"Das ist natürlich ein Schas!"

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Hirschers Fahrstil sorgt für hohe Wellen

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Der riskante Fahrstil von Marcel Hirscher ist ein Tanz auf der Rasiermesserklinge.

Das bekam der Jungstar von Österreichs alpinen Ski-Herren am Hahnenkamm-Wochenende hautnah zu spüren.

Seine angeblich fast regelmäßigen Einfädler, die allerdings mit freiem Auge gar nicht und mit Hilfe der Technik nur sehr schwer zu erkennen sein könnten, sorgten in Kitzbühel seit Samstag für hohe Wellen.

"Ausländische Trainer lachen über uns"

Innerhalb des Österreichischen Skiverbands (ÖSV) stellt sich nun wohl die Frage, wie ausgerechnet vor den wichtigen beiden Heim-Slaloms in Kitzbühel und Schladming teaminterne Informationen in die Hände der "Kronen Zeitung" gelangen konnten.

"Die ausländischen Trainerkollegen lachen fast über uns. Der Zeitpunkt ist natürlich extrem unglücklich", meinte Herren-Cheftrainer Mathias Berthold am Sonntag angesichts der möglicherweise hausgemachten Unruhe wenig erfreut.

Auch am Sonntag war das Thema brandaktuell, denn Hirscher droht bereits im ersten Slalom-Durchgang in "Kitz" eine Disqualifikation.

Nach Studium der TV-Bilder wurde der 22-Jährige aufgrund eines angeblichen Fehlers gleich beim allerersten Tor von FIS-Renndirektor Günter Hujara zunächst aus der Wertung genommen, danach aber wieder als Dritter geführt.

Hirscher: "Es ist schon ein Schas"

Hirscher gestand, dass ihn die Sache logischerweise nicht kalt lässt. "Es ist schon ein 'Schas', wenn ich ehrlich bin. Lieber wäre es mir natürlich, wenn es diese Sache nicht geben würde. Es ist eine neue Herausforderung, der ich mich stellen muss. Vielleicht meistere ich sie ja", sagte Hirscher.

"Das ist momentan ein heikles Thema, irgendwie ist derzeit jeder ziemlich nervös. Man sieht, dass das bei meinem Fahrstil sehr knapp zugeht. Aber der Schuh ist auf der richtigen Seite, das ist der Indikator."

Hirscher möchte selbst sehr gerne die TV-Bilder sehen und damit Aufklärung, ob er bei seinem Sieg am 5. Jänner in Zagreb wirklich eingefädelt hat.

"Wenn ich in Zagreb wirklich eingefädelt habe, dann muss man sich im Sinne der Sportlichkeit etwas einfallen lassen. Fairness ist wichtig, so etwas darf nicht übersehen werden", betonte Hirscher.

Er glaube aber, dass es in Zagreb eher so wie nun im ersten Kitz-Lauf, also regelkonform, zugegangen sei.

Keine Klarheit über Einfädler

Für ihn selbst sei es während des Rennens einfach unmöglich, jeden Schlag und jede Berührung genau zu deuten. "Als Athlet ist man so am Limit. Dann ist die Piste schlecht, du kriegst eine Stange an den Kopf, hast Adrenalin im Körper", erklärte Hirscher.

Im ÖSV dürfte es derzeit ordentlich rumoren. Herren-Chefcoach Berthold bestätigte am Samstagabend mit deutlichen Worten Hirschers Einfädler beim Zagreb-Sieg, wenige Stunden später sah die Sache am Sonntagvormittag schon wieder anders aus.

"Es lässt sich streiten, ob es ein Einfädler war oder nicht. Manche Experten sagen ja, manche nein. Das ist nach wie vor noch nicht ganz klar", gab der Vorarlberger zu Protokoll.

Servicemann verteidigt Hirscher

Auch Hirschers Servicemann Edi Unterberger glaubt nicht, dass sein Schützling in Zagreb gegen die Regeln verstoßen habe: "Am Ski war nichts zu erkennen, normal wäre da nach einem Einfädler ein Abdruck ersichtlich."

Der Leidtragende des Theaters ist natürlich Hirscher. "Für den Marcel tut es mir sehr leid", meinte Berthold. "Er möchte nicht dastehen, dass er mit unfairen Mitteln einen Sieg herausgefahren hat. Wichtig ist, dass er trotzdem den Kopf frei bekommt."

Auch ÖSV-Sportdirektor Hans Pum wusste: "Für den Marcel ist es eine irrsinnige Belastung. Aber ich bin überzeugt, dass er das wegsteckt."

Berthold ist sich sicher, dass in Zukunft im Slalom noch viel genauer hingeschaut wird, auch eine Flut an Protesten nach Rennende scheint ab sofort programmiert zu sein. "Man kann davon ausgehen, dass noch genauer geschaut wird", glaubt der 46-Jährige.

"Die hören die Mücken husten"

In den anderen Teams sorgt die Affäre für Unterhaltung. Es wird vielerorts davon ausgegangen, dass die Info an die "Kronen Zeitung" über die Torfehler aus dem eigenen Team kommt und der Höhenflieger "abmontiert" werden soll.

Von einer "heftigen Nummer" war da die Rede. "Das ist normal in Österreich. Die hören die Mücken husten", sagte etwa der deutsche Alpindirektor Wolfgang Maier.

 Auch sein Schützling Felix Neureuther wurde in die Diskussion mithineingezogen, denn er soll in Zagreb auf dem Weg zu Platz zwei ebenfalls eingefädelt haben.

"Wenn, dann sollen sie es gescheit sagen. Wenn was war, dann akzeptiert es jeder. Aber drei Wochen später 'sudern', das ist sinnlos. Das geht einem als Sportler ganz schön auf die Nerven, sie sollen nicht im Nachhinein herumhacken", sagte Neureuther am Sonntag verärgert.

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