"Wie von einem anderen Stern!"

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Hirscher staunt: "Ligety hat uns zu denken gegeben!"

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Gegen diese Watsch'n war Sido vs. Heinzl ein Kindergeburtstag.

Der US-Amerikaner Ted Ligety demolierte beim Weltcup-Auftakt der Herren am Rettenbachferner die Konkurrenz: 2,75 Sekunden Vorsprung auf den Zweitplatzierten, Marcel Hirscher landete mit 3,12 Rückstand auf Rang drei.

„Normal musst du es lassen, der Rückstand ist schon fast pervers. Derzeit gibt's nur eine Weltspitze – und die heißt Ted Ligety“, so der Salzburger, der sich über seinen dritten Platz und die ersten 60 Punkte auf dem Weg zur Titelverteidigung im Gesamt-Weltcup aber dennoch freuen konnte.

„Die Platzierung passt, die 60 Punkte nehme ich gerne mit. Aber es gibt in den nächsten Wochen viel zu tun.“

Bei LAOLA1 spricht der 23-Jährige über Skifahren vom anderen Stern, Hausaufgaben und Herausforderungen und den tragischen Unfall-Tod von Teamkollege und Wegbegleiter Björn Sieber.

 

LAOLA1: Marcel, mit Ted Ligety gibt es einen neuen „Außerirdischen“ im Weltcup-Zirkus?

Marcel Hirscher: Er ist wirklich wie von einem anderen Stern gefahren, hat jedes Tor perfekt erwischt. Das war schon sensationell, wie er den Ski runtergedrückt hat.

LAOLA1: Dass ein Läufer fast drei Sekunden Vorsprung hat, gab es schon sehr lange nicht mehr?

Hirscher: Ich hätte das nicht für möglich gehalten. Meine erste Frage war: Fährt der noch mit dem alten Material? Das hat uns allen zu denken geben, jetzt heißt es: Recherchieren, Videos studieren und forschen.

LAOLA1: Du hast nach dem Rennen gemeint, dass Ligety damit den Sport weiterbringt. Wie darf man das verstehen?

Hirscher: So wird es für die Zuschauer und euch Journalisten nicht fad. Weil die Befürchtungen, die alle gehabt haben, dass es unfahrbar und ein Rückschritt ist, widerlegt er ja gravierend.

LAOLA1: Ausgerechnet Ligety, der am lautesten gegen die Materialreform protestiert hat.

Hirscher (schmunzelt): Das ist wieder eine andere Geschichte. Er widerlegt es extrem, deshalb denke ich, dass er den Skisport enorm weitergebracht hat. Obwohl es gegen seine ganzen Theorien geht.

LAOLA1: Bis zum nächsten Riesentorlauf in Beaver Creek ist noch mehr als ein Monat Zeit. Was kann man bis dahin aufholen?

Hirscher: Wir müssen wirklich Gas geben, damit wir ihm bis dahin einen Schritt näher kommen. Ich gehe aber nicht davon aus, dass wir es schaffen werden, den ganzen Rückstand wettmachen zu können.

LAOLA1: Ist ein Ted Ligety in der Form überhaupt zu schlagen?

Hirscher: Es täte mir schon reichen, wenn ich öfter Zweiter werde.

LAOLA1: Das neue Material war das große Thema der letzten Wochen und Monate. Welche Erkenntnisse hat dir persönlich das erste Rennen gebracht?

Hirscher: Über die Ski kann ich gar nicht viel sagen. Das primäre Ziel war es, das Ziel zu sehen, indem man irgendwie von Blau zu Rot findet. Aber die Bedingungen waren für alle gleich. Der einzige, der sich aufregen kann, ist der Schörgi. Das war inakzeptabel, eine Frechheit!

LAOLA1: Mathias Berthold hat gemeint, dass du im Flachen zwei Sekunden liegen gelassen hast.

Hirscher: Ich habe mich gefühlt wie ein Langläufer. Es war furchtbar. Ich weiß nicht, ob man meine Geste gesehen hat. Ich habe angetaucht, ein bisserl Luft geschaufelt, in der Hoffnung, dass es schneller wird.

LAOLA1: Du hast mit Björn Sieber einen Teamkollegen und Freund verloren. Wie bist du mit dieser Situation umgegangen?

Hirscher: Es ist schräg. Vor zwei Tagen haben wir um einen Teamkollegen getrauert und jetzt soll ich mich über einen dritten Platz freuen. Erst versteht man die Welt nicht und dann ist man zurück in diesem Zirkus und soll in die Kamera lachen. Klar, irgendwo muss das Leben weitergehen, aber das ist nicht immer einfach.

LAOLA1: Wie schwierig war es, den Schalter umzulegen und die Trauer hintan zu stellen?

Hirscher: Die Gedanken kommen immer wieder. Kurz nach dem Ziel zum Beispiel. Im Starthaus habe ich probiert, die Gedanken sofort auszuschalten. Und so tragisch es klingt: Für den Bruchteil des Rennens gelingt es auch.

LAOLA1: War das eines der schwierigsten Rennen deiner Karriere?

Hirscher: Nein, sicher nicht. Es ist arg und traurig, aber Autounfälle passieren leider viel zu viele.

LAOLA1: Es gab die Möglichkeit zu Einzelgesprächen mit Mathias Berthold. Hast du dieses Angebot in Anspruch genommen?

Hirscher: Selbstverständlich. Das war für mich sehr wichtig, aber auch für ihn, glaube ich. Es ist für uns alle so überraschend gekommen. Aber bitte reden wir über andere Sachen.

LAOLA1: Der Weltcup geht am 11. November mit dem Slalom in Levi weiter. Wie steht es um deine Slalomform?

Hirscher: Ganz ehrlich: Ich habe die Slalomski seit Neuseeland nicht mehr angeschnallt. Aber am Montag wissen wir mehr!

LAOLA1: Wir danken für das Gespräch.

 

Aufgezeichnet von Stephan Schwabl

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