Ski-Airbag: Knall auf Unfall

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"Airbag-System": Der erste Prototyp ist da!

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Fast auf den Tag genau ein Jahr ist es her, dass der Ski-Weltverband FIS und der Protektoren-Spezialist Dainese bekannt gaben, an einem „intelligenten Schutz“ für Skifahrer zu arbeiten, dem sogenannten „Airbag-System“.

Nach dem Horror-Sturz von Hans Grugger im letztjährigen Training für die Kitzbühel-Abfahrt wurde begonnen, die Idee in vom Papier auf die Piste zu bringen.

„Stürze passieren, aber unser Ziel muss es sein, die Läufer zu schützen, dass es keine ernsthaften Verletzungen gibt“, so FIS-Renndirektor Günter Hujara, der im Verband die treibende Kraft hinter dem Mega-Projekt ist.

Ausgangspunkt war das von den Italienern entwickelte „D-air“, das bereits im Motorrad-Rennsport (MotoGP, Anm.) erfolgreich eingesetzt wird.

Daten, Daten, noch mehr Daten

Einziger Haken: Skifahren ist nicht Motorsport, also hieß es zunächst: Zurück an den Start.

Seit den Rennen in Kvitfjell im letzten Winter werden Daten gesammelt, um zu sehen, wann auf der Piste welche Kräfte frei werden.

Insgesamt 16 Weltcup-Athleten, darunter Aksel Lund Svindal, Christof Innerhofer oder Erik Guay, tragen spezielle mit GPS-Geräten ausgestattete Rückenprotektoren.

In Gröden, Bormio und Wengen ist das „Test-Team“ auf rund 210 Fahrten gekommen, in Kitzbühel kommen weitere 90 Fahrten dazu.

Ghedina präsentiert ersten Prototyp

Noch sind die ausgesuchten Läufer ohne Airbag-System unterwegs, in Kitzbühel wurde aber ein erster Prototyp präsentiert.

Von Kristian Ghedina, dem Italiener, der einer der ersten Läufer war, der sich den heute üblichen Schutz aus Hartplastik auf den Rücken schnallte.

Svindal war begeistert: „Ich habe die Gastanks, die man braucht, um die Airbags aufzublasen, nicht gefunden. Das ist ein gutes Zeichen!“

Der Algorithmus fehlt noch

Gut funktioniert hat die Demonstration mit „Michelin-Männchen“ Ghedina.

Ein Knopfdruck, ein Knall und 14 Millisekunden später – zur Orientierung: das menschliche Auge zwinkert langsamer – schießt Luft in die Kammern im Brust-, Hals-, Nacken- und Rückenbereich.

100 Millisekunden dauert es, bis die Airbags komplett aufgeblasen sind. Test bestanden, die Sache hat nur einen Haken.

Den in diesem Fall entscheidenden: Es fehlt noch der Algorithmus, nach dem das „Airbag-System“ im Falle des Fallens von sich aus den richtigen Schluss zieht und auslöst.

Auslösen per Knopfdruck kein Thema

Hujara weiß, dass es bis dahin noch ein weiter Weg ist, auf dem noch viele Daten gesammelt werden müssen.

„Das System muss funktionieren, wenn ein Athlet nicht mehr selbst in der Lage ist, die Kräfte zu kontrollieren“, erklärt der Deutsche.

Dass der Läufer beim Sturz einen Knopf, zum Beispiel am Skistock drückt, um auszulösen, ist nicht vorgesehen. Entweder intelligent, also automatisch, oder gar nicht.

Hujara denkt schon weiter

Ende 2012 soll es den ersten Prototypen geben, der all diese Vorgaben erfüllt. Die Studie läuft bis zu den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi.

Günther Hujara ("Wir sind weiter, als viele denken!") ist mit seinen Gedanken aber schon weiter, träumt von einem „Ganzkörper-Airbag“, der auch die gefährdeten Knie schützen soll.

Und von einer Verbindung zwischen Helm und Rennanzug, um den Nackenbereich zu schützen. Auch das kennt man als HANS (Head and Neck Support) bereits aus dem Motorsport.

Zumindest einen Teilerfolg können die mit dem Ski-Projekt betrauten Dainese-Entwickler bereits vermelden: Sollte das „Airbag-System“ ohne Sturz losgehen, kann der Läufer trotzdem weiterfahren.

Stephan Schwabl

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