Jansrud und die Kätzchen-Streif

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"Bin wohl gut darin, auf Kätzchen Ski zu fahren"

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Kjetil Jansrud hat gut lachen.

Der Norweger darf sich Hahnenkamm-Sieger nennen, feierte seinen fünften Saisonsieg und sammelte wertvolle 100 Punkte im Gesamtweltcup. Entsprechend gut gelaunt zeigt sich der 29-Jährige.

„Es ist nicht so gut wie ich gehofft hatte, aber nicht so schlecht, wie ich befürchtet hatte. Der Kampf läuft nach wie vor“, lässt er sich auf Nachfrage von LAOLA1 sogar auf eine Kampfansage an Marcel Hirscher ein.

Doch zählt ein Sieg auf einer verkürzten Abfahrt überhaupt wie ein richtiger Hahnenkamm-Sieg? Für Jansrud schon – auch wenn es nicht ganz das selbe ist: „Wir sind harte Jungs und wollen immer die ganze Strecke fahren, es ist natürlich ein Unterschied, von oben oder auf einer verkürzten Strecke zu gewinnen. Aber Rennen ist Rennen, ich freue mich, dass ich gewonnen habe.“

Vor dem Rennen kommentierte er auf Twitter:


Warum er vor dem Hahnenkamm-Rennen am Start eine Runde schläft, es gefährlich ist, wenn Aksel Svindal gut drauf ist und sich die Streif vom Tiger in ein Kätzchen verwandelt hat, erzählt Kjetil Jansrud im Sieger-Interview:

Frage: Ist dieser Sieg das Highlight deiner bisherigen Saison?

Kjetil Jansrud: In dieser Saison ist das sicherlich mein Highlight. Das legendäre Hahnenkamm-Rennen zu gewinnen war seit vielen Jahren ein großes Ziel von mir. Dass ich es geschafft habe ist außergewöhnlich, ich bin sehr glücklich.

Frage: Was ging dir durch den Kopf, als Paris im Ziel zwei Hundertstel Rückstand hatte?

Jansrud: Die Bilder meiner Reaktion als er durchs Ziel gefahren ist sagen mehr als tausend Worte. Bei der letzten Zwischenzeit hatte er fast 30 Hundertstel Vorsprung und ich war mir ziemlich sicher, dass er in Führung geht. Aber dann hat jemand von links geschrien, dass Dominik 131 km/h fährt und ich 135 hatte. Ich stand also da und dachte: 'Das geht sich nicht aus, das geht sich nicht aus!' - aber dann war ich zwei Hundertstel vorne. Danach hat Dominik mir gesagt, er wollte unbedingt, dass ich eine Gondel bekomme und deswegen hat er mir zwei Hundertstel gegeben (lacht).

Frage: Wie war es, als du erfahren hast, dass auf verkürzter Strecke gefahren wird – vor allem weil du im Training oben so stark warst?

Jansrud: Ich war nicht wirklich glücklich darüber. Normalerweise ist mein bester Abschnitt der obere, technisch anspruchsvolle. Aber die Sicherheit geht vor – es war eine gute Entscheidung, wir hätte im Nebel nicht fahren können. Zweitens war es gut, dass es überhaupt eine Abfahrt gab. Ich habe also versucht, positiv zu bleiben. Normalerweise haben in Kitzbühel alle etwas Angst am Start und sind nervös. Als der Start runterverlegt wurde, wollten plötzlich alle aggressiv fahren. Es hat die Eigenschaften des Rennens total verändert. Es war auch für mich nicht leicht, meine Herangehensweise zu ändern. Zum Glück habe ich es ganz gut hinbekommen.

 

Frage: Aksel Svindal war hier – weißt du wie es ihm geht und ob er bei der WM starten kann?

