"Slalom-Queen" Marlies Schild beendet ihre Karriere

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Die Zeichen verdichteten sich zuletzt bereits, nun ist es Gewissheit: Marlies Schild zieht einen Schlussstrich und beendet ihre Karriere.

"Ich habe mir gründlich Zeit genommen darüber nachzudenken, wie die Zukunft ausschauen wird und über die Vergangenheit, was ich geleistet habe. Es war eine sehr schöne, intensive Zeit", erklärte Schild.

Sie erinnerte an ihre schweren Verletzungen und das Bestreben, wieder in die Weltspitze zurückzukehren. Nun hätten sich die Prioritäten in ihrem Leben verändert.

"Es gibt Pläne und Wünsche. Der größte ist, eine Familie zu gründen", meinte Schild. Sie freue sich jedenfalls auf eine nun ruhigere Zeit.

ÖSV-Sportdirektor Hans Pum dankte einer "außergewöhnlichen" Sportlerin "für viele unglaubliche Momente".

ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel bezeichnete Schild als die größte Slalomathletin im Skisport: "Sie hat für Österreich viele Siege geholt, viel mehr geht nicht. Schade, dass sie aufhört. Ich wünsche ihr alles Gute für die Zukunft."

Mit Schild tritt eine der erfolgreichsten Alpinski-Rennfahrerinnen aller Zeiten von der Bühne ab.

Ein Rekord, der lange bleiben wird

Die Salzburgerin (33), die als Allrounderin begonnen hat und verletzungsbedingt zur Slalomspezialistin geworden ist, tritt als "ewige Königin" dieser Disziplin zurück.

Von 37 Weltcupsiegen hat die elffache Medaillengewinnerin 35 im Slalom gefeiert und geht damit als Nummer 1 in Ski-Pension.

Schild wird dies sehr lange wohl auch bleiben. Von den aktiven Slalom-Läuferinnen hat mit der allerdings erst 19-jährigen US-Weltmeisterin Mikaela Shiffrin die Beste erst neun Siege im Weltcup eingefahren.

Schild, die alle ihre Erfolge auf der Skimarke Atomic einfuhr, liegt auch in anderen Bestenlisten zumeist in den Top-Ten.

Mehrere Knieoperationen

In der von Annemarie Moser-Pröll mit 62 Siegen angeführten Allzeit-Liste der Damen ist sie Sechste, mehr Siege in einer Disziplin haben nur der Schwede Ingemar Stenmark im Riesentorlauf (46) und Slalom (40) sowie Moser-Pröll in der Abfahrt (36).

Schild ist also eine der erfolgreichsten Skirennläuferinnen aller Zeiten. Und das, obwohl ihre Laufbahn wegen zumindest sechs Knieoperationen mehrmals unterbrochen war und am 9. Oktober 2008 nach einem Trainingsunfall in Sölden fast überhaupