"Dann bin ich ganz stark"

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"Ob ich Nummer eins oder zwei bin, ändert nichts"

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Bernadette Schild steht vor einer speziellen Saison.

Erstmals ist sie im Weltcup ohne ihre große Schwester Marlies unterwegs. „Ich bin lange genug im Geschäft, dass ich das packe“, zeigt sie gegenüber LAOLA1 keine Angst vor der neuen Selbstständigkeit.

Nachdem sie in Sölden nicht am Start war, beginnt die WM-Saison für die 24-Jährige mit dem Slalom in Levi. Vor ihrem persönlichen Saison-Auftakt stapelt sie aber tief: „Ich konnte mich hier erst ein Mal qualifizieren, deswegen sind die Erwartungen für das Rennen auch sehr niedrig.“ (Drei Mal verpasste sie die Qualifikation, 2010 belegte sie Rang 17).

Und das, obwohl sie letzte Saison im Slalom punktemäßig hinter ihrer Schwester die Nummer zwei im ÖSV-Team war. Nach dem Karriereende der „Slalom-Queen“ ist sie nun die etatmäßige Nummer eins.

„Für mich ist einfach wichtig, dass ich auf mich schaue und für mich das Beste raushole. Ob ich dann Nummer eins, zwei, oder was-auch-immer bin, ändert für mich nichts“, nimmt sie die Leaderrolle noch nicht ganz an.

Warum sie dennoch reif für den ersten Weltcup-Sieg ist, es ohne Marlies im Training schwerer ist, Mikaela Shiffrin im Slalom „eine sichere Bank“ ist und sie einen Markenwechsel vollzogen hat, erklärt sie im LAOLA1-Interview:

LAOLA1: Wie ist die Vorbereitung gelaufen?

Bernadette Schild: Ich war verletzungsfrei und im Großen und Ganzen hat alles gut funktioniert. Es waren sehr gute Tage dabei, dann auch welche, an denen es nicht so gut geklappt hat. Es gibt immer noch Bedingungen, bei denen es nicht so hinhaut. Das Flache ist für mich nach wie vor sehr, sehr schwer. Aber ich habe daran gearbeitet. Wenn die Bedingungen passen, dann bin ich ganz stark. Ich hoffe, dass ich zumindest ein bisschen weiter bin. Alles in allem bin ich aber sehr zufrieden mit der Vorbereitung.

LAOLA1: Brennst du schon auf den Saisonstart oder hättest du gerne noch mehr Vorbereitungszeit?

Schild: Ich der letzten Woche dachte ich mir schon: "Puh, jetzt noch mehr trainieren? Irgendwann reicht es.“ (lacht) Es ist Zeit, dass es losgeht.

LAOLA1: Wie kam es zu deinen Ski-Wechsel von Atomic zu Rossignol?

Schild: Ich habe den Ski getestet und mich sofort wohl gefühlt. Das Material hat sich nach ein paar Testläufen einfach richtig angefühlt. Es war einfach, Ski zu fahren. Auch meine Technik hat sich gleich etwas umgestellt und auf die Ski eingestellt. Das war für mich ein Zeichen, dass es vielleicht Zeit für etwas Neues ist. Mit Rossignol bin ich super gut dran.

LAOLA1: Hattest du bei Atomic das Gefühl, eine von Vielen zu sein und hoffst, bei Rossignol als "besonderer“ gesehen zu werden?

"Waren unterschiedlich und haben uns gegenseitig unser Ding machen lassen"

Schild: Ich war schon sehr knapp dran. Ein Sieg muss einfach passieren, da muss alles zusammenpassen. Wenn man eine Frida (Hansdotter/Anm.) hernimmt: Sie fährt schon ewig lang gut und konnte erst letztes Jahr ihren ersten Sieg feiern. Ich freue mich, wenn es früher als später passiert, aber ich stehe nicht am Start und denke, dass ich unbedingt gewinnen muss. Wenn ich das fahre, was ich kann, funktioniert das schon.

LAOLA1: Wie sehen deine Ansprüche generell aus? Reicht dir ein Top-10-Platz noch oder muss es das Stockerl oder sogar der Sieg sein, um dich zufriedenzustellen?

Schild: Das kommt immer aufs Rennen an. In Levi stehe ich am Start und will in den zweiten Durchgang kommen, weil ich es hier erst ein Mal geschafft habe. Bei anderen Rennen wo ich schon gut gefahren bin, wie Courchevel oder Aspen, ist ein Top-10-Platz eine Leistung und schön, aber im Endeffekt will man weiter nach vorne. Ich bin mittlerweile an einem Punkt, an dem ich sagen kann, ich kann aufs Stockerl fahren und dort will ich auch hin.

