"Bin froh, dass ich da nicht mehr runter muss"

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Vier Jahre ist er her. Der Moment, der Hans Gruggers Leben veränderte.

Am 20. Jänner 2011 stürzte er im Abfahrtstraining auf der Streif schwer und überlebte nur knapp. Ein Comeback-Versuch scheiterte, der Salzburger musste seine Ski-Karriere beenden.

Heute ist der ehemalige Speed-Fahrer Student. „Es macht Spaß und ich bin sehr zufrieden. Ich bin jetzt im vierten Semester, insgesamt dauert es zwölf Semester also wird es wohl noch länger dauern“, lacht Grugger im Gespräch mit LAOLA1.

Sein Studiengebiet lautet Sport und Geografie auf Lehramt. Der 33-Jährige lernt nun nicht mehr die schnellste Linie einer Abfahrt auswendig, sondern Länderkarten. Eigentlich gar nicht so viel Unterschied.

Wehmut verspürt er beim Zusehen im Ziel aber nicht: „Ich war bei der Besichtigung oben und bin froh, dass ich nicht im Renntempo runter muss. Da ist überhaupt keine Wehmut dabei“, versichert er nach dem Kitzbühel-Wochenende.

Warum es für ihn unangenehm ist, wenn ein Fahrer stürzt, er Hannes Trinkls neue Abfahrts-Philosophie gut heißt und er im Kinofilm „Streif – One Hell Of A Ride“ einiges klarstellen wollte, erzählt Hans Grugger im LAOLA1-Interview.


LAOLA1: Wie geht es dir als „Ski-Pensionist“?

Hans Grugger: Mir geht es sehr gut. Ich studiere Sport und Geografie auf Lehramt in Salzburg, es macht Spaß und ich bin sehr zufrieden. Ich bin jetzt im vierten Semester, insgesamt dauert es zwölf Semester also wird es wohl noch länger dauern.

LAOLA1: Du warst ja auch in Kitzbühel vor Ort und hast dir die Abfahrt angesehen. Was geht dabei in dir vor?

Grugger: Für mich ist das Wichtigste, dass alle gesund unten abschwingen. Natürlich freut es mich, wenn jemand wie der Streiti (Georg Streitberger/Anm.) vorne dabei ist. Wenn dann ein Österreicher gewinnt, ist es natürlich noch schöner, aber solange alle gesund unten ankommen, passt es für mich.

Grugger kennt Trinkl gut und verteidigt seine neue Linie in der Abfahrt

LAOLA1: Läuft es dir manchmal kalt über den Rücken, wenn es einem Läufer die Ski verschneidet?

Grugger: Solange es ihn verschneidet nicht. Schlimmer wird es, wenn einer im Netz liegt. Dann ist es ein unangenehmes Gefühl für mich.

LAOLA1: Kommen deine ganzen Erlebnisse dann wieder hoch?

Grugger: Nein, es kommt nicht direkt hoch, ich habe ja keine Erinnerungen an meinem Sturz. Ich weiß einfach, wie es einem nach einem blöden Sturz gehen kann. Das ist dann schon unangenehm für mich.

LAOLA1: Gibt es Momente, in denen du Wehmut verspürst und dir denkst: „Eigentlich würde ich hier schon gerne rennmäßig herunterfahren“?

Grugger: Nein, absolut nicht. Ich war bei der Besichtigung oben und bin froh, dass ich nicht im Renntempo runter muss. Da ist überhaupt keine Wehmut dabei. Ich hatte eine schöne Zeit im Weltcup und schöne Momente erlebt. Jetzt bin ich aber froh, dass es vorbei ist und ich gesund bin.

LAOLA1: Wie nah bist du noch am Weltcup-Geschehen dran? Mit Georg Streitberger scheinst du dich ja gut zu verstehen.

Grugger: Ich habe schon noch Kontakt zu meinen Kollegen, mit denen ich früher schon gefahren bin und die in meinem Aklter sind. Es ist immer nett, wenn ich sie wieder einmal treffe. Mit gewissen Läufern habe ich auch telefonisch öfter Kontakt, das macht Spaß.

LAOLA1: Wie steht du zu dem Vorhaben von FIS-Abfahrts-Renndirektor Hannes Trinkl, der die Abfahrt wieder spektakulärer gestalten will?

Grugger: Ich kenne Hannes gut. Sein Plan, die Abfahrt spektakulärer zu machen dient dazu, die Sicherheit zu erhöhen. Er lässt die ganz engen Kurven weg, auf Sprünge hin baut er nicht unbedingt Richtungsänderungen ein. Das ist eher mehr Sicherheit für die Läufer als größeres Risiko.

LAOLA1: Du hattest im Film „Streif – One Hell Of A Ride“ einen Auftritt. Wie war das für dich?

Grugger: Das war absolut eine neue Erfahrung und sehr interessant. Für mich war es wichtig, meine Geschichte so wiederzugeben, wie es war. Das war emotional gesehen sehr schwierig für mich, aber ich denke, dass es ganz gut gelungen ist. Es hat – im Nachhinein gesehen – auch Spaß gemacht.

LAOLA1: Warum wolltest du deine Geschichte so wiedergeben, wie es tatsächlich war? Hattest du nach deinem Sturz das Gefühl, die Medien verfälschen etwas?

Grugger: Nein, ich wollte einfach nichts schöner machen, als es war. Ich wollte meine Situation darstellen und den Leuten ein Verständnis geben, was ein Schädel-Hirn-Trauma ist und was man danach durchmacht. Wobei es bei mir eh schön ausgegangen ist. Manche Leute haben nicht so viel Glück und es geht nicht so gut aus. Für diese Leute wollte ich Verständnis zeigen, das war mir wichtig und ist mir denke ich auch gut gelungen.

 

Das Gespräch führte Matthias Nemetz

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