Materialreform für FIS "keine Glashausentscheidung"

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Die Engländerin Sarah Lewis (47) ist seit 2000 Generalsekretärin des Internationalen Skiverbandes (FIS) und war in den 1980er-Jahren als Skirennläuferin Mitglied des Nationalteams.

Lewis nahm 1987 an der WM und 1988 an Olympia teil.

Im Interview spricht sie unmittelbar vor der Rückkehr des Weltcups nach Europa über die Wetterprobleme, Ted Ligetys Frontalangriff auf die FIS und die Sicherheits-Verantwortung des Weltverbandes sowie andere aktuelle Entwicklungen.

Frage: Weltmeister Ted Ligety hat in seinem Blog heftige Kritik geübt, dabei einen scharfen Ton gegen die FIS angeschlagen. Gibt es Konsequenzen?

Sarah Lewis: Wir haben uns noch in Übersee ausgesprochen und sind übereingekommen, dass es unterschiedliche Meinungen gibt. Auch vom Marketing her. Er hat ja seine eigene Firma. Dieser Ton ist natürlich nicht die beste Art. Er bleibt auf seiner Linie, hat aber auch respektiert, dass wir darüber gesprochen haben. Für uns ist das erledigt.

Frage: Levi und Val d'Isere mussten abgesagt werden, das Wetter spielt verrückt. Wie kann die FIS darauf reagieren?

Lewis: Dass wir am Saisonanfang des Weltcups auf höhere Lagen gehen, das funktioniert eigentlich ganz gut. Aber dieses Jahr war total durcheinander. Es gab nicht nur keinen Niederschlag, auch die kalten Temperaturen haben gefehlt. Die Situation war sehr gespannt, vor allem Wasser wird zunehmend zum Problem. Und natürlich liegt der Fokus der Skigebiete beim Tourismus, je näher Weihnachten kommt.

Frage: Wie sehr beschädigen Absagen das Produkt Weltcup?

Lewis: Die Stärke des Weltcups ist, dass man ihn regelmäßig über den Winter verfolgen kann. Wenn es Unterbrechungen gibt, verlieren die Menschen schnell das Interesse. Aber wir haben zum Glück auch andere FIS-Sportarten. Der Tag ist also ausgefüllt.

Frage: Die Materialänderungen im Alpinbereich sorgen für Diskussionen. Manche Läufer sagen, die FIS sollte Rennen organisieren und die Materialfrage den Firmen und den Fahrern überlassen. Wie sehen Sie das?

Lewis: Die Sicherheit gehört zu den Aufgaben der FIS. Die ganzen Untersuchungen, Testereien, das ging alles Hand in Hand mit der Industrie. Das war keine Glashausentscheidung. Wenn wir das Reglement offenlassen und jeder fährt, was er will, wird man beim nächsten großen Crash wieder die FIS fragen, warum man nichts für die Sicherheit macht.

Frage: Die FIS ist also keine "Tyrranei" oder "Diktatur", wie es Ligety behauptet?

Lewis: Wir sind ein demokratischer Verband. Wir sind konstituiert durch die nationalen Verbände und durch alle Nationen vertreten. Jetzt haben wir auch eine aktive Athletenkommission und eine Material-Expertengruppe. Auch beim Skispringen wurde die Materialentwicklung in guter Zusammenarbeit gelöst und die Sicherheit stabilisiert. Jetzt gibt es bei den Alpinen die ersten Schritte. Die, die gerade vorne sind, sprechen halt immer am lautesten.

Frage: Die Slalomski hat man bisher nicht angetastet. Wann werden sie länger und schmäler?

Lewis: Laut Verletzungsstatistiken waren zuerst Abfahrt, Super-G und der Riesentorlauf dran. Als letztes kommt nun der Slalom an die Reihe. Aber nicht nur das Material ist ein Schwerpunkt, sondern auch die Pistenpräparierung und die Kurssetzung werden geprüft.

Frage: Manche sprechen vom langsamen Tod der Superkombination. Liegt der Fokus jetzt mehr auf den Großstadt-Parallelevents?

Lewis: Die Alpinkommission hat das extrem intensiv besprochen. Die Kombi ist der Ursprung des Sports und hat ihren Wert bei Großanlässen, deshalb wird sie im Weltcupkalender bleiben. Auch wenn die Anzahl der Rennen nicht sehr hoch ist. Die Parallel-Bewerbe haben ihren Platz gefunden, sie sind eine gute Promotion für den Alpinskisport.

Frage: Wie denken Sie über die kommenden zwei Alpin-Weltmeisterschaften in Schladming 2013 und Vail/Beaver Creek 2015?

Lewis: Das sind zwei absolute Top-Orte. Die Arbeit in Schladming ist gewaltig. Das Skygate wird ein richtiges Landmark. In Vail/Beaver Creek wird eine ganz neue Infrastruktur gebaut, das wird auch dem Weltcup dort viel bringen. Wir sehen wieder einmal, dass der Skisport ein Katalysator für ein Wintersportressort ist.

Frage: Was sagen Sie zur derzeitigen Siegesserie der USA im Weltcup?

Lewis: Für die USA läuft es gerade sehr gut, aber nicht nur im alpinen Bereich. Das ist gut, das erhöht das Interesse in den USA. Denn so etwas kommt auch in den normalen Nachrichten und nicht nur auf den Fanseiten oder auf der letzten Zeitungsseite. Die Rennen in Beaver Creek waren sehr gut, sie passierten zur Primetime in Europa.

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