"Ich habe auch eingefädelt!"

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Ligety: "Ein Einfädler pro Rennen sollte erlaubt sein!"

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Ted Ligety, das Internet und sein Kampf gegen Windmühlen.

Nach der Materialreform und den seiner Meinung nach veralteten Formaten im Ski-Weltcup nimmt der streitbare US-Amerikaner jetzt den Slalom ins Visier.

Natürlich hat auch Ligety eine Meinung zur Einfädler-Debatte – und weicht damit einmal mehr von der FIS-Ideallinie ab.

„Ein Einfädler pro Rennen sollte erlaubt sein“, bekräftigt der 27-Jährige im Gespräch mit LAOLA1 seinen Wunsch nach einer Reglementänderung, die er auch schon auf „facebook“ gefordert hat.

"Ich bin auch durchgekommen!"

Ligety ist überzeugt, dass man den Slalom damit nicht kaputt machen würde: „Wenn du einen Fehler machst und trotzdem vorne bist, dann hast du verdient gewonnen.“

Wie Marcel Hirscher in Zagreb, denn Ligety ist sich nach Studium von dessen Fahrt sicher: „Was ich gesehen habe, war nicht korrekt!“

Aber damit nicht genug, legt die Nummer 1 im Riesentorlauf bei LAOLA1 nach: „Ich habe in Zagreb auch eingefädelt und bin durchgekommen!“

Sein Ergebnis: Platz 14. Das nächste Kapitel in der Einfädler-Diskussion als LAOLA1-Interview!

LAOLA1: Ted, wie hast du die Einfädel-Debatte der letzten Tage verfolgt?

Ted Ligety: Aus meiner Sicht ging diese ganze Diskussion von Beginn an in eine komplett falsche Richtung. Einfädeln ist Teil des Sports, gehört zum Slalom dazu. Wenn dich die Jury nicht erwischt, dann hat sie Pech gehabt.

LAOLA1: Du hast auf facebook den Vorschlag gepostet, dass man einen Einfädler pro Rennen erlauben sollte. Ist das dein Ernst?

Ligety: Absolut. Wenn der Läufer mit dem Ski das Tor berührt, dann sollte er in der Wertung bleiben. Mit einem Einfädler bist du nicht schneller, du kürzt ja nicht ab.

LAOLA1: Bei deinen Fans ist die Idee wenig bis gar nicht gut angekommen?

Ligety: Mir geht es einfach darum, dass der schnellste Läufer gewinnen soll. Wenn du einen Fehler machst und trotzdem schneller als der Rest bist, dann stehst du verdient ganz oben. Und wie man gesehen hat, sieht die Jury ja sowieso nicht alle Einfädler, so wäre es wenigstens fair.

LAOLA1: Aber FIS-Renndirektor Hujara hat den Trainern aller Nationen gezeigt, dass Hirscher und Neureuther in Zagreb korrekt waren?

Ligety: Ich weiß nicht, was er gezeigt hat. In den Videos die ich gesehen habe, war es überhaupt nicht korrekt. Die Österreicher können offensichtlich Videos analysieren. Sie haben gesehen, dass da etwas nicht gepasst hat. Jeder kann sehen, dass da etwas nicht passt.

LAOLA1: Hujara hat davor gewarnt, die "Büchse der Pandora" zu öffnen?

Ligety (lacht): Ich habe in Zagreb auch eingefädelt, bin damit durchgekommen und 14. geworden. Und ich weiß auch noch von ein paar anderen Jungs, die eingefädelt haben und ohne Disqualifikation davon gekommen sind.

LAOLA1: Spürst du es eigentlich jedes Mal, wenn du einfädelst?

Ligety: Manchmal ja, manchmal nein. Es kommt ganz auf die Umstände an. Mir passiert es im Training auch, dass ich einfädle und es nicht spüre. Wenn du voll auf deinen Lauf fokussiert bist, kann es vorkommen, dass du nichts merkst.

LAOLA1: Deine Idee mit einem erlaubten Einfädler pro Rennen ist nicht die erste, mit der du den Skisport revolutionieren möchtest. Gab es eigentlich schon jemals eine Reaktion der FIS?

Ligety: Die FIS reagiert doch nicht auf solche Vorschläge. Die haben sich doch noch nie für die Meinung oder Vorschläge der Athleten interessiert. Ich gehe also nicht davon aus, dass sie darauf reagieren werden.

LAOLA1: Gibt es aus deiner Sicht eine Lösung für die Einfädler-Problematik?

Ligety: Seit es die Kippstangen gibt, wird eingefädelt. Das gehört zum Slalom seit jeher dazu. Jeder hat es gemacht, manche sind damit durchgekommen, viele wurden disqualifiziert. Daran wird sich auch nichts ändern.

LAOLA1: Marcel Hirscher hat angeboten, seinen Sieg zurückzugeben. Macht diese faire Geste aus deiner Sicht Sinn?

Ligety: Die Jury hatte ihre 15 Minuten. Es gab keinen Protest, deshalb ist Hirscher der Sieger von Zagreb. Ende der Diskussion.

LAOLA1: Sind diese 15 Minuten genug Zeit, um dieses offenbar sehr komplexe Thema zu behandeln?

Ligety: Normalerweise reicht es aus ...

LAOLA1: Wir danken für das Gespräch.

Das Interview führte Stephan Schwabl

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