Millers erste Tat als "Funktionär": Trainings-Absage

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Trotz prächtigstem Winterwetter hat die Weltcup-Woche der Herren in Beaver Creek am Dienstag mit einer Absage begonnen.

Der erste Trainingslauf wurde zunächst verschoben und dann auf Geheiß von Athletenvertreter Bode Miller hin gestrichen, weil einige Wellen im Steilhang auf der heuer besonders schnellen Strecke zu gefährlich gewesen wären.

Das erste Training für die am Freitag angesetzte Abfahrt auf der berühmten Raubvogelpiste soll nun am Mittwoch (19.00 MEZ) über die Bühne gehen.

Österreichs Team protestierte

Das Problem war schon ganz in der früh bei der Jury-Besichtigung offenkundig geworden, deshalb hatte Österreichs Team - als einziges - auch sofort protestiert.

Später rutschten dann auch die Rennfahrer durch die Strecke.

"Bode hat uns dabei um die Meinung gefragt und wir haben ihn voll unterstützt. Ich finde es gut, dass wir jetzt von den Athleten ein Backup bekommen", begrüßte auch Österreichs Herrenchef Mathias Berthold die Absage.

Niemand braucht drei Trainings

Denn in Österreichs Speedfraktion sind viele junge Fahrer und die Routiniers, auch aus den anderen Nationen, brauchen ohnehin keine drei Trainings.

"Einige von den Jungen haben bei der Besichtigung die Farbe gewechselt gehabt", berichtete Berthold schmunzelnd.

"Jetzt werden die Wellen mit Maschinen abgeschliffen und am Mittwoch kann auf sicherlich optimaler Piste erstmals trainiert werden."

Machtdemonstration der Rennläufer

Die Entscheidung ist insoferne bemerkenswert, als sie eine erste Machtdemonstration der Rennläufer war, die heuer erstmals auch einen direkten Vertreter für die Jury benennen können.

Österreichs Protest alleine wäre vermutlich zu wenig gewesen. Ist sich die Mehrheit der Top-15-Athleten hingegen über eine Maßnahme einig, muss diese nun auch verbindlich umgesetzt werden.

Streckenbauer Bernhard Russi (SUI) hätte zwar trotzdem Möglichkeiten gesehen, zumindest Teile der Strecke rennmäßig zu trainieren, konnte mit der Absage aber leben.

Er hoffe nur, dass hier kein Exempel durch die Läufer statuiert worden sei. "Denn wir brauchen keine Exempel, sondern Lösungen", so Russi.

"Wellen waren extrem ausgeprägt und gefährlich"

Österreichs Teamführung war Dienstagfrüh bei der Jurybesichtigung von den Umständen überrascht geworden. "Leider konnten wir wegen der Flugverspätung aus Calgary nicht schon am Montag auf die Strecke", erklärte Berthold.

"Die Wellen waren extrem ausgeprägt und gefährlich. Es war unfahrbar. Schade, denn die Strecke ist sehr gut, aber eben auch sehr schnell, das hat die Situation verschärft."

Die rot-weiß-rote Teamführung hatte deshalb sogar überlegt, nicht zum Training anzutreten. "Unsere wären mit den Startnummern eins (Joachim Puchner, Anm.), zwei (Georg Sreitberger) und vier (Hannes Reichelt) Testläufer gewesen, das wäre indiskutabel gewesen", erklärte Berthold.

"Wir hätten daher ohnehin für eine Traningsabsage plädiert. Es ist aber natürlich gut, wenn auch die Athleten zusammenstehen. Da hat man mehr Durchsetzungsvermögen."

"Mann soll die Kirche im Dorf lassen"

Benjamin Raich wird am Mittwoch am Training teilnehmen, um sich auf den Super-G vorzubereiten. Die Abfahrt wird der Tiroler nicht bestreiten. Österreichs junge Abfahrer werden auf der anspruchsvollen Birds of Prey nicht in eine Qualifikation gehetzt, über die Startplätze entscheiden die Trainer.

Matthias Mayer und Co. hatten zuletzt in Lake Louise stark aufgezeigt, viele trauen ihnen auch auf der supersteilen Raubvogelpiste in Beaver Ähnliches zu. Berthold bremste aber sofort.

"Sie haben in Kanada ihre Möglichkeiten optimal genutzt. Aber man soll die Kirche im Dorf lassen, hier ist es ungleich schwieriger. Sie sollen sich einmal im Training herantasten und schauen, dass sie im Rennen dann Weltcuppunkte sammeln."

Albrecht von Miller angetan

Miller war seiner Aufgabe als erster Athletenvertreter in der Renn-Jury sehr engagiert nachgegangen und hatte sich schon sehr früh am Morgen auf dem Rennhang eingefunden.

Athleten-Sprecher Kilian Albrecht, der den US-Olympiasieger persönlich vorgeschlagen hatte, war vom Engagement Millers angetan. "Super, wenn das gleich so gut geklappt hat", sagte der Vorarlberger.

Der Vorschlag, einen Top-15-Athleten für den direkten Kontakt zur Jury benennen zu können, war erst am 7. November vom FIS-Vorstand bei der Herbstsitzung in Schladming befürwortet worden.

Künftig soll auch ein - noch aktiver - Athletenvertreter einen Platz im Alpinkomitee der FIS erhalten. Darüber ist aber offenbar noch nicht entschieden worden.

Kröll bedauert die Absage

Auch die österreichischen Top-15-Läufer begrüßten die neue Vorgangsweise auf dem Rennhang, fühlten sich am Dienstag in Beaver Creek aber etwas übergangen.

"Mich hat keiner gefragt, ich war in die Entscheidung nicht eingebunden", bemängelte etwa Österreichs Top-Abfahrer Klaus Kröll.

Der Steirer bedauerte die Absage eher, "denn die Bedingungen auf der Birds of Prey waren noch nie so gut wie heuer." Laut Kröll hätte man den jungen Fahrern auch sagen können, "dass sie an der gefährlichen Stelle etwas zurücknehmen sollen."

 Auch an Krölls Teamkollegen Georg Streitberger war die Entscheidungsfindung vorbeigegangen. Der Salzburger fand sie aber in Ordnung, nachdem Miller ohnehin Österreichs Herrenchef Berthold kontaktiert hatte.

"Prinzipiell ist es gut, dass es das jetzt gibt. Denn wir sind es, die hier runterfahren, also sollten wir auch mitentscheiden können. Nur wie das heute gelaufen ist, das war etwas eigenartig."

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