Vonn: "Was ich bisher geschafft habe, passt schon so"

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Siege über Siege, Rekorde über Rekorde.

Im Ski-Zirkus werden seit einigen Jahren die Geschichtsbücher neu geschrieben. Hauptverantwortlich dafür: Lindsey Vonn.

Mit dem nun 63. Weltcup-Sieg hat sich die 30-jährige US-Amerikanerin ein eigenes Denkmal gesetzt und Annemarie Moser Pröll als erfolgreichste Rennläuferin aller Zeiten beerbt.

Die Siege in der Abfahrt und im Super-G von Cortina d‘Ampezzo machten die neue Bestmarke möglich. Das soll aber noch längst nicht alles gewesen sein.

„Viel mehr, als ich mir erträumt habe“

Zwischen Tränen und Jubel bot die Gefühlswelt alles auf, was sie zu bieten hatte. Vonn fällt mit dem bisher Erreichten auch ein großer Stein vom Herzen.

„Das ist so viel mehr, als ich mir in meinem ganzen Leben erträumt hätte“, gibt die Pisten-Queen in „Sport&Talk aus dem Hangar7“ auf „ServusTV“ glaubwürdig zu verstehen.

Wie die Allrounderin offenbart, stand für sie schon als Kind ein Olympiasieg über allem anderen. Dieser erfüllte sich 2010 in Vancouver.

Zusätzlich Woche für Woche neue Rekorde zu brechen, übersteigt aber auch für Vonn die Vorstellungskraft. „Das ist einfach nur Wahnsinn.“

Moser-Pröll bleibt weiterhin Vonns Idol

Zu Ski-Legenden, die sie nun übertrumpfen konnte, schaute sie auf. Für die Ski-Beauty wird sich daran auch unter den neuen Vorzeichen nichts ändern.

„Ich habe ihnen schon als Kind zugeschaut, da war alles noch so weit weg. Für mich ist Moser-Pröll aber noch immer die Beste, daran wird sich auch nichts ändern, das bleibt.“

Die Meinung hat sich über die Jahre nicht verändert, auch wenn weitere Rekorde des rot-weiß-roten Vorbilds ebenfalls in Reichweite liegen.

Auf die 36 Abfahrts-Siege fehlen Vonn noch vier, im Gesamtweltcup hat die mittlerweile 61-Jährige mit 6:4 die Nase vorne.

Auch Verletzung konnte sie nicht stoppen

„Ich weiß nicht, ob ich noch einmal so fit werde, dass ich auch im Slalom mitfahren kann. Da sind andere viel beweglicher“, lacht Vonn bezugnehmend auf wichtige Punkte im Hinblick auf die große Kristallkugel.

Nach zwei schweren Knieverletzungen und zehn Monaten Zwangspause so schnell wieder ganz vorne mitzufahren, trauten selbst Vonn nur die wenigsten zu. Diese quälte sich jedoch zum Comeback und konnte seit ihrer Rückkehr vier der acht Rennen gewinnen.

„Das war überhaupt nicht leicht. Aber schlussendlich hat sich die harte Arbeit bezahlt gemacht“, weiß Vonn, die nun befreiter als je zuvor an den Start gehen kann.

Ständig auf die purzelnden Rekorde angesprochen zu werden, stellte auch für das Nervenkostüm der Top-Athletin eine Herausforderung dar.

Endlich nicht mehr dieselben Fragen

Nach der Absage in Bad Kleinkirchheim und Platz zehn am Freitag hatte das Warten am Sonntag dann endlich ein Ende. Der Super-G-Sieg am Montag war schlussendlich die Krönung.

„Heute habe ich mich ganz frei gefühlt und hatte richtig viel Spaß. Davor habe ich keinen Rhythmus gehabt, nur viel Druck und immer dieselben Fragen.“

Dementsprechend euphorisch wurde im Kreise der Verwandtschaft und der besten Freunde gefeiert – mit der einen oder anderen Überraschung.

Vonns Mutter flog erstmals zu einem Rennen in Europa, um ihrer Tochter zu gratulieren. Auch der Besuch von Tiger Woods kam völlig unerwartet.

Rekorde setzen Tiger Woods unter Druck

„Das war eine riesige Überraschung“, konnte die schnellste Skiläuferin der Gegenwart ihr Glück nicht fassen.

Mit Selfies wurde der Moment festgehalten, Glückwünsche gab es von allen Seiten. Vor allem Freund und Golf-Profi Woods, der sich fast unbemerkt in den Zielraum schlich, zeigte sich stolz.

Gleichzeitig wusste er jedoch, dass Vonns Rekorde seine bisherigen Leistungen in einem anderen Licht erscheinen lassen.

„Er hat gemeint, dass er jetzt auch Gas geben muss, damit er seine Rekorde bricht. Aber er ist immer motiviert, das motiviert uns beide. Deshalb ist das eine gute Beziehung.“

Die Mission ist noch nicht beendet

Schließlich setzt sich auch Vonn neue Ziele, an ein Karriereende verschwendet die ambitionierte Speed-Queen noch keinen Gedanken.

„Ich hoffe, dass ich auch weiterhin schnell fahren kann“, blickt Vonn auf die kommenden Jahre voraus, in denen sie das bisher Erreichte noch toppen will.

Mit 63 Weltcupsiegen fällt aber eine gewisse Last ab. Schließlich ist auch Vonn nach Siegen und Rekorden am Fließband bescheidener geworden. „Was ich bisher geschafft habe, ist schon gut. Das passt schon.“

Die Mission, die am 3. Dezember 2004 mit dem ersten Weltcup-Sieg in Lake Louise ihren Anfang nahm, scheint aber noch lange nicht beendet zu sein.


Alexander Karper

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