"Abfahrt darf kein RTL werden!"

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Streitberger: Am Weg zurück zu alter Stärke

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Ganz recht war Georg Streitberger die Absage des ersten Trainings in Beaver Creek nicht.

Vor allem die Art und Weise stieß dem Salzburger leicht säuerlich auf.

Denn erstmals hatten die Rennläufer das von der FIS eingeräumte Mitspracherecht – und Athleten-Vertreter Bode Miller brachte bei Renndirektor Günter Hujara seine Bedenken wegen gefährlicher Wellen im Steilhang vor.

Die Jury entschied dann trotz nahezu perfekter Bedingungen auf Absage.

Mehrheit soll entscheiden

„Prinzipiell ist es gut, dass wir mitreden können, weil wir es ja auch, sind die hier runterfahren."

"Aber wie das gelaufen ist, war doch etwas eigenartig“, ärgerte sich Streitberger, um dann aber doch nachzuschicken: „Vielleicht sind jetzt mehr gesund herunten, als wenn es ein Training gegeben hätte."

"In Zukunft sollte jedoch die Mehrheit abstimmen und nicht einer oder zwei“, wünscht sich der Vorjahres-Sieger im Super-G, der in Lake Louise erfolgreich in den Weltcup zurückgekehrt ist.

"Ich merke nichts mehr"

Rund zehn Monate nach seinem schweren Sturz in Chamonix, bei dem er sich einen Bruch des äußeren Schienbeinkopfes im linken Knie zugezogen hat, raste „Streiti“ in der Abfahrt als Zehnter gleich wieder in die Top-Ten.

Im Super-G lief es weniger gut, denn der 30-Jährige verpasste ein Tor und schied aus. Trotzdem war das erste Speed-Weekend der Saison eine Bestätigung für Georg Streitberger.

„Ich bin beschwerde- und schmerzfrei, was für einen Abfahrer nicht selbstverständlich ist. Die Verletzung ist super ausgeheilt, ich merke nichts.“

Große Ziele nach dem Comeback

Auch vom Kopf her ist er längst wieder bereits bis ans Limit und noch weiter zu gehen.

„Am Anfang musste ich den Sturz noch ausblenden, aber heute denke ich gar nicht mehr daran und konzentriere mich auf die Sachen, die ich vor Chamonix gemacht habe.“

Und da machte er viele Sachen richtig: Erster in Beaver Creek, Zweiter in Kitzbühel – bis zu seinem Sturz führte der Saalbacher die Super-G-Wertung an, lag auf Kristall-Kurs.

„Wenn ich dort weitermachen kann, wo ich letztes Jahr aufgehört habe, ist die Kugel sicher möglich“, hat sich Streitberger nach dem Comeback bereits wieder große Ziele gesteckt.

In der Abfahrt will er sich in der Weltspitze etablieren, sich weiter steigern und konstant vorne mitfahren. „Ich war schon im letzten Winter knapp dran, Material, Form und Ergebnisse haben gepasst, aber dann ist mir die Verletzung dazwischen gekommen.“

"Abfahrten müssen funktionieren"

Vorwürfe in irgendeine Richtung gab und gibt es vom Salzburger nicht, aber er wünscht sich für die Zukunft einige Adaptionen.

„Die Kurssetzung sollte so sein, dass man normal runterfahren kann. Das heißt nicht, dass man aus der Abfahrt einen Riesentorlauf macht, sondern dass Geschwindigkeit und Sprünge funktionieren.“

Streitberger hat dafür auch gleich ein Beispiel parat: „Wenn einer mit 5 km/h mehr zu einem Sprung kommt, darf er trotzdem nicht im Flachen landen. Und die Sprünge dürfen nicht zu hoch werden, weil wozu das führt, hat man beim Hans (Grugger, Anm.) gesehen.“

Verständnis für Gruggers Wunsch

Dass der in Kitzbühel so schwer gestürzte Teamkollege bereits wieder auf Skiern steht („Er lässt es schon wieder ganz schön laufen!“) und mehr denn je vom Comeback träumt, findet Georg Streitberger „unglaublich“.

Und er, der gerade selbst nach seiner ersten schweren Verletzung zurückgekehrt ist, versteht Gruggers Wunsch nach einer Rückkehr auf die Bretter, die ihm die Welt bedeuten.

„Wenn er sich gut fühlt und es ihm taugt, vielleicht greift er wieder an.“

Stephan Schwabl

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