Kathrin Zettel: "Ich möchte mein Talent ausnützen!"

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Lange Zeit war es ruhig um Kathrin Zettel. Nach der vergangenen Saison hat die Göstlingerin entschieden, sich und ihrem Körper eine Auszeit zu gönnen.

Eine Auszeit, in der auch und vor allem hart gearbeitet wurde, um die Probleme mit der seit langem beleidigten Hüfte in Griff zu bekommen.

Erst im September stieg die Vize-Weltmeisterin im Slalom wieder ins Schneetraining ein.

Nach den Sichtungsläufen in Sölden war klar: Die 24-Jährige startet beim Weltcup-Auftakt in Sölden.

Im LAOLA1-Interview klärt Kathrin Zettel über ihre Beißer-Qualitäten und darüber auf, warum sie nicht schon längst hingeschmissen hat.

Außerdem spricht sie über ihre Zusammenarbeit mit Valentin Hobel, der Paul Scharner in die Premier League gebracht hat.

LAOLA1: Sie haben am Wochenende Grünes Licht für einen Start beim Weltcup-Auftakt in Sölden gegeben. Wie geht es Ihnen im Moment?

Kathrin Zettel: Eigentlich ganz gut. Ich bin mit meiner Entwicklung, sowohl gesundheitlich als auch Skifahrerisch, sehr zufrieden. Seit September arbeite ich gezielt an meinem Aufbau im Ski-Bereich. Die Hüfte und all die anderen Wehwehchen von der letzten Saison sind kaum noch spürbar, auch bei hohen Belastungen nicht. Deshalb kann ich mit voller Gaudi in die Rennen einsteigen.

LAOLA1: Sie sprechen jetzt von Gaudi, aber doch war es wieder ein harter, beschwerlicher Weg?

Zettel: Ja, es war teilweise wirklich schwer. Aber ich lebe für den Skisport, habe hierfür ein gewisses Talent und das möchte ich ausnützen. Deshalb ist es auch wert, dafür zu kämpfen. Was ich beim Sport spüre, das ist einfach meines, deshalb bin ich auch so brutal ehrgeizig und in der Vergangenheit auch mit Schmerzen gefahren. Das würden andere gar nicht machen!

LAOLA1: Andere hätten die Skier wahrscheinlich schon lange in die Ecke gestellt. Woher haben Sie ihre Beißer-Qualitäten?

Zettel: Ewig hält man das nicht aus, auch keine fünf oder zehn Jahre. Aber es ist jetzt so, dass man die Problematik erkannt und gegengesteuert hat. Ich bin jetzt noch nicht bei hundert Prozent, aber fühle mich wieder richtig gut.

LAOLA1: Und wirklich bereit für Sölden, immerhin sind Sie in der Vergangenheit auch oft gefahren, obwohl Sie Schmerzen hatten?

Zettel: Die Trainingsleistungen und –ergebnisse sind absolut positiv. Da merke ich, dass es auch gesundheitlich in die richtige Richtung geht. Und daraus schöpfe ich Kraft, dass ich immer weiter mache.

LAOLA1: Welche Rolle spielt dabei Valentin Hobel, mit dem Sie seit einiger Zeit zusammenarbeiten?

Zettel: Er war schon letzte Saison absolut wichtig. Die war absolut hart für mich, teilweise grenzwertig. Wir haben unser mentales Ziel für diesen einen Tag, für den WM-Slalom aufgebaut. Der Slalom ist mein Herzblut. Und es hat wirklich funktioniert, ich habe Silber geholt.

LAOLA1: War das ihre schönste Medaille bisher?

Zettel: Definitiv, ja. Wir haben leider im Herbst gesehen, dass es schwer wird, konstant zu sein. Dafür waren die Probleme mit der Hüfte zu groß. Aber der Formaufbau zur WM hat absolut gestimmt, am Tag X war ich voll da. Das habe ich Valentin zu verdanken, ich bin wirklich happy, dass ich ihn habe.

LAOLA1: Lassen Sie uns teilhaben an ihrer mentalen Entwicklung?

Zettel: Ich habe sehr viel dazu gelernt und lerne nach wie vor. Was den mentalen Bereich betrifft, lernt man auch nie aus. Ich habe mich sicher in meiner Persönlichkeit weiterentwickelt, große Schritte nach vorne gemacht. Ich gehe jetzt viel aufrechter durchs Leben, schaue noch mehr auf mich. Es gibt so viele wichtige Sachen, auf die ich früher gar nicht geachtet habe, die aber eigentlich total wichtig sind.

LAOLA1: Was zum Beispiel?

Zettel: Dass man nicht nur Sachen macht, die andere von einem wollen, sondern vor allem das tut, was man selbst will. Das ist ein wichtiger Anfang.

LAOLA1: Sie plagen sich seit rund einem Jahr mit ihrer Hüfte herum. Wie sehr schränken Sie die Probleme beim Skifahren ein?

Zettel: Ich hatte ja im Vorjahr auch Probleme mit dem Knie. Das war bei Weitem nicht so schlimm wie die Hüfte. Über die Hüfte läuft die komplette Kraftübertragung, wenn das nicht hält, dann geht gar nichts. Deshalb auch die gröberen Probleme im Riesentorlauf. Der Druck ist größer, die Winkel sind anders. Deshalb ist es im Slalom besser gelaufen.

LAOLA1: Mussten Sie wegen ihrer Probleme auch etwas an der Technik umstellen?

Zettel: Ein bisschen kann man nachjustieren, aber das bewegt sich in einem minimalen Bereich. Ich habe meinen Stil, den kann ich nicht grundlegend verändern. Nur weil eine Marlies Schild vielleicht schnell ist, kann ich sie nicht kopieren. Das würde nicht funktionieren, da würde ich wahrscheinlich das Skifahren verlernen.

LAOLA1: Marlies Schild hat auf Sölden verzichtet, was darf man sich von Kathrin Zettel erwarten?

Zettel: Darüber denke ich jetzt noch nicht nach. Mein Fokus liegt woanders. Ich möchte noch einmal neu durchstarten, freue mich schon auf das einzigartige Rennfeeling. Es waren harte Tage, viel Aufwand, da sind die Rennen eine Belohnung.

LAOLA1: Aber Sie stecken sich natürlich auch Ziele?

Zettel: Ich will wieder an die Weltspitze anschließen und Rennen gewinnen. Das ist es, was ich vorhabe. Wie lange das dauert, kann man noch nicht abschätzen. Aber nach Sölden wissen wir sicher mehr!

LAOLA1: Wir danken für das Gespräch.

Das Interview führte Stephan Schwabl

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