US-Team: Am Vormarsch oder schon die Nummer 1?

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„Who the fuck is Alice?“ dröhnte es zu Ehren der Siegerin aus den Lautsprechern im Zielstadion der Kandahar-Abfahrt.

Mit Alice McKennis hat der Ski-Weltcup in St. Anton ein neues Siegergesicht bekommen.

Das 23-jährige US-Girl verblüffte auf der verkürzten, aber nicht minder herausfordernden Strecke ihre Gegnerinnen.

Eigentlich eine Gleiterin

Vor allem aber sich selbst. Zwar war McKennis in ihrer Karriere schon einige Male in den Top-Ten, das erste Mal 2009, aber nie gelang ihr ein besseres Ergebnis als ein 7. Platz.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich hier gewinne, denn ich bin eigentlich mehr die Gleiterin. Deshalb ist es ziemlich cool, dass es auf einer technisch so anspruchsvollen Strecke geklappt hat“, strahlte McKennis bis über beide Ohren.

Genau wie der extra aus den USA angereiste Herr Papa. „Mein Dad kommt pro Jahr zu einem Rennen in Europa. Diesmal hat sich die weite Reise für ihn wirklich ausgezahlt“, freute sich die frischgebackene Siegerin – und mit ihr Lindsey Vonn.

"Es hat sich gut angefühlt"

Nach ihrer rund dreiwöchigen Auszeit meldete sich die amtierende „Speed-Queen“ mit einem sechsten Platz zurück.

„Es hat sich gut angefühlt, ich bin froh wieder hier zu sein“, diktierte die frisch geschiedene Vonn in die dutzenden Mikrofone und wirkte dabei trotz verpasstem Stockerl glücklich und gelöst.

„Mein Skifahren war so, wie ich mir das vorstelle. Natürlich möchte ich in der Abfahrt in jedem Rennen am Stockerl stehen. Aber aufgrund der schwierigen Umstände bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden.“

Dominate US-Damen

Zufrieden war natürlich auch US-Coach Alex Hödlmoser, der bereits den siebenten Erfolg seiner Damen in diesem Winter bejubeln durfte.

In Lake Louise gab es in den beiden Abfahrten und im Super-G Doppelsiege, mit Mikaela Shiffrin fährt das größte Ski-Talent der letzten Jahre unter amerikanischer Flagge.

Das 17-jährige „Wunderkind“ konnte in der Saison 2012/2013 bereits zwei Rennen für sich entscheiden.

Wer ist die Nummer 1?

Rechnet man die fünf Herren-Erfolge dazu, hält das US-Team bei insgesamt 12 Siegen in dieser Saison.

Zum Vergleich: Österreich hat bislang sechs Rennen gewonnen. Laufen uns die USA also den Rang als Ski-Nation Nummer 1 ab? Oder ist das vielleicht schon längst passiert?

„Wir haben in den letzten Jahren sehr gut gearbeitet, vor allem im Speed-Bereich haben sehr viele Dinge funktioniert. Wenn du so starke Läuferinnen wie Lindsey oder Julia Mancuso im Team hast, ist das natürlich kein Nachteil", so Hödlmoser.

"Noch härter arbeiten"

Im Schatten der beiden US-Stars konnten Läuferinnen wie McKennis, Laurenne Ross oder Stacey Cook lernen und Erfahrungen sammeln.

„Du wirst nur besser, wenn du dich mit den Besten messen kannst. Schlägst du eine Lindsey Vonn im Training, weißt du, dass du auch im Rennen schnell sein kannst. Das ist sicher ein Schlüssel für unsere Erfolge“, erklärt der Salzburger in Diensten des US-Verbandes.

St. Anton-Siegerin McKennis sieht es ähnlich. „Jede von uns möchte die Schnellste sein, das pusht uns und macht uns zu besseren Skifahrerinnen. Mit einer Lindsey Vonn im Team liegt die Latte natürlich hoch, aber es zugleich eine gute Motivation, um noch härter zu arbeiten“, ist McKennis froh, dass die erfolgreichste Skifahrerin der Gegenwart nach ihrer dreiwöchigen Auszeit wieder zurück im Weltcup ist.

Vonn wiederum freut sich, dass sie „Teil dieser tollen Girl-Group“ sein kann. „Der Erfolg, den wir diese Saison haben, ist einfach unglaublich!"

Und so bangte, hoffte und jubelte sie, der Superstar, mit McKennis, dem No-Name, im Zielraum, während sich die meisten Menschen in St. Anton noch fragten: „Who the fuck is Alice?“

 

Stephan Schwabl

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