LAOLA1: Warum traust du es dir in Levi nicht zu?

Schild: Hier ist es für mich immer sehr, sehr schwierig. Ich konnte mich hier noch nie qualifizieren, deswegen sind die Erwartungen für das Rennen auch sehr niedrig.

LAOLA1: Wer sind dann die Favoritinnen? Ist Mikaela Shiffrin unschlagbar?

Schild: Sie ist eine sichere Bank. Sie hat jetzt schon den Sieg in Sölden, hat Selbstvertrauen und weiß, wo sie steht. Maria (Höfl-Riesch/Anm.) war hier immer weit vorne, die fährt nicht mehr, Marlies auch nicht. Es gibt viele, die vorne mitmischen können. Ich hoffe, dass es vielleicht doch ich bin (lacht). Vielleicht klappt es ja unerwartet, darauf hoffe ich.

>>>Deine Tipps für den Levi-Slalom?<<<

 

Das Gespräch führte Matthias Nemetz

Schild: Wenn man sich ansieht, wer im Weltcup Rossignol fährt und wie viele im Vergleich Atomic fahren, ist man eher bei Rossignol eine von Vielen (lacht). Bei den Mädels fahren sehr viele Rossignol. Ich habe mich bei Atomic nie als eine von Vielen gefühlt, aber es war einfach an der Zeit für etwas Neues. Es war auch die Neugierde, etwas Neues zu versuchen. Auch von Teamseite neue Leute zu haben und neue Reize zu setzen.

LAOLA1: Auch in anderer Hinsicht ist diese Saison für dich speziell. Es ist die erste ohne deine Schwester Marlies.

Schild: Als Schwester weiß man so etwas natürlich ein bisschen früher. Am Anfang musste ich mich darauf einstellen. Im Training merkt man einfach, dass der Teil von der Mannschaft, an dem man immer erkennen konnte, wo man steht, fehlt. Wenn Marlies einen guten Tag hatte – und den hatte sie meistens – dann wusste man immer, dass man so und so weit hinten ist und noch so und so viel geht. Sie hat einfach in jedem Trainingslauf gezeigt, was möglich ist. Jetzt denke ich oft, ich hatte einen guten Lauf, aber vielleicht geht noch mehr. Es ist schwierig, das einzuschätzen. Das ist ein Punkt, wo man ihren Abgang von der sportlichen Seite her merkt. Natürlich auch als Familienmitglied, jetzt bin ich ganz alleine unterwegs. Aber ich bin lange genug im Geschäft, dass ich das packe.

LAOLA1: Ist es in gewisser Hinsicht vielleicht sogar "gut“, dass sie nicht mehr da ist, weil du auf dich alleine gestellt bist und neue Erfahrungen sammelst?

Schild: Nein, Marlies und ich waren unterschiedliche Typen. Wir haben uns gegenseitig unser Ding machen lassen. Ich habe mich nicht bei ihr eingemischt und sie hat sich nicht bei mir eingemischt. Vor allem in den letzten Jahren hat es sich so herauskristallisiert, dass ich meine Sachen gemacht habe und sie ihre. In der Mitte haben wir uns dann immer wieder getroffen. Von dem her ändert sich für mich nicht viel.

LAOLA1: Was sich aber ändert ist, dass du nun – wenn man sich die Slalom-Wertung aus dem Vorjahr ansieht – die neue Nummer eins im österreichischen Slalom-Team bist.

Schild: (zögert) Ich weiß gar nicht, was war denn die Zetti (Kathrin Zettel/Anm.)?

LAOLA1: Sie war 35 Punkte hinter dir, Nicole Hosp 16 zurück.

Schild: Okay, das wusste ich nicht (lacht). Darüber mache ich mir eigentlich keine Gedanken. Letzte Saison habe ich teilweise gute Leistungen gezeigt. Es waren aber auch Sachen dabei, wo ich Pech hatte oder zu viel wollte. Wenn ich das auch noch hinkriege, dann kann ich schon weiter vorne mitreden.

LAOLA1: Du siehst dich also nicht als neue Nummer eins?

Schild: Nein, das auf keinen Fall. Ich weiß, dass eine Zetti gut fahren kann, auch eine Michi (Kirchgasser/Anm.) kann schnell sein. Im Endeffekt sind viele im Team, die gut fahren können. Für mich ist einfach wichtig, dass ich auf mich schaue und für mich das Beste raushole. Ob ich dann Nummer eins, zwei, oder was-auch-immer bin, ändert für mich nichts.

LAOLA1: Mit dem ersten Weltcup-Sieg hat es noch nicht geklappt. Ein zweiter und zwei dritte Plätze haben herausgeschaut. Nagt das an dir?

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