Schild: "Im Rennen denke ich nicht an Rekorde!"

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Alle waren sie gekommen, um der Slalom-Königin die Aufwartung zu machen. Annemarie Moser-Pröll. Petra Kronberger. Hermann Maier.

Und natürlich auch Lebensgefährte Benjamin Raich, der unten im Zielstadion der Hermann-Maier-Piste fast nervöser war als seine Freundin oben am Start.

„Es ist gewaltig, dass sie es wieder gepackt hat. Es schaut so leicht aus bei ihr, aber es gehört viel dazu, es Rennen für Rennen so runter zu bringen“, freute sich der „Blitz aus Pitz“ im Gespräch mit LAOLA1.

Viele Schulterklopfer

Kronberger wiederum, selbst einmal Gewinnerin der kleinen Kristallkugel im Slalom, ließ es sich nach dem Rennen nicht nehmen, der jetzt 30-fachen Slalom-Siegerin persönlich zu gratulieren.

Danach stellte sich Marlies Schild im Pressezentrum den Fragen der Journalisten. Und gab Antworten auf die Frage nach dem Warum, nämlich warum es so gut läuft.

Außerdem spricht die 30-Jährige bei LAOLA1 darüber, dass Siege nicht selbstverständlich sind, den Juhu-Effekt und ihre Vorfreude auf die Weihnachtsruhe nach dem Sturm.


LAOLA1: Marlies, du schreibst in Flachau ein weiteres Erfolgskapitel: 30. Weltcup-Sieg im Slalom, dritter Erfolg im dritten Rennen. Wie geht es dir, wenn du mit diesen Superlativen konfrontiert wirst?

Marlies Schild: 30 Siege sind ein Wahnsinn, das ist eine unglaubliche Zahl. Aber ich tue mir auch ohne diese Zahlen nach solchen Rennen schwer mit dem Schlafen. Obwohl es ein Traum ist, wenn es so gut läuft. Aber ich weiß auch, wie viel harte Arbeit drinsteckt.

LAOLA1: Dabei sieht es so spielerisch leicht aus, wenn du durch die Tore gleitest, man ist fast dazu verleitet zu sagen: Wie auf Schienen!

Schild: Es hat schon gut gepasst, sieht man einmal von einem kleinen Fehler im ersten Durchgang ab, da musste ich in der Haarnadel kurz querstellen. Schwierig macht es die große Erwartungshaltung. Jeder hat mich vor dem Rennen als Favoritin gesehen, das will ich natürlich bestätigen.

LAOLA1: Wodurch der Druck entsprechend größer wird?

Schild: Der Druck und auch die Nervosität. Jeder spricht dich darauf an, für die Leute ist es fast schon selbstverständlich, dass ich gewinne. Und in den Medien heißt es: Die Siegerin steht schon fest, es geht eigentlich nur darum, wer Zweite wird. Aber die anderen kämpfen, trainieren und arbeiten auch.

LAOLA1: Anders als in den ersten beiden Rennen war es in Flachau mit 46 Hundertstel Vorsprung fast schon knapp?

Schild: Die anderen trainieren und arbeiten auch – und sie kämpfen alle, dass sie mich schlagen. Aber für mich macht es keinen Unterschied, ob ich weit vorne bin oder knapp. Sicherheitsläufe sind meine Sache nicht. Ich muss riskieren und das Beste geben, alles andere bremst mich nur.

LAOLA1: Hat sich der 30., dein Jubiläums-Sieg, anders angefühlt als die 29 davor?

Schild: Jeder einzelne Sieg war und ist speziell. Sicher bin ich hier in Flachau mit gemischten Gefühlen an den Start gegangen. Im Vorjahr bin ich ausgeschieden, vor zwei Jahren habe ich zwar gewonnen, war aber nach dem ersten Durchgang über eine Sekunden hinten. Man kann schon sagen, dass das ein Hang ist, der mir nicht so gut liegt, wie die anderen. Deshalb habe ich probiert, die Fehler der Vergangenheit nicht zu machen.

LAOLA1: Deine Konkurrentinnen ziehen Helm und Haube und gehen davon aus, dass du schon in Lienz wieder in deiner eigenen Liga fährst?

Schild: Ich würde jetzt nicht behaupten, dass ich unschlagbar bin. Lienz ist ein ganz anderes, ein neues Rennen. Dort ist wieder alles möglich Ich muss mich wieder neu konzentrieren und fokussieren. Aber natürlich geben Siege Selbstvertrauen, Erfolge sind der beste Gradmesser, ob du schnell bist.

LAOLA1: Was geht dir durch den Kopf, wenn nach der Zieldurchfahrt der Einser aufleuchtet?

Schild: Juhu! Es ist der Lohn für all die harte Arbeit, wenn man merkt, dass es funktioniert. Und mich freut es, dass auch die Trainer und Betreuer dieser Arbeit ernten können.

LAOLA1: Apropos Arbeit: Auch am Mittwoch wird noch trainiert, die Trainer gönnen euch keine Pause?

Schild: Wir trainieren erst zu Mittag, können also auch ein bisschen feiern. Und dann sind wir ausgeschlafen und fit, wenn es zum Training geht.

LAOLA1: Über die Weihnachtsfeiertage habt ihr frei: Hast du dir dafür etwas Spezielles vorgenommen?

Schild: Eigentlich nichts Besonderes.Aber ich freue mich schon auf die Weihnachtspause. Ich werde zu Hause sein, bei der Familie. In Ruhe das Fest feiern und entspannen, weil dann geht es schon wieder weiter nach Lienz.

LAOLA1: Du hast es vorher schon angesprochen, dort ist wieder alles möglich. Aber eben auch der nächste Schild-Sieg, mit dem du Rekordhalterin Vreni Schneider wieder näher kommen würdest?

Schild: Sicher ist der Rekord in meinem Kopf drin. Ich will das erreichen. Aber wenn ich am Start stehe, beschäftige ich mich damit nicht. Da konzentriere ich mich auf das, was ich zu machen habe. Und das ist schnell Ski fahren!

LAOLA1: Wir danken für das Gespräch.

Aufgezeichnet von Stephan Schwabl

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