Kriechbaum: Es gibt da nicht einen Grund alleine. Letztendlich muss man viele Stellschrauben in die richtige Richtung drehen. Nehmen wir die Abfahrt her: Vorbereitung, Technik, Material, Einstellung, Herangehensweise oder auch Gesundheit sind riesengroße Aspekte. Hier haben wir versucht zu optimieren und in Zauchensee die ersten Früchte geerntet.

LAOLA1: Korrigieren Sie mich, aber man hat den Eindruck, dass selbst bei einer Fenninger noch Luft nach oben ist.

Kriechbaum: Das Gefühl habe ich auch. Viele Dinge sind noch nicht ausgereizt. Wenn eine Anna in Zauchensee mit zwei schweren Schnitzern Zweite wird, muss noch mehr möglich sein. Aber wir wollen nicht unzufrieden sein. Unsere Läuferinnen gehen mit Überzeugung, Mut und Risiko ans Werk, das ist schon die halbe Miete. Aber es ist auch ein Drahtseilakt.

LAOLA1: Wie meinen Sie das?

Kriechbaum: Speziell in der Abfahrt braucht es eine gewisse Zeit, bis man sein Potenzial voll ausschöpfen kann. Und auf diesem Weg ist sehr viel Risiko dabei, es kann schnell auch ins Gegenteil umschlagen. Einmal zu viel riskiert, schon ist man verletzt. Aber zur Zeit bewältigen unsere Läuferinnen diesen Spagat sehr gut.

LAOLA1: Man hat den Eindruck, dass die Erfolge von Anna Fenninger den Rest der Truppe beflügeln. Wie wichtig ist sie als Teamleaderin?

Kriechbaum: Sie spielt sicher eine tragende Rolle im Team. Durch ihren positiven Umgang mit den Kolleginnen ist sie sehr beliebt. Und sie zeigt den anderen, wie man mit einem gewissen Einsatz und einer Akribie an Dingen arbeiten kann. Das ist ein Ansporn für die jungen Läuferinnen, die ihrerseits gewisse Stärken haben, wo sich die Anna verbessern will. Dadurch entsteht eine positive Wechselwirkung.

LAOLA1: Viel gewechselt wird auch an der Spitze des Gesamt-Weltcups. Wie schätzen Sie Fenningers Chance auf den Gewinn der großen Kugel ein?

Kriechbaum: Ich sage immer: Um den Gesamt-Weltcup gewinnen zu können, musst du in mindestens zwei Disziplinen regelmäßig siegen. Das ist in diesem Winter noch keiner Läuferin wirklich geglückt. Deshalb ist im Moment alles so eng beisammen, dass es völlig wurscht ist, ob du Erste oder Dritte bist.

LAOLA1: Nach Jahren der Dominanz einer Lindsey Vonn und dem Solo von Tina Maze im Vorjahr kann diese Spannung doch nur gut sein für den Damen-Rennsport, oder?

Kriechbaum: Mir wäre es lieber, wenn die Anna 500 Punkte Vorsprung hätte. Auch wenn das für den Damen-Rennsport vielleicht schlecht wäre. Aber das ist nicht der Fall, also ist die Spannung ein positiver Nebeneffekt.

LAOLA1: Wir danken für das Gespräch.

 

Das Interview führte Stephan Schwabl

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