Wundertüte war gestern

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Kirchgasser: "Ich habe nichts zu verlieren"

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216 Tage hat der Ski-Weltcup der Damen pausiert.

Nach rund sieben Monaten Absenz kehren die Ski-Stars zurück auf die internationale Bildfläche und starten mit dem Riesentorlauf in Sölden (Samstag, LIVE ab 9:30 Uhr im LAOLA1-Ticker) in die neue Saison.

Zeit genug, um sich mental darauf einzustellen, dass es wieder losgeht, sollte man meinen. Bei Michaela Kirchgasser verhielt sich das etwas anders.

„Es geht jetzt alles relativ schnell“, erklärte sie kürzlich im Gespräch mit LAOLA1 und räumte ein, im Vergleich zur Konkurrenz nur wenige Schneetage in den Beinen zu haben. Sie habe erst spät mit dem Skifahren begonnen, erläuterte sie, ohne jedoch hektisch zu werden.

Normalerweise beschleiche einen Athleten das Gefühl „Endlich ist das Trainieren vorbei und die Rennen gehen los“. Die Gefühlslage der Salzburgerin war allerdings: „Ich habe gerade mit dem Trainieren begonnen und jetzt geht’s schon los."

Kein Stress bei "Kirchi"

„Ich mache mir aber keinen Stress. Ich freue mich, dass es losgeht und nutze jeden Trainingstag“, halten sich ihre Sorgen in Grenzen. „Mir fehlen zwar ein paar Tage, aber das heißt nicht, dass es eine schlechte Saison wird.“

Die Gewinnerin von drei Weltcuprennen hat das Training über den Sommer umgestellt und verzichtete beispielsweise auf eine Übersee-Reise. Spontanität lautete ihr Zauberwort: „Es waren viele Überraschungen dabei."

Aufgrund ihrer Weltcup-Leistungen in der vergangenen Saison zählt sie beim Saisonstart nicht zwingend zu den großen Favoritinnen, daher stellt sie klar: „Ich habe nichts zu verlieren!“ Ob dem auch wirklich so ist?

Umbruch bei den ÖSV Ski-Ladies

Es gibt zumindest Zweifel an "Kirchis" Theorie. Die 30-Jährige zählt längst zu den Routiniers im ÖSV-Damen-Team, erst recht nach den zahlreichen Rücktritten der jüngeren Vergangenheit (Marlies Schild, Alexandra Daum, Regina Sterz, Andrea Fischbacher, Nicole Hosp, Kathrin Zettel).

Insofern fungiert sie damit noch mehr als Vorreiterin für die Jungen. „Wenn sie mich fragen, gebe ich gerne Tipps“, meinte Kirchgasser, die aber auch klipp und klar sagte: „Ich stelle mich nicht hin und sage: Mädels, ihr müsst das so und so machen!“

Fenninger mehr als eine Kollegin

Zudem verliert Kirchgasser mit der schwer verletzten Anna Fenninger eine ihrer engsten Vertrauten im Team.

„Es ist sicher ein besonderer Fall, weil es nicht nur eine Kollegin, sondern eine Freundin ist“, so die 30-Jährige.

Die Tatsache, dass sie neben Eva-Maria Brem nun die einzige gestandene RTL-Fahrerin im ÖSV ist, will sie ausblenden: „Ich weiß nicht, ob sich meine Rolle dadurch wirklich verändert. Ich muss mich auf mich konzentrieren und meinen Weg gehen."

Durch den Ausfall ihrer Freundin gerät sie nun aber unweigerlich doch unter Druck. Sie muss die Fahne der Ski-Nation hochhalten. „Der wird sicher höher. Vielleicht ist das auch eine gewisse Motivation, es kann sein, dass sich der Druck positiv auswirkt“, hofft sie.

„Es war ein ziemlicher Schock“

Die Nachricht von Fenningers Verletzung traf sie wie ein Blitz: „Es war ein ziemlicher Schock. Aber die Show muss weitergehen, wir müssen das ausblenden können.“

So wie es auch mit dem dezimierten Team weitergehen muss. Sorgen macht sie sich keine großen, denn aus ihrer Sicht ist das ÖSV-Damen-Team noch immer stark aufgestellt und zudem mit einigen Toptalenten bestückt. „Wir haben sehr viele gute Junge. Jeder braucht natürlich Zeit, um sich zu akklimatisieren, es gibt jetzt aber auch viele Chancen, die es zu nutzen gilt.“

Den Stars von morgen müsse man allerdings auch Wellentäler zugestehen, viel hänge davon ab, wie sie mit dem Druck umgehen. „Für die Öffentlichkeit und auch für uns als Team wird es sicher interessant.“

Umso schöner, dass es nach 216 Tagen Pause endlich wieder losgeht.


Christoph Nister

So kam sie beispielsweise morgens vollbepackt mit ihren Sachen zum Training, ohne zu wissen, was sie erwartete. „Erst dann wurde mir gesagt, was ich zu tun habe. Ich musste mich dadurch immer auf neue Situationen einstellen, was interessant und für mich auch wichtig war.“

Konkret bedeutet das, dass Kirchgasser zwar nur selten die Latten anschnallte, jedoch keinesfalls untätig war. Mit den neuen Reizen will sie ihr Image als „Wundertüte“ ablegen. „Das war ein Hauptgrund, warum ich eine Veränderung wollte und brauchte“, bestätigte die Filzmooserin.

Sie machte sich bewusst, dass „nur eine Kleinigkeit“ fehlte, um endlich wieder ganz oben auf dem Stockerl (letzter Sieg 2012, Anm.) zu stehen. „Ich hoffe, sie gefunden zu haben, damit es in dieser Saison keine Hackler mehr gibt.“

Keine großen Experimente

Wenngleich ein Großereignis im Kalender vergeblich gesucht wird und der Winter 2015/16 als Übergangssaison gilt, hält sie nichts von allzu großen Experimenten.

Die dreifache Team-Weltmeisterin würde sich nur allzu gerne einen Traum erfüllen und die Saison mit Kristall beenden. „Eine Kugel war schon immer ein großes Ziel von mir. Das zu planen, funktioniert aber nicht, dafür muss jedes Rennen passen.“

Wie bisher legt sie das Augenmerk auf die technischen Disziplinen, neben Slalom und Riesentorlauf will sie auch die Alpine Kombination bestreiten. In jener Disziplin gelang ihr bei der Ski-Weltmeisterschaft in Vail/Beaver Creek der Sprung aufs Stockerl, sie gewann die Bronzemedaille.

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