Alle gegen Vonn am Herren-Berg in Beaver Creek

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Drei Tage nach Lake Louise geht wegen der Absage in Val d'Isere am Mittwoch (18.30 Uhr MEZ) der zweite Saison-Super-G der Damen in Beaver Creek/USA in Szene.

Größer könnte der Unterschied nicht sein. 72 Stunden nach dem Gleit-Derby in Kanada geht es für die Damen bei der Premiere auf der bisher den Herren vorbehaltenen "Raubvogelpiste" so richtig zur Sache.

Und das bei angekündigten Temperaturen von unter 20 Grad minus. US-Favoritin Lindsey Vonn steht als Lokalmatadorin unter Riesendruck.

Neid auf Männer

"Ich wollte immer schon ein Rennen in meiner Heimatstadt fahren, habe die Männer stets darum beneidet", erklärte die aktuelle Seriensiegerin und Weltcup-Führende am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Vail.

Im Lindseys Heimatort ist die Begeisterung über die aktuellen Erfolge der bekanntesten Einwohnerin riesig. Groß und Klein, Alt und Jung sollen am Mittwoch das Nachbartal stürmen, um Lindsey anzufeuern.

"Ich freu' mich darauf. Ich hoffe aber auch, dass ich mit dem ganzen Wahnsinn zurechtkomme", wusste Vonn, was auf sie zukommt.

Auf harten Kampf eingestellt

Der Abfahrts-Olympiasiegerin ist klar, dass sie trotz "Heimschläfervorteil" um ihren 46. Weltcupsieg, mit dem sie auf einer Stufe mit Renate Götschl wäre, hart kämpfen muss.

Montagabend entspannte sie deshalb - begleitet von Bruder Reed - bei einem gemeinsamen Abendessen mit Maria Höfl-Riesch und deren Mann Marcus.

Die Birds of Prey ist anspruchsvoll, forciert trotz geplanter "Entschärfungen" die technisch versierten Läuferinnen. Das freut vor allem die ÖSV-Damen.

Neuland mischt Karten neu

In erster Linie Anna Fenninger, die in Kanada nur 0,19 Sekunden hinter Vonn als Zweite ins Ziel gekommen war.

"Es schaut so aus, als ob ich die einzige war, die ihr dort die Stirn bieten konnte. Aber das war nur an diesem einen Tag so", schwächte die Salzburgern einerseits ab. Gleichzeitig gab sich die junge Kombi-Weltmeisterin keck.

"In Lake Louise kennt Lindsey jeden Zentimeter. Beaver Creek ist für alle neu, da kann sie keine Erfahrung ausspielen. Deshalb ist sie nicht mehr die Favoritin, sondern eine der Favoritinnen."

ÖSV-Damen setzen auf starke Technik

Starke Worte einer selbstbewussten jungen Dame, die immer noch ihren ersten Weltcupsieg jagt.

"Wenn's steil und technisch ist, ist das gut für uns", brachte Fenninger auch ihre Teamkolleginnen Elisabeth Görgl und Andrea Fischbacher ins Spiel. Und natürlich sich selbst.

"Im Super-G bin ich weiter als in der Abfahrt. Es wäre schon eine Genugtuung, die erste zu sein, die Lindsey schlägt."

Kein Respekt

Respekt vor der "Birds of Prey" zeigte Fenninger keinen.

Die ohnehin nur matten Erinnerung an die TV-Bilder von Hermann Maiers WM-Show 1999 sind verblasst ("Da war ich zehn Jahre alt"), seitdem war keine Zeit zuzuschauen, "weil wir selbst an diesem Wochenende immer Rennen fahren."

Auch die Konkurrenz kennt die Strecke nur vom Hörensagen. Selbst Vonn nur als 16-jährige Pistenrutscherin bei der WM 1999.

"Chicken Wing" statt "Golden Eagle"

Dass der berühmt-berüchtigte Golden-Eagle-Sprung, wo sich seinerzeit Aksel Svindal so schwer verletzt hat, umfahren werden soll, löste aber allgemeines Bedauern bei den Damen aus.

Noch dazu, wo die Umfahrung respektlos "Chicken Wing" genannt wird.

ÖSV-Damenchef Herbert Mandl war sich darüber gar nicht so sicher. "Meines Wissens sind beide Pisten präpariert", schloss der Österreicher einer Kehrtwende nicht aus.

"Schwer, steil und kurvig"

Mehr als das wünscht sich Mandl aber ohnehin, "dass wir mehr Tore im Steilhang hätten." Auch der ÖSV-Damenchef weiß, dass seine Girls auf technisch anspruchsvollen Strecken selbst eine Vonn fordern können.

"Schwer, steil und kurvig, das könnte etwas für mich sein", hoffte daher auch Andrea Fischbacher auf ihren ersten Sieg seit Olympiagold 2010.

Keine Tipps vom Bruder

Doppelweltmeisterin Elisabeth Görgl könnte dafür sorgen, dass sieben Jahre nach ihrem Bruder Stephan wieder der Name Görgl auf der Birds of Prey ganz oben aufscheint.

"Tipps habe ich aber keine von ihm bekommen. Ich schau mir den Hang einfach selbst an", sagte die Steirerin. Görgl ist überzeugt: "Lindsey hat viel Selbstvertrauen, der Weg zum Sieg führt auch hier nur über sie."

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