu fahren, aber es ist auch an der Grenze des Machbaren. Mein Tag bräuchte 48, 50, oder 60 Stunden, um alles zu schaffen. Mir tut es irrsinnig Leid für die kleinen Kinder, ich kann niemals allen ein Autogramm geben. Es ist unangenehm, wenn man dann „Nein“ sagen muss. Die Medien warten ja auch, das ist dann alles ein bisschen viel. Aber mir taugt es, das Positive überwiegt allemal.

… über die Rolle, die der Gesamtweltcup bei den Renn-Taktik spielt:

Ich versuche, es so weit wie möglich wegzuschieben, ganz ausblenden kann ich es aber einfach nicht. Über ein Wochenende mit 160 Punkten bin ich sehr froh, das hat sehr viel Wert. Es ist aber nicht mehr so wie früher als ich 18 Jahre alt war und „All in“ gegangen bin. Das habe ich schon länger nicht gemacht. Aber das soll auf gar keinen Fall heißen, dass ich heute schneller fahren hätte können. Die Einstellung ist eben ein bisschen anders.

… ob der Ausfall vom letzten Jahr noch in seinem Kopf war:

Natürlich möchte man nicht ausfallen. Als ich 18 Jahre alt war, konnte ich nur gewinnen. Ich konnte nur überzeugen. Wenn ich ausgefallen bin, gab es vielleicht eine Frage dazu, das war es. Wenn ich gut gefahren bin, hat man über mich berichtet und es war super. Heute wird mehr berichtet, wenn ich ausfalle. Ich bin heute echt nicht enttäuscht, ich bin überglücklich. Ich habe letztes Jahr gemerkt, wie schnell man ausfallen kann. Mit der Vorgeschichte in Wengen (Ausfall/Anm.) lässt mich das natürlich nicht ganz kalt.

 

Aus Kitzbühel berichtet Matthias Nemetz

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