Kostelic: "Es steht nichts zwischen mir und Marcel"

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Wären Sprachkritiker auch Ski-Fans, sie würden Einfädler auf die Vorschlagsliste für das „Unwort des Jahres“ nehmen.

Seit Samstag ist die Einfädel-Diskussion um Marcel Hirscher das große Aufreger-Thema im Ski-Weltcup.

Die „Kronen Zeitung“ hat mit ihrem Bericht, der am Montag von FIS-Renndirektor Günter Hujara auch offiziell widerlegt wurde, ein „Monster“ erschaffen, das bald ein nicht mehr kontrollierbares Eigenleben entwickelte.

Aus dem Schneeball wurde eine Lawine. Auch dank Ivica Kostelic, der sich nach dem Gewinn der Hahnenkamm-Kombination hinstellte und meinte: „It's only one race, but the shame lasts forever!“

Kostelic: Staatsfeind Nummer 1

Damit goss der Kroate nicht nur Öl ins Feuer und verspielte bei den Hirscher-Fans viele Sympathien, plötzlich war der neue Führende im Gesamt-Weltcup hierzulande Staatsfeind Nummer 1.

Die Folge: Wüste Beschimpfungen im Internet, Aufrufe zur Vergeltung beim „Nightrace“ und Hooligan-Alarm in Schladming.

Seit Montagabend ist die Welt aber wieder in Ordnung: Kostelic und Hirscher haben sich ausgesprochen, die Hand gereicht und dann auch öffentlich versöhnt.

Bei LAOLA1 spricht der kroatische „Buhmann“ über das klärende Gespräch, seinen „Schande“-Sager, Konflikte auf den Tribünen und seine Angst vor Pfiffen.

LAOLA1: Herr Kostelic, wie ist es zur Aussprache mit Marcel Hirscher gekommen?

Ivica Kostelic: Ich habe am Sonntag gehört, dass er mit mir reden möchte. Deshalb bin ich am Montagnachmittag zu ihm ins Hotel gegangen, denn ich finde es sehr fair, dass er das Gespräch mit mir gesucht hat.

LAOLA1: Wie ist dieses Gespräch aus ihrer Sicht verlaufen?

Kostelic: Wir hatten ein langes, ehrliches Gespräch, haben uns rund 30 Minuten ausgetauscht. Jetzt steht nichts mehr zwischen uns, Marcel ist ein ehrlicher Mensch und ein fairer Sportsmann. Wir haben uns darauf verständigt, dass wir beide im Interesse des Sports handeln.

LAOLA1: Was kann man sich darunter vorstellen?

Kostelic: Marcel hat mir erklärt, welches Gefühl er hat, wenn er einfädelt. Ich kann verstehen, dass seine Technik so ist und es manchmal schwer ist. Er hat mir auch erzählt, dass er im Training, wenn er einfädelt, immer weiterfährt. Meiner Meinung nach ist das falsch, weil man damit auch das Einfädeln trainiert. Das habe ich ihm auch so gesagt.

LAOLA1: Wenn jemand einfädelt und weiterfährt, wird er von der FIS mit einer Geldstrafe belegt?

Kostelic: Ja, schon. Aber es ist trotzdem nicht fair, wenn man einfädelt und weiterfährt. Marcel hat seinen Standpunkt gut erklärt und ehrliche Worte gefunden, das rechne ich ihm hoch an. Ich glaube, er hat auch erkannt, dass er in diesem Punkt anders denken muss. Hoffentlich hat er etwas aus dieser Situation gelernt.

LAOLA1: Was denken Sie heute über ihren „shame for a lifetime“-Sager?

Kostelic: Viele Worte, die ich in Kitzbühel gesagt habe, sind aus der Emotion gekommen. Vor, während und nach einem Rennen ist man voller Adrenalin. Aber auch das ist geklärt.

LAOLA1: Wie hat man die Diskussionen der letzten Tage in Kroatien aufgenommen, was wissen Sie aus der Heimat?

Kostelic: Es wurde natürlich auch viel und emotional diskutiert. Deshalb habe ich auch an die kroatischen Fans appelliert, dass alles geklärt und ausgesprochen ist. Wir wollen fairen Sport und keinen Konflikt der Fans sehen.

LAOLA1: Bei ihrer öffentlichen Versöhnung gab es Jubel und Applaus. Glauben Sie, dass das beim Rennen auch so sein wird?

Kostelic: Wir haben in den Medien gesehen, dass die Fans beider Lager ein bisschen den Kopf verloren haben. Das wollen wir beide nicht. Skifahren war immer ein Sport frei von Konflikten. Das soll auch so bleiben.

LAOLA1: Aber auf ein Pfeifkonzert sind Sie eingestellt?

Kostelic: Ich habe keine Angst davor! Ich glaube, das ist normal.Aber ich werde noch andere Rennen in Österreich fahren, Marcel kommt sicher wieder nach Zagreb. Deshalb ist es für uns wichtig, dass es nicht zu einem Konflikt kommt und wir normal unser Rennen durchführen können.

LAOLA1: Wie würden Sie ihr Verhältnis zu Marcel Hirscher jetzt beschreiben?

Kostelic: Ich hatte immer viel Respekt vor ihm. Er ist der jüngste erfolgreiche Läufer im Weltcup, er hat noch viele Rennen vor sich. Wir haben eine lange Freundschaft, die ich nicht beenden möchte.

LAOLA1: Von Seiten der FIS wurde die Diskussion um Hirschers angeblichen Zagreb-Einfädler beendet. Was nehmen Sie aus der ganzen Debatte mit?

Kostelic: Vielleicht müssen die Torrichter besser aufpassen. Vielleicht brauchen wir einen Torrichter bei jedem Tor. Wenn auch das nichts hilft, weil es das menschliche Auge nicht eindeutig sieht, muss man vielleicht zusätzliche technische Hilfsmittel einsetzen.

LAOLA1: Wir danken für das Gespräch.

Aufgezeichnet von Stephan Schwabl

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