Jansrud: Er hat in der Nähe trainiert, ich habe ihn vor dem Rennen aber nicht gesehen, er war nicht im Hotel. Er hat versucht, etwas Distanz zu halten, was in einer Woche wie dieser gut ist, weil man sich so sehr fokussieren muss. Aber er war dann im Zielbereich. Ich habe ihn mehrere Monate nicht gesehen, es war gut, ihn zu umarmen. Ich habe ihn gefragt wie es ihm geht und er meinte, es gehe ihm gut. Er hat mir gratuliert und er war sich sicher, dass meine Fahrt zum Sieg reichen würde. Dann musste er sich entschuldigen, weil er nicht gedacht hatte, dass Paris so knapp herankommt. Es ist immer gefährlich, wenn du einen lachenden und glücklichen Svindal siehst – das bedeutet nämlich, dass es seiner Achillessehne gut geht und er wird bei der WM schnell sein (lacht).

Frage: Du hast vor dem Rennen vor Aufmerksamkeit gesorgt, als du gemeint hast, durch die Verkürzung würde die Strecke sich vom Tiger in ein Kätzchen verwandeln. Hast du das Kätzchen gezähmt?

Jansrud: Ich bin offensichtlich gut darin, auf Kätzchen Ski zu fahren. Nein, es ist einfach ein riesiger Unterschied, nicht von oben zu fahren. Diese Frage wurde mir heute schon einige Male gestellt. Die Medien versteifen sich auf den Unterschied zwischen der „ganzen“ Streif und einer verkürzten. Es ist ja auch ein riesiger Unterschied, aber das war nicht das erste Mal in der Geschichte, dass verkürzt wurde. Es ist überall das selbe, nicht nur in Kitzbühel. Die Geschwindigkeit bei der Hausbergkante war genau so hoch wie im Training, wenn nicht sogar höher. Der untere Abschnitt war also echt schwer zu fahren. Wir sind harte Jungs und wollen immer die ganze Strecke fahren, es ist natürlich ein Unterschied, von oben oder auf einer verkürzten Strecke zu gewinnen. Aber Rennen ist Rennen, ich freue mich, dass ich gewonnen habe. Hoffentlich habe ich noch ein paar Jahre, in denen ich vorne mitkämpfen kann. Ich freue mich bereits jetzt wieder auf nächstes Jahr.

Frage: Es sind mehrere Bilder in Umlauf, auf denen du vor dem Start schlafend auf einem Sofa zu sehen bist. Schläfst du wirklich und hast du keine Angst, zu verschlafen?

Jansrud: Ich habe schon Trainer oben, ich hoffe die wecken mich auf, falls ich einmal zu lange schlafe (lacht). Ich raste nur meine Augen aus. Ich habe ja jetzt schon einige Jahre Erfahrung. Ich habe rausgeschaut und gesehen, dass um 11:45 Uhr nicht gestartet werden kann. Also habe ich mich ein paar Minuten ausgerastet. Ich habe nicht geschlafen, nur Energie konserviert. In Kitzbühel kommt es auch viel auf den Kopf an. Auf das Rennen zu warten, kostet viel Energie. Das mache ich aber nicht vor jedem Start. Es wirkt so, als wäre ich faul, aber das stimmt nicht.

Frage: Wie wichtig war der Sieg in Hinblick auf den Gesamtweltcup?

Jansrud: Es war sehr wichtig. Ich habe bereits vor dem Rennen gesagt, dass ich 100 Punkte brauche, um dran zu bleiben. Dabei bleibe ich. In Wengen (Kombi-Aus/Anm.) dachte ich, dass es vorbei ist. Dann ist Hirscher im Slalom ausgefallen, das hat mir 100 „Freipunkte“ gegeben. Im Super-G und in der Kombi war ich nicht so gut, wie erhofft. Da habe ich ihm ein kleines Weihnachtsgeschenk gemacht, weil er mehr Punkte gemacht hat. Das heute waren wichtige 100 Punkte, aber er ist nach wie vor etwas vorne. Er hat vor der WM noch zwei Rennen und die Möglichkeit auf 200 Punkte. Wir werden sehen, normalerweise sage ich immer, dass man über den Gesamtweltcup reden kann, wenn der Jänner vorbei ist. Es ist nicht so gut wie ich gehofft hatte, aber nicht so schlecht, wie ich befürchtet hatte. Der Kampf läuft nach wie vor.

 

Aus Kitzbühel berichtet Matthias Nemetz

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