Schmale Schutern, großer Druck

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"Habe die Slalom-Kugel noch nicht abgeschrieben"

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Nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Marlies Schild ruhen die ÖSV-Hoffnungen in den technischen Disziplinen vor allem auf ihren Schultern.

Für Kathrin Zettel ist diese Situation nicht neu, deshalb kann sie auch gut damit umgehen.

Sechs Mal carvte die Göstlingerin in diesem Winter bereits aufs Stockerl, im Aspen-Slalom sogar aufs oberste Treppchen.

"Schnell Skifahren"

Und was gelingt ihr beim Flutlicht-Slalom in Flachau? Dritte, Vierte, Vierte lautet Zettels Bilanz.

"Ich möchte wieder schnell Skifahren", gibt sie als Ziel für den letzten WM-Test auf heimischem Boden als Ziel aus.

Außerdem spricht sie im LAOLA1-Interview über ihren Umgang mit Ausfällen, Kraft tanken auf der eigenen Couch und sie verrät, welchen Eindruck sie von "Wunderkind" Mikaela Shiffrin hat.


LAOLA1:
Du konntest krankheitsbedingt in St. Anton nicht an den Start gehen. Wie hast du die letzten Tage verbracht?

Kathrin Zettel: Daheim und sehr ruhig. Das war wichtig, weil es hat mich ziemlich erwischt. Am Tag nach dem Rennen war ich krank. Ich habe es zwar bis heute nicht angebracht, kämpfe nach wie vor mit den Nebenhöhlen, aber es geht mir soweit wieder gut. Und den Schnupfen werde ich auch noch wegbekommen.

LAOLA1: Was bedeutet daheim für dich?

Zettel: Sehr viel. Das Programm in den letzten Wochen war sehr anstrengend, da ist man, wenn überhaupt, nur tageweise daheim. Das heißt: Tasche auspacken, rein in die Waschmaschine, wieder packen und fahren. So kann man auch einmal einen Abend auf der Couch verbringen, fernsehen mit Chips oder ein Achtel Wein mit Freunden trinken. Einfach ein bisschen weggekommen von dem ganzen Zirkus.

LAOLA1: In Zagreb hast du das Ziel zuletzt nicht gesehen. Wie lange dauert es, bis du einen Ausfall verdaut hast?

Zettel: Ein Einfädler ist im Slalom schnell passiert. Da geht es um Nuancen, aber wer schnell sein will, muss an die Grenze gehen. Manchmal passiert es, dass man etwas zu weit geht. Aber das ist vergessen, ich schaue schon wieder nach vorne.

LAOLA1: Da wartet mit Flachau das letzte Heimrennen vor Schladming und also die WM-Generalprobe?

Zettel: Ich hatte meinen ganz persönlichen WM-Test ja schon am Semmering. Ich freue mich aber schon auf das Rennen, auf die Begeisterung, eine lässige Stimmung. Ich fühle mich in Österreich eigentlich immer wohl, es spornt mich an daheim zu fahren.

LAOLA1: Wenn es in der Vergangenheit nicht so gelaufen ist, haben die ÖSV-Trainer gerne auf den erhöhten Druck und die große Erwartungshaltung verwiesen. Kannst du damit etwas anfangen?

Zettel: Klar möchte man immer das Beste erreichen, vielleicht auch besser sein als man es eigentlich kann. Aber im Grunde möchte ich schnell Skifahren – und da ist mir egal, ob ich in Österreich, Amerika oder sonstwo am Start stehe.

LAOLA1: Die Begeisterung ist groß, wenn ihr in Österreich unterwegs seid. Wie gehst du damit um?

Zettel: Es ist schön, einfach weil man merkt, dass die Leute wegen einem da sind. Die Fans wollen ein Stück von dir haben, das fühlt sich schon gut an. Klar, das kann auch anstrengend werden. Aber ich nehme mir, wenn es passt, gerne Zeit für meine Fans.

LAOLA1: Für Dienstag werden wieder 15.000 Fans entlang der Hermann-Maier-Piste erwartet. Kriegt man das während der Fahrt überhaupt mit, wie da der Bär steppt?

Zettel: Teilweise schon, ja. Am Semmering zum Beispiel, da wirkt der Zielhang brutal auf mich ein. Da kriege ich richtig Gänsehaut. Und zumindest bei uns kriegt man auch mit, ob es gut oder schlecht unterwegs ist. So fokussiert kann man gar nicht sein.

LAOLA1: Verleiht diese rot-weiß-rote Menge mit ihren Fahnen, bengalischen Feuern und Schreien Flügel?

Zettel: Es beflügelt, weil die Leute sind ja wegen uns da. Sie feuern uns an, damit wir gewinnen und erfolgreich sind. Diese Euphorie zu spüren ist ein sehr, sehr schönes Gefühl.

LAOLA1: In einer Euphorie carvt derzeit auch Mikaela Shiffrin. Wie siehst du ihren Höhenflug?

Zettel: Sie fährt unbeschwert und unbekümmert, ohne Furcht und Angst. Es ist sensationell, wie geil sie am Ski steht. Da passt im Moment einfach alles, darum ist sie auch so schnell. Das muss man neidlos anerkennen.

LAOLA1: Wie würdest du dein eigenes Gefühl am Ski beschreiben. Auch geil?

Zettel: Noch nicht ganz. Ich bin zwar schon einen Schritt weitergekommen, wir haben zuletzt auch einen anderen Schuh getestet. Material und Technik passen, jetzt fehlt noch die Angriffslust, dann ist es perfekt.

LAOLA1: Ausbaufähig ist deine Bilanz, die sich nach fünf Slaloms so liest: Ein Sieg, ein zweiter Platz und drei Ausfälle. Lässt sich daraus ableiten: Siegen oder fliegen?

Zettel: Klar ist es bitter, dass den zwei guten Ergebnissen drei Ausfälle gegenüberstehen. Levi war Pech, unglücklich, Are war Selbstverschulden und ein Einfädler wie in Zagreb ist schnell passiert, wenn man riskiert.

LAOLA1: Ist der Slalom-Weltcup bei 141 Punkten Rückstand auf Shiffrin noch ein Thema?

Zettel: Es ist noch nicht gegessen. Aber nach drei Nullern ist es unrealistisch, das noch zu schaffen.

LAOLA1: Was Schladming wahrscheinlich noch mehr zum großen Saisonziel macht, oder?

Zettel: Ich habe mir für diese Saison keine Kristallkugel zum Ziel gesetzt. Oftmals kommt es anders, als man es sich vornimmt. Ich habe schon oft hauchdünn eine Kugel verloren, das hat schon weh getan. Aber vielleicht schaffe ich ja eines Tages anders und gewinne souverän eine Kugel.

LAOLA1: Du hast die Strecke hier in Flachau als „mittelschwer“ bezeichnet. Tina Maze hat in St. Anton den Wunsch nach schwierigeren Strecken geäußert. Gehst du in diesem Punkt mit ihr konform?

Zettel: Auf jeden Fall. Ich bevorzuge sowieso die steilen, anspruchsvollen, schwierigen Hänge. Das war immer schon meines. Umsonst habe ich bei der WM 2009 in Val d'Isere die Kombi-Abfahrt nicht so gut bestritten. Also wenn es nach mir geht, könnten ruhig ein paar schwere Rennen mehr im Kalender sein.

LAOLA1: Wir danken für das Gespräch.

 

Das Interview führte Stephan Schwabl

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