Bühne frei für Walchhofers Erben

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Bewährungsprobe für Walchhofers Erben

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Speziell für Österreichs Speed-Herren wird die erste Saisonabfahrt am Samstag (19.30 Uhr) in Lake Louise zur Stunde der Wahrheit. Aber auch zur Stunde der Bewährung.

Im Jahr eins nach Michael Walchhofer steht die nun von Klaus Kröll angeführte, verjüngte Abfahrtsmannschaft plötzlich ohne "Schutzschild" in der Auslage.

Kröll ist der einzige Läufer im Team, der bereits eine Abfahrt gewonnen hat.

Genau genommen zwei Abfahrten, wobei die jüngste mit Wengen im Vorjahr aber ein echter Klassiker-Sieg gewesen war.

Der ewige Cuche

In Wengen haben nur absolute Topfahrer gewonnen. Wie Didier Cuche.

Der 37-jährige Schweizer hat Walchhofer den Abfahrtsweltcup im letzten Rennen entrissen und ist immer noch dabei. Wie Landsmann und Olympiasieger Didier Defago (34) nach langer Verletzungspause.

Das lässt ihn kalt

Österreichs Abfahrer haben also noch Zeit zu reifen und der 31-jährige Kröll lässt sich bekanntlich ohnehin nur schwer aus der Ruhe bringen.

So auch nicht durch das erste Training im "Tiefschnee".

Hatten im Vorjahr in der Provinz Alberta arktische Temperaturen von bis zu Minus 30 Grad geherrscht, ist heuer "normales" Winterwetter inklusive Neuschnee angesagt.

Erst durch die richtige Anspannung

Mit allen Vor- und Nachteilen. "Ich mag weiche Pisten gar nicht und obwohl mir die Strecke hier sehr entgegenkommt, bin ich sie noch nie gscheit derfahren", rätselte Kröll.

Der Öblarner ist aber als "Rennsau" bekannt, legt im Rennen immer noch etwas zu.

Lake Louise ist freilich bekannt dafür, dass alleine der Wind die Ergebnisliste durcheinanderwirbeln kann.

Auch Görgl heimgeflogen

Österreichs nun im Schnitt deutlich jünger gewordene Abfahrtsmannschaft muss nicht nur seit Kitzbühel Hans Grugger, sondern beim Auftakt neben dem zurückgetretenen Walchhofer mit Mario Scheiber auch einen gerade erst wieder fit gewordenen Hoffnungsträger vorgeben.

Auch der für den sonntägigen Super-G vorgesehen Stephan Görgl ist mit Rückenproblemen heimgeflogen, damit muss die rot-weiß-rote Speed-Fraktion schon mehrere Spitzenleute vorgeben, bevor der Winter überhaupt noch so richtig begonnen hat.

Komet Romed

Erfreulich aufgezeigt haben dafür zwei Läufer, die man schon länger der Kategorie "leiser Hoffnungsträger" enteilt sehen wollte.

Vor allem Romed Baumann fiel nach seinem Wechsel in die Abfahrts-Trainingsgruppe durch Bestzeit im ersten Training positiv auf, der Tiroler bremste aber dafür sofort verbal.

"Das darf man nicht überbewerten, die Piste war sehr weich und viele haben etwas probiert."

Der "Schleicher"

Baumann kann aber etwas, was nicht viele können. Die Ski laufen lassen. "Das wird auch das Rezept für Samstag, denn allzu viel wird sich an der Piste nicht mehr verändern", war der 25-Jährige überzeugt.

Der "Schleicher" weiß um sein größtes Manko. "Bei mir hat im Training oft der letzte Funke gefehlt, im Rennen habe ich aber immer zugelegt."

Für Samstag gab es keine Ankündigungen von ihm, nur so viel: "Wenn ich das zeigen kann, was ich zur Zeit drauf habe, bin ich ganz vorne mit dabei. Ich bin jetzt richtig heiß auf das Rennen."

Der nächste Walchhofer

In Joachim Puchner sehen viele einen Walchofer-Klon. Der 24-Jährige ist ähnlich groß und schwer wie sein Salzburger Landsmann, die beiden verstehen einander zudem sehr gut.

"Mir liegt die Strecke und ich freu' mich drauf, weil wir endlich unser erstes Rennen fahren", sagte Puchner.

Der Druck wächst

Die Vorjahres-Saison hatte für Puchner gut aufgehört, schon wird er hoch gehandelt.

"Natürlich ändert sich durch zwei Podestplätze die Erwartungshaltung, aber auch der mediale Druck. Denn ab jetzt muss man die Leisungen auch ins Ziel bringen."

Er habe damit aber kein Problem. Es ist hier heuer eher wie in Europa, das taugt mir. Ein Top-Ten-Platz wäre super." Die Vergleiche mit Walchhofer sind Puchner bekannt. "Sie freuen mich auch. Aber ich bin der Joachim Puchner", sagte der Pongauer.

Schritt nach vorne gemacht

Wer sportlich die neue Führungsrolle übernimmt, ergibt sich laut ÖSV-Herrenchef Mathias Berthold ohnehin von selbst. "Die Jungen werden Gas geben."

Abfahrtschef Andreas Evers sah es wie immer gelassen.

"Das ist jetzt eine Chance für die Jungen, in Michis Fußstapfen zu treten. Wir hatten auch im Vorjahr immer wieder Leute abseits von Walchhofer auf dem Podest, und die sind sicher nicht schlechter geworden, sondern haben einen Schritt nach vorne gemacht."

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