"Das war kein Richtungswechsel"

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"Ziele waren andere, das Thema ist abgeschlossen"

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Sie ist wieder da.

Eigentlich war Anna Fenninger nie weg, dennoch verschwand sie nach der Causa rund um den ÖSV und ihren Ex-Manager Klaus Kärcher von der öffentlichen Bildfläche.

Fast genau einen Monat vor Beginn der Ski-Saison in Sölden (24.Oktober) zeigte sie sich nun erstmals wieder den Medien und stand Rede und Antwort.

"Das Thema ist abgeschlossen"

Viel hat die Salzburgerin zu dem bestimmenden Thema im Frühjahr und Sommer nicht mehr zu sagen. "Wir haben dann beschlossen, uns einvernehmlich und respektvoll zu trennen. Die Ziele waren andere, das Thema ist für mich abgeschlossen."

Dennoch zeigt sich die zweifache Gesamtweltcupsiegerin gesprächig wie selten zuvor. "Alles, was passiert ist, war eher Motivation, das alles durchzuziehen", zeigt sich die 26-Jährige schon wieder angriffslustig.

Und das, obwohl sie bislang noch gar nicht viel Schneetraining in den Beinen hat. Warum das kein Problem ist, wie sie ihren "Richtungswechsel" erklärt, welche Kugel sie unbedingt holen will und wer ihr neuer Manager werden könnte, hat LAOLA1 zusammengefasst.

ANNA FENNINGER…

… ÜBER DEN STREIT MIT DEM ÖSV:

Heute geht es mir richtig gut. Ich bin froh, mit einem verlässlichen Partner in die Zukunft blicken zu können. Wenn ich zurückdenke, waren es turbulente Zeiten. Ich habe mit Präsident Peter Schröcksnadel sehr gute Gespräche geführt und wir haben eine gute Lösung gefunden. Bei den konstruktiven Gesprächen wurde mir ein Team aufgestellt, das für mich da ist und mich gut betreut. Es wäre gut gewesen, wenn das viel früher stattgefunden hätte. Im Nachhinein weiß man es aber immer besser. Jetzt bin ich froh, dass es ist, wie es ist.

... ÜBER DIE LEHREN AUS DEM STREIT:

Dass man über alles immer reden muss. Es gibt nichts, was alleine funktioniert. Man muss es ansprechen, genauso habe ich das dann auch getan. Dass es in der Öffentlichkeit passiert ist, war nie der Plan und hat's schwieriger gemacht. Es hat aber intern viele Gespräche gegeben die dazu führen, dass der Frauensport weiterentwickelt wird. Das war sehr wichtig.

… ÜBER DIE TRENNUNG VON EX-MANAGER KLAUS KÄRCHER:

So plötzlich, wie es ausgesehen hat, ist die Trennung nicht passiert. Es war doch ein langer Prozess und ich habe es mir reiflich überlegt. Wir haben dann beschlossen, und einvernehmlich und respektvoll zu trennen. Die Ziele waren andere, das Thema ist für mich abgeschlossen.

… OB SIE IHR TRAINING TROTZ DES KONFLIKTS DURCHZIEHEN KONNTE:

Das Training im Sommer war die beste Ablenkung für das, was sonst passiert ist. Mit dem Training habe ich zu mir selbst gefunden und konnte bei mir bleiben. Deshalb habe ich versucht, es so wie immer durchzuziehen. Alles, was passiert ist, war eher Motivation, das alles durchzuziehen.

… OB WUT EINE GUTE MOTIVATION IST:

So ähnlich kann man es sagen. Ich will nicht sagen, dass Wut gut ist, aber Ansporn auf alle Fälle. Ich kann mich noch an die Super-Kombination bei der WM in Garmisch-Partenkirchen erinnern. Da wurde ich auf meine Slalom-Künste angesprochen und gefragt, wie viel Vorsprung ich in der Abfahrt brauche, um noch eine Chance zu haben. Das hat mich so motiviert, dass ich die bis dahin beste Slalom-Leistung gebracht habe und die Kombination gewonnen habe. Das sind Geschichten aus denen man viel mitnehmen kann.

… ÜBER IHRE SAISONZIELE:

Großereignisse sind immer speziell, ich bin aber nicht Skifahrerin, um nur bei Großereignissen zu fahren. Ski fahren ist meine Leidenschaft, ich liebe den Sport und will mich immer weiterentwickeln. Aus dem, was in mir steckt, will ich alles herausholen. Meine Ziele sind, auf hohem Niveau weiterzufahren und so viele Rennen wie möglich zu gewinnen. Ein Ziel ist auch, einmal eine Abfahrt zu gewinnen. Eine Speed-Kugel für Österreich zu holen ist ein riesiger Wunsch von mir.

