"Ich muss noch brutaler werden!"

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"Boxkampf" verloren, Erfahrung gewonnen

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Philipp Schörghofer hatte es vor dem Rennen im Gespräch mit LAOLA1 angekündigt. Sein Motto für den Weltcup-Auftakt lautete: "Mit vollem Risiko aufs Stockerl!"

Die Rechnung des Salzburgers ging mit Platz drei voll auf. "Schörgi" fuhr damit zum dritten Mal in seiner Karriere und also zum zweiten Mal in Österreich auf das Treppchen.

Auf dem Weg zur Siegerehrung küsste der 28-Jährige den Gletscherschnee am Rettenbachferner, wie in der Vorsaison bei seinem Sieg in Hinterstoder.

Wie er sein Rennen analysiert und bewertet, was er zu den beiden vor ihm klassierten Läufern Ted Ligety und Alexis Pinturault sagt und welche Erinnerungen er an den letzten Sölden-Sieg eines Österreichers hat.

Der Sölden-Dritte Philipp Schörghofer bei LAOLA1 über …

…seinen geglückten Start in die Saison: „Ich bin im zweiten Durchgang eigentlich nicht gut gefahren, hatte in beiden Läufen Fehler. Aber ich habe gekämpft. Weil da runter fühlt sich keiner wohl. Das Ergebnis ist aber genauso, wie ich es mir vorgestellt habe. Eins, zwei, drei ist gut, der Start ist also geglückt. Aber es ist auch noch einiges drin für mich.“

 

...den Kampf im zweiten Durchgang: „Ich wollte einfach nur noch runter. Aber die Piste ist ruppig, die Sicht nicht mehr gut. Genau in diesen Momenten muss man kämpfen, weil wenn man einfach nur runterfährt, dann ist man in der Ergebnisliste irgendwo. Und darüber kann ich mich maßlos ärgern. Lieber kämpfen und auf die Gosch'n fliegen, als runterbremsen.“

 

...seinen „Boxkampf“ mit der Rennpiste: „Der Hang hat mir schon ein paar mitgegeben, aber ich habe dagegen gehalten. Das war wie bei Klitschko gegen Haye, der zwar auch gut geboxt, aber trotzdem verloren hat. Ich habe meinen Boxkampf auch knapp verloren, weil ich nicht Erster geworden bin.“

 

...den Ärger über kleine Fehler: „Das muss einfach nicht sein! Ich versuche noch, das wegzubekommen und noch brutaler zu werden. Wenn es flach wird, muss man die Tore g'scheit fahren – und nicht so, wie ich das gemacht habe. Aber ein paar Zehntel findet da runter jeder.“

 

...die Lehren aus dem ersten Rennen: „Es bringt mich nicht weiter, wenn ich mich jetzt auf diesem dritten Platz ausruhe. Also weiterarbeiten, immer weiter, weil ich bin noch lange nicht perfekt. Aber die anderen beiden sind zu schlagen. Ein Ligety hat drei Mal die RTL-Kugel gewonnen, hat eine unglaubliche Routine. Das muss ich noch lernen, aber ich bin schon mittendrin.“

...Sieger Ted Ligety: „Er ist gut gefahren, aber nicht überragend. Er hat das Quäntchen Glück gehabt, das du bei Siegen auch brauchst. Ich weiß nicht, wo das hergekommen ist, dass er soviel besser ist als wir. Aber ich habe davon nichts gesehen. Den biegen wir heuer noch!“

 

...Heimvorteil oder US-Vorteil: „Für Sölden ist der Deal schon perfekt aufgegangen. Sie haben zwei Sieger, aber wir haben auch zwei Stockerlplätze. Es passt für uns auch. Vorteil? Vielleicht haben sie es ausgenützt, dass sie heuer öfter runterfahren konnten als sonst. Aber in Summe müssten wir viel besser sein als alle anderen, weil wir haben in Sölden sicher am öftesten trainiert.“

 

...den Sensations-Zweiten Alexis Pinturault aus Frankreich: „Hut ab vor seiner Leistung, was der da in beiden Läufen runtergezaubert hat, war genial. Das ist ein richtig geiler Skifahrer!“

 

...das Suchen und Finden des perfekten Materials: „Es war echt eisig! Zum Glück hat auch der Ski gut funktioniert. Es ist zwar noch nicht ideal, aber schon besser als letzte Saison bei solchen Verhältnissen. Wir haben einen Schritt in die richtige Richtung gemacht, aber jetzt heißt es weiterarbeiten. Weil es ist auch bei den Skiern noch etwas drinnen.“

 

...das Ende der rot-weiß-roten Negativserie in Sölden: „Damals, in der Saison 2005, war ich als Zuschauer am Gletscher oben, wie Hermann Maier gewonnen hat. Ich bin zwar damals auch schon ein bisserl herumgehüpft, Europacup gefahren und auch die Quali. Aber ich war immer mit meinen Eltern in Sölden bei den Rennen. Dass ich jetzt endlich wieder für Österreich aufs Stockerl gefahren bin, ist super. Hoffentlich bin ich auch der nächste Sieger!“

 

...Stockerlplätze in der Heimat: „Vor dieser Kulisse bei der Siegerehrung einen Pokal zu bekommen, ist einfach geil. Ein ganz spezielles Gefühl. Aber schlussendlich ist es mir auch egal, wo ich am Stockerl stehe, ob daheim in Österreich, in der Schweiz oder in Amerika. Aber für das Weltcup-Finale in Schladming habe ich mir schon auch einiges vorgenommen.“

 

...den Wechsel auf die langen Latten: „Ich bin zwar in der Vorbereitung erst einmal Super-G gefahren, aber ich fahre die Quali für Beaver Creek. Mir liegt das dort eigentlich, vor allem ab dem Riesentorlaufstart. Mir taugt es einfach, auch andere Disziplinen zu fahren. Nur Riesentorlauf wäre mir zu fad, ich brauche die Abwechslung für den Kopf. Vielleicht fahre ich auch um ein Slalom-Ticket für Levi mit.“

Aufgezeichnet von Stephan Schwabl

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