Görgl: "Ich kann gegen die Herren kein Leiberl haben!"

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Noch lange vor ihrer Olympia-Medaille und ihren beiden Weltmeister-Titeln hat Elisabeth Görgl die vielleicht wichtigste Lektion gelernt.

Dass nämlich in der Ruhe die Kraft liegt.

Dementsprechend ist von Aufregung vor dem Startschuss in einen neuen Weltcup-Winter, es wird der 13. in der Karriere der Steirerin sein, nichts zu spüren.

"Ich nehme es einfach so, wie es ist. Wenn noch ein bisschen Sommer wäre, hätte ich damit aber auch kein Problem", so die noch bis 31. Oktober amtierende "Sportlerin des Jahres".

"Je kälter die Temperaturen, umso besser stelle ich mich auf den nahenden Winter ein."

Im großen LAOLA1-Interview spricht die 31-Jährige nicht nur über den Saisonauftakt und das neue Material, sondern auch über das von Lindsey Vonn gewünschte Duell mit den Männern und eine Damen-Abfahrt in Kitzbühel.

LAOLA1: Kann, was ihre Form betrifft, der Winter am Winter schon beginnen?

Elisabeth Görgl: Ich befinde mich noch in einer Aufbauphase. Die letzten Trainingstage waren sehr gut, jetzt schauen wir, was das Rennen bringt. Danach geht das Training gleich weiter. Ich weiß, dass ich noch Luft nach oben habe, habe deshalb keinen Stress. Auch weil ich spüre, dass die Form schön langsam kommt. Das Feintuning passiert dann sowieso in Übersee!

LAOLA1: Wie sehr haben Sie sich schon an das neue Material gewöhnt?

Görgl: Anfangs war es eine Umstellung. Aber seit wir wieder in Europa trainieren, habe ich das Gefühl, dass die Umstellung gar nicht so eine große ist. Ich bin jetzt so darauf eingestellt, dass ich sagen kann: Es hat nie etwas anderes gegeben.

LAOLA1: Einige ihrer Markenkollegen haben lautstark gegen das neue Material aufbegehrt. Böse Zungen haben behauptet, dass das auf Befehl von oben passierte, da der neue Head-Ski nicht funktionierte?

Görgl (schmunzelt): Also für mich funktioniert er sehr gut. Aber ich war auch eine der Head-Läuferinnen, die für die Materialreform war. Ich versuche das Thema mit ein bisschen Weitblick zu betrachten – und da ist es einfach wichtig, dass das Material nicht mehr so aggressiv und der Körper nicht mehr so vielen hohen Kraftspitzen ausgesetzt ist und es damit wieder weniger Verletzungen gibt.

LAOLA1: Es gab kritische Stimmen, dass die Damen bei entsprechend schlechten Bedingungen mit dem neuen Material am Fernseher nicht gut wegkommen. Wie sehen Sie das?

Görgl: Ich bin der Meinung, dass man keinen Unterschied sehen wird. Speziell bei den Damen, die Herren habe ich noch nicht gesehen. Aber ich kenne meine Videos, da gibt es keinen Unterschied. Im Gegenteil, es kann sogar sein, dass wir schneller werden.

LAOLA1: Neben dem Material gab es noch zwei große Themen, die im Spätsommer diskutiert wurden …

Görgl (lacht): … ja, ich weiß. Das Buch von der Maria und der Wunsch von der Lindsey!

LAOLA1: Lassen Sie uns zunächst über die Biografie von Maria Höfl-Riesch sprechen.

Görgl: Ich habe das nur am Rande mitbekommen. Es gab ja einige Schlagzeilen in den Medien zu lesen. Wie viel davon wirklich im Buch steht, oder ob da irgendwelche Kleinigkeiten herausgepickt wurden, weiß ich nicht. Ich habe es nicht gelesen.

LAOLA1: Werden Sie das noch tun?

Görgl: Im Moment habe ich es nicht vor. Aber es ist sicher interessant, was sie zu erzählen hat. Sie hat ja ein sehr lebendiges Leben gehabt bis jetzt. Ich bin darauf angesprochen worden, ob ich auch irgendwann einmal ein Buch schreiben möchte. Und ja, warum nicht, ich hätte auch einiges zu erzählen.

LAOLA1: Zum Beispiel, dass Sie gegen Lindsey Vonn gefahren sind, die Frau, die es mit den Männern aufnehmen wollte?

Görgl: Wenn sie das gerne machen möchte und es als Herausforderung sieht, dann passt das und man sollte es ihr gewähren. Mein Ding wäre es nicht!

LAOLA1: Sie gehören zu den schnellsten Läuferinnen der Welt. Welche Chancen würden Sie sich im Geschlechter-Duell geben?

Görgl: Keine. Ich bin den Herren physiologisch einfach unterlegen. Ich habe 66 Kilogramm, die richtigen Abfahrer haben 100 oder mehr. Da kann ich gar kein Leiberl haben, auch wenn ich noch so gut Ski fahre. Das kann nicht funktionieren! Aber es ist ja nicht nur das Gewicht.

LAOLA1: Sondern was noch?

Görgl: Ich denke, dass wir Frauen bei den Strecken und dem Speed, den die Herren fahren, wahrscheinlich auch überfordert wären. Das muss man einfach so sehen. Aber ich könnte mir durchaus vorstellen, dass wir einige Herren-Strecken fahren – allerdings mit einer anderen Kurssetzung, die auf uns Damen angepasst ist.

LAOLA1: Da würde uns auf die Schnelle Kitzbühel einfallen?

Görgl: Wenn es entsprechend adaptiert ist, warum nicht? Dann wäre es eine Riesen-Geschichte, die mich natürlich reizen würde. Ich kenne die Streif nur vom Sommer, da schaut sie wirklich steil und spektakulär aus. Vielleicht ist das im Winter mit Schnee nicht ganz so schlimm.

LAOLA1: Stört es Sie eigentlich, dass es vor allem solche Themen und immer die gleichen Personen sind, die die Schlagzeilen beherrschen?

Görgl: Ach, das gehört dazu. Irgendwie ist immer irgendwas. Man muss Schlagzeilen machen, um ein Thema in den Mittelpunkt zu rücken. Oder sich selbst. Aber am Ende geht es um den Sport und darum, wie man Ski fährt. Das ist es, was eigentlich im Mittelpunkt stehen sollte.

LAOLA1: Wir danken für das Gespräch.

 

Das Interview führte Stephan Schwabl

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