Ein Fall für zwei?

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"Ein Höllenritt - die Mausefalle ist etwas grenzwertig"

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Hannes Reichelt oder Kjetil Jansrud? Kjetil Jansrud oder Hannes Reichelt?

Geht es nach zahlreichen Fans und Experten, machen sich der Salzburger und der Norweger den Abfahrtssieg in Kitzbühel untereinander aus.

"Hannes hat ja schon in Wengen gewonnen und ist in richtig guter Form. Er weiß, was hier runter los ist und wie man fahren muss. Er ist sicher einer der größten Favoriten“, schiebt Jansrud seinem Konkurrenten die Favoritenrolle zu.

(K)ein Fall für zwei?

Dennoch denkt der Speed-Dominator der heurigen Saison nicht, dass er nur mit dem Lauberhorn-Sieger um den Sieg rittern wird. "Matthias Mayer, Dominik Paris, da fallen mir viele ein. Es ist so wie in jedem Rennen – fünf, sechs Läufer fahren um den Sieg.“

Eine Meinung, die auch Reichelt teilt. "Ich glaube nicht, dass wir beide in einer anderen Liga fahren. Da sind schon noch einige, die mitfahren können. Der Sieg wird nicht nur unter uns zwei ausgefahren.“

Im ersten Training hatte man nichtsdestotrotz das Gefühl, das Duo fährt momentan in einer eigenen Liga. Jansrud war der Schnellste, Reichelt Zweiter. Als einziger Fahrer verlor der Vorjahressieger weniger als eine Sekunde auf den "Elch“.

"Ich bin voll gefahren“

Während einige Läufer im ersten Training nicht ans Limit gingen und die etwas direkter gesetzte Abfahrt erst einmal "testen“ wollten, ließ es Jansrud krachen.

"Ja, ich bin voll gefahren. Wir wissen nicht, wie viele Trainingsläufe wir hier bekommen. Deshalb war es wichtig, schnell zu fahren. Ich habe nicht alles riskiert, das ist klar. Aber ich wollte schon schnell fahren.“

Verständlich, schließlich steht für den vierfachen Saisonsieger viel auf dem Spiel. Am letzten Wochenende vor der WM will er im Gesamtweltcup zu Marcel Hirscher aufschließen.

Gesamtweltcup schien verloren

Dass dies kein leichtes Unterfangen wird, weiß der Norweger: "Marcel fährt die Super-Kombination und wird dort gut punkten, da ein Super-G gefahren wird. Ich muss in Super-G, Abfahrt und Kombination voll punkten, um dabei zu bleiben. Wenn das passiert, wird es nochmal spannend. Wenn er mir in Kitzbühel nochmal 200 Punkte abnimmt, ist der Gesamtweltcup entschieden.“

Letztes Wochenende schien der Traum vom Gesamtweltcup schon ausgeträumt zu sein. Jansrud schied im Slalom der Wengen-Kombi aus und ließ so wertvolle Punkte liegen. "Da dachte ich, der Gesamtweltcup ist weg. Dann ist er im Slalom ausgefallen, also bin ich noch dabei.“

Schadenfreude kam dennoch nicht auf."Man will den Gesamtweltcup nicht gewinnen, weil ein anderer Fahrer ausfällt. Aber so ist unser Sport. Jetzt ist es ein wenig spannender geworden.“

"Mausefalle ist grenzwertig“

Um den Gesamtweltcup spricht Reichelt zwar nicht mit, im Abfahrtsweltcup fehlen ihm aber "nur" 114 Zähler auf Jansrud. Um noch ein Wörtchen mitzusprechen, muss der 35-Jähige auf der Streif zuschlagen.

Gedanken macht er sich darüber nicht. Viel mehr beschäftigt ihn die unruhige Piste. "Es ist wie immer ein Höllenritt, von oben bis unten sehr schwierig. Die Mausefalle ist etwas grenzwertig. Ich bin der Meinung, dass man abgraben oder irgendwas tun muss - ich bin heute nicht voll gefahren und es schon so weit gegangen", erklärt er gegenüber "Ski Sport News HD".

"Ich werde das auf jeden Fall ansprechen. Wir haben ja einen Läufervertreter, ansonsten sage ich es Hannes Trinkl (Abfahrts-Renndirektor, Anm.) direkt“, will er dagegen vorgehen. "Ich glaube, ich bin nicht alleine mit der Meinung. Die Strecke ist im Moment ziemlich gefährlich, nicht ohne, die Sprünge gehen sehr weit.“

"Besser als mit Nummer 65“

Ob Jansrud ihn bei seinem Vorhaben unterstützt, bleibt abzuwarten. Schließlich scheint dieser mit der leicht abgeänderten Kurssetzung vom Start weg gut zurechtzukommen.

Neben wertvollen Punkten im Kampf ums große Kristall geht es für den 29-Jährigen um den prestigeträchtigen Sieg auf der Streif. "Kitzbühel ist für uns das Größte. WM hin oder her, hier zu gewinnen ist eines des größten Dinge, die ein Skifahrer vollbringen kann. Es ist ein sehr großes Ziel von mir.“

Dafür befinde er sich in einer guten Lage. Auch mit der Favoritenrolle könne er gut leben. "Es ist ein besseres Gefühl, als mit Startnummer 65 oben zu stehen und keine Chance zu haben“, lacht Jansrud. "Ich habe eine gute Ausgangsposition, aber die hatte ich in Santa Caterina und Wengen auch. Aber ein kleiner Fehler, und du kannst nicht mehr gewinnen.“

"Die Chance ist aber da“, sagt er abschließend. Ein Motto, das wohl auch für Hannes Reichelt gilt.

Aus Kitzbühel berichtet Matthias Nemetz

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