Hosp: "Auf meine Stärken konzentrieren"

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Nicole Hosp gewann 2007 bei den alpinen Ski-Weltmeisterschaften in Aare die Goldmedaille im Riesentorlauf.
 
Die Gesamtweltcupsiegerin von 2006/2007 kämpft seit ihren schweren Knieverletzungen im Jänner und Oktober 2009 um ihr Comeback in der Weltspitze.
 
Mit Platz zwei in der Super-Kombination von St. Moritz hat sie ihr Ticket für die Heim-WM sicher, die 29-jährige Tirolerin hat aber noch Chancen, auch im Slalom und Super-G dabei zu sein.
 
Um das Ziel zu erreichen, hat sie einen Schlussstrich unter ihre einstige Paradedisziplin gezogen. Die APA bat Hosp in Zagreb zum Interview.
 
Frage: Sie sind Riesentorlauf-Weltmeisterin von 2007, das war Ihre Parade-Disziplin. Sie haben unter diese Disziplin jetzt einen Schlussstrich gezogen. Wie kam es dazu?
 
Nicole Hosp: "Ganz einfach. Ich habe in den vergangenen zwei Jahren im Riesentorlauf so viel probiert, dass es wieder funktioniert, aber es wollte einfach nicht. Jetzt ist für mich der Zeitpunkt gekommen, dass ich keine Energie mehr dafür verwenden möchte. Es war vom Kopf her schon so viel negativ, weil einfach nichts gegangen ist, das war so schwierig. Wenn man Weltmeisterin in der Disziplin war und die Kugel einmal gewonnen hat, dann ist das noch viel schwieriger. Aber ich möchte mich jetzt auf meine Stärken konzentrieren. Und die liegen jetzt woanders."
 
Frage: War das Loslassen wichtig, um Ruhe zu finden und noch einmal neu durchstarten zu können?
 
Hosp: "Auf jeden Fall, vor allem dass ich viel mehr Energie und Zeit zum Trainieren für die anderen Disziplinen habe. Bis jetzt habe ich sehr viel für den Riesentorlauf verwendet, ich habe mich brutal reingearbeitet und reingesteigert. Aber da es nicht funktioniert hat, habe ich auch viel Energie verloren. Die habe ich nun für die anderen Disziplinen über, das ist ein großer Vorteil."
 
Frage: Wo sehen Sie sich selbst am stärksten derzeit?
 
Hosp: "Ich glaube, dass ich im Slalom sehr schnell sein und sehr weit vorne mitfahren kann, bis jetzt ist es aber noch nicht so ganz aufgegangen. Aber im ersten Durchgang wäre ich auf dem Semmering ohne den Fehler sehr weit vorne gewesen. Im Super-G kann ich auch vorne mitfahren, auf das will ich jetzt setzen und Gas geben. Ich habe sehr schnelle Schwünge, bis jetzt habe ich das noch nicht von oben bis unten ins Ziel gebracht, aber ich habe es nach wie vor drauf. Ich denke, dass das im Jänner hinhauen sollte. Ich möchte schauen, dass ich in den Disziplinen ganz den Anschluss nach vorne finde."
 
Frage: Ihre Slalom-Trainingsleistungen sind stark. Woran scheiterte es bisher im Rennen?
 
Hosp: "Ich habe mir sicher selbst ein bisschen zu viel Druck gemacht, weil ich im Training gesehen habe, dass ich bei Zetti, Kirchi und Marlies (Zettel, Kirchgasser und Schild, Anm.) dabei bin. Ich muss wirklich umschalten und wieder locker drauf los fahren. Aber wenn man etwas besonders gut machen will, gelingt es oft nicht. Das ist vor meinen Verletzungen alles viel leichter gesehen. Da habe ich jeden Tag Gas gegeben und geschaut, was rauskommt, und das hat gepasst. Nach den Verletzungen habe ich mir selbst oft beweisen wollen, dass ich noch ganz vorne mitfahren kann. Das ist das Schwierige und das Schlechte, wenn man sich selbst einen Druck macht. Aber es ist extrem zäh, es locker zu sehen."
 
Frage: Wer hilft Ihnen durch schlechte Zeiten?
 
Hosp: "Es ist schwierig, weil das Umfeld auch eine bestimmte Erwartungshaltung hat. Alle haben gesehen, dass ich im Training sehr gut gefahren bin. Dann denkt sich jeder, 'das muss doch jetzt einmal gehen'. Ich habe meine Leute, die hinter mir stehen, das ist wichtig. Die sagen: 'Du schau, das war alles positiv. Auch wenn du jetzt mal den Fehler gemacht hast, musst dich an dem halten, das gut gegangen ist. Das ist das Wichtige.' Ich sehe mich auf dem richtigen Weg. Man muss Geduld haben, bis der Knopf beim Rennen aufgeht. Dann denke ich, dass das wieder zu hundert Prozent passt."
 
Frage: Die nächste Chance auf ein Topergebnis bietet sich nach Zagreb im Super-G von St. Anton. Werden Sie auch die Abfahrt bestreiten?
 
Hosp: "Ich weiß es noch nicht. In den Tagen nach Zagreb sind Abfahrts- und Super-G-Training auf der WM-Strecke in Schladming geplant. Das ist mir sehr wichtig. Nach St. Anton ist der Slalom in Flachau und dann Cortina. Das ist schon ein ordentliches Programm. Ich bin immer gerne alles gefahren, aber ich möchte jetzt schauen, dass ich mich auf die Rennen, die ich fahre, optimal vorbereite. Ich möchte nicht wieder alles machen, sondern gezielt, und da dafür das Optimum rausholen."
 
Frage: Mit Platz zwei in der Super-Kombination von St. Moritz ist ihre WM-Teilnahme zumindest in diesem Bewerb fix. Wie wichtig ist dieser Rückhalt für die weitere Arbeit?
 
Hosp: "Das war ein ganz wichtiger Punkt. Die Heim-WM sollte noch einmal ein Highlight in meiner Karriere werden. Wenn du da nicht dabei bist, ist das natürlich bitter. Von dem her war das gute Ergebnis in der Super-Kombi schon wichtig, dass ich damit hoffentlich schon mein Ticket habe."
 
Frage: WM-Gold in Aare liegt fast sechs Jahre zurück. Denken Sie trotzdem öfters dran?
 
Hosp: "Ja. Gerade dann muss man sich das wieder hervorholen, wenn man schlechte Zeiten hat, denn dann ist eh alles so schwierig. Dass man da wieder rauskommt, da muss man sich einfach an die ganz guten Dinge erinnern, die man erlebt hat, als es leicht und sehr gut gegangen ist. Es ist wichtig, dass man im Kopf positiv bleibt."

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