Hirscher fordert Aufklärung in "Einfädler-Causa"

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Es kam, wie es kommen musste: Marcel Hirscher fädelte im Slalom von Kitzbühel ein.

Es war der vorläufige Schlusspunkt unter dem Thema am Hahnenkamm-Wochenende.

Aber das letzte Wort ist in der umstrittenen Causa noch lange nicht gesprochen.

"Es freuen sich nicht alle"

Denn die neue Lichtgestalt im ÖSV-Team lernt erstmals in seiner Karriere die Schattenseite kennen - und will sich wehren.

Schon in Flachau sagte der neue Shootingstar im LAOLA1-Interview: „Ich weiß schon, dass sich der eine oder andere nicht über meine Erfolge freut.“

"Gibt mir schon zu Denken"

Anonyme SMS brachten den Fall ins Rollen, am Samstag berichtete die „Kronen Zeitung“ formatfüllend.

„Es ist schon sehr verwunderlich, dass das ausgerechnet vor den wichtigen Rennen in Kitzbühel und Schladming raus kommt. Am Anfang habe ich mich g'scheit geärgert, jetzt gibt es mir zu Denken“, erklärt ein sichtlich enttäuschter Marcel Hirscher im Gespräch mit LAOLA1 vor seiner Abreise aus Kitzbühel.

Und fordert nach der ersten Negativ-Schlagzeile seiner noch jungen Karriere lückenlose Aufklärung: „Da muss schon noch einmal nachgehakt werden!“

Viele Fragen sind unbeantwortet

ÖSV-Sportdirektor Hans Pum dagegen möchte den Fall schnellstmöglich ad acta legen.

„Es ist sehr unglücklich, dass so etwas in die Welt gesetzt wird und dann auch noch in der Zeitung steht. Ich möchte eigentlich nicht mehr darüber reden.“

Aber daraus wird wohl nichts, denn es bleiben einige Fragen unbeantwortet.

War in Zagreb alles regulär?

Wer hat die anonyme SMS verschickt und warum?

Kommt der Neidgenosse aus dem eigenen Team? Oder wer sonst könnte Hirscher den kometenhaften Aufstieg nicht vergönnen?

Unglücklich auch die Außendarstellung: Chef-Trainer Mathias Berthold bestätigte gegenüber LAOLA1 am Samstag: "Ja, Marcel hat in Zagreb eingefädelt." Am Sonntag ruderte der Vorarlberger dann im TV-Interview zurück.

"Ich spüre es wirklich nicht"

Hirscher selbst, der die Bilder noch nicht gesehen hat, glaubt nach wie vor, dass alles korrekt war – und kriegt dafür auch Rückendeckung von FIS-Renndirektor Günter Hujara, der zwischen den Durchgängen bestätigt hat, dass in Kostelic-City aus seiner Sicht alles korrekt war.

"Ich bin froh, dass die ganzen Vorwürfe und Gerüchte widerlegt sind und die FIS mir und dem Felix recht gibt", kommentiert der Salzburger.

Für Hirscher ist das Bestätigung und Genugtuung zugleich: „Das sind Entscheidungen im Millibereich, ich spüre es wirklich nicht. Aus meiner Sicht war es hier im ersten Durchgang genau gleich wie in Zagreb.“

Folge der Diskussion

Der Ja-Nein-Ja-Nein-Einfädler gleich beim ersten Tor am Ganslernhang war die logische Folge der Einfädler-Diskussion.

„Wenn es den ganzen Tag nur um das eine Thema geht, passiert das noch schneller. Es gibt feinere Sachen, als 200 Mal auf das Einfädeln angesprochen zu werden.“

Entscheidung bei der Jury

Im Finale, Hirscher war Dritter nach dem ersten Durchgang, setzte der Techniker alles auf eine Karte, lieferte im tiefen Sulz eine spektakuläre Show mit zwei Beinahe-Abflügen – und eben einem Einfädler.

Der Einfädler war für Hirscher eine klare Sache: "Da gibt es keine Diskussion, dafür gehöre ich aus der Wertung."

Dass er weitergefahren ist, verteidigt der 22-Jährige: "Ich habe schon gemerkt, das etwas war. Aber ich bleibe bei jedem dritten Tor irgendwie hängen. Und auf Verdacht werde ich nicht stehenbleiben", meint er am Abend im ORF-Interview. Die Entscheidung, über einen Torfehler müsse am Ende die Jury treffen.

Hirscher liefert auch die Ekrlärung, warum er den Einfädler nicht eindeutig bemerkt habe: "Mein Innenski ist in der Luft, es kommt wenig Druck drauf und es verdreht mir den Ski nicht. Für mich fahren vom Gefühl her beide Ski weiter."

Kostelic zur Rede stellen

Die schweren Angriffe von Ivica Kostelic im Anschluss an das Rennen will Hirscher jedenfalls nicht einfach hinnehmen.

"Ich habe mit Felix Neureuter telefoniert und wir haben uns geeinigt, dass wir mit ihm reden wollen. Irgendwie ist das eine Beleidigung, das vorzuwerfen, ohne Beweise zu haben", sagte der dreifache Slalom-Saisonsieger.

"Die Vorwürfe finde ich sehr gravierend und nicht nachvollziehbar. Das soll auch nicht sein Job sein, das zu entscheiden."

Zum Schreien in den Wald gehen?

Dass es ohne Disqualifikation für den ersten Stockerlplatz in Österreich gereicht hätte, war nur ein kleiner Trost.

„Ich habe mir gedacht, dass ich zwei Sekunden hinten bin, aber dem war nicht so, das ist ja schon einmal positiv. Und irgendwann werde ich das Einfädeln auch wieder in den Griff bekommen.“

Am Dienstag in Schladming hat er gleich die nächste Gelegenheit, davor heißt es aber noch: den Kopf frei bekommen.

„Andere gehen in den Wald und schreien, ich muss mir noch überlegen, was ich mache.“

Stephan Schwabl

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