 

Aufgezeichnet von Matthias Nemetz

… ÜBER DIE UNTERSCHIEDLICHEN ZIELE:

Meine Ziele sind, sportlich weiterzukommen. In meinem persönlichen Umfeld Betreuer zu haben, die mich zu hundert Prozent unterstützen, war wichtig. Ich hatte auch in der Vergangenheit sehr viele Erfolge und war gut betreut, was im Sommer passiert ist, war nicht einfach. Veränderungen können positiv sein, man kann daraus lernen und sich weiterentwickeln. Mir war immer klar, dass ich für Österreich starten will, für diesen Verband.  Das tue ich jetzt und genieße dabei perfekte Unterstützung.

… ÜBER MÖGLICHE KRITIK AN IHREM RICHTUNGSWECHSEL:

Ich wurde immer stark unterstützt und denke nicht, dass ich an Vertrauen verloren habe. Ich werde meinen Weg weitergehen und will mich nicht verändern. Ich bin immer noch die Anna und nach wie vor selbstständig. Ich entscheide, was für mich wichtig ist. Genau das werde ich auch weiterhin sagen. Deshalb sehe ich das nicht als Richtungswechsel.

… ÜBER IHR JETZIGES MANAGEMENT:

Grundsätzlich ist mir Eigenverantwortung, Unabhängigkeit und Selbstverantwortung sehr wichtig. Im Moment treffe ich viele Entscheidungen selbst, wir werden sehen, wie es weitergeht.

… OB HEAD-RENNCHEF RAINER SALZGEBER IHR MANAGER WERDEN KÖNNTE:

Rainer war immer schon ein wichtiger Mann und enger Vertragspartner mit Head. Wir arbeiten schon seit vielen Jahren eng zusammen und haben ein sehr gutes Verhältnis. Es ist schwer zu sagen, dass das Verhältnis freundschaftlich ist, aber es ist sehr gut. Wenn ich Fragen hätte, würde er mich unterstützen. Managementmäßig wird es aber eher nicht sein. Auch wenn man einen Manager hat, muss man selbst entscheiden. Genau das mache ich jetzt auch.

… OB IHR TEAM JETZT KOMPLETT IST ODER NOCH ETWAS FEHLT:

Es war in den letzten Jahren schon so, dass ich mit meinem Trainer den Weg gegangen bin, den ich mir vorgestellt habe. Sonst wäre es gar nicht möglich gewesen, in so vielen Disziplinen vorne mitzufahren. Durch die Gespräche wurde das Team ausgebaut. Es war notwendig, wir werden ja auch nicht jünger. Ich habe jetzt noch mehr Unterstützung, in diese Richtung ist für mich alles gegeben, was notwendig ist. Jetzt liegt es an mir, erfolgreich zu sein.

… ÜBER IHREN NEUEN SPONSOR MILKA:

Wenn man sein Leben lang Sport auf hohem Niveau macht, verbrennt man viel Kalorien. Wenn man sich auspowert hat man auch einmal eine kleine Belohnung verdient. Da kommt Schokolade ganz recht. Irgendetwas verbindet mich schon seit ich klein bin mit Milka, ich bin richtig froh, dass wir jetzt zusammengefunden haben.

… ÜBER DIE NEUE HIERARCHIE IM ÖSV-TEAM NACH DEN RÜCKTRITTEN:

Es ist schade, dass wir die Unterstützung der Routiniers zum Teil nicht mehr haben. Es ist aber gleichzeitig eine große Chance für die Jungen, sich zu beweisen. Das Team wird neu aufgestellt, viele junge Läuferinnen werden den Ton angeben und uns ältere Fahrerinnen fordern. Ich versuche, zwischen Technik- und Speed-Gruppe hin- und herzuwechseln um etwas von der Dynamik mitzunehmen. Ich versuche mir das positive herauszuziehen.

… OB SIE VERMEHRT SPEED-TRAINING ABSOLVIERT:

Bis jetzt habe ich noch nicht so viel auf Schnee trainiert. Ich habe aber zumindest drei gute Abfahrtstage absolviert. Das war in den letzten Jahren nicht immer der Fall. Diese Trainings sind sicher wichtig für die Zukunft. Mit der Erfahrung, die ich in den letzten Jahren gesammelt habe, kann ich Schritt für Schritt weitermachen und muss mich nicht stressen.

… OB SIE VOR DEM ERSTEN MEDIENTERMIN NACH LANGER ZEIT NERVÖS WAR:

Ich bin viele Jahre im Zirkus dabei  und weiß, wie es läuft. In dieser Hinsicht habe ich auch schon viel Erfahrung gesammelt. Es ist nicht das, was ich am liebsten mache. Am liebsten stehe ich nämlich auf der Piste und fahre. Ein bisschen Nervosität ist normal und gehört dazu.

… ÜBER DIE KONKURRENZ UM DEN GESAMTWELTCUP:

Ich denke, dass Lara Gut nicht die einzige Konkurrentin sein wird. Im Damen-Skisport ist die Dichte sehr hoch. Man hat letzte Saison im Riesentorlauf gesehen, dass es bis Jänner in jedem Rennen eine andere Siegerin gab. Der Riesenslalom ist die Basis, wenn dort alle eng zusammen sind, gibt es automatische viele Anwärterinnen auf den Gesamtweltcup. So wird es auch in dieser Saison sein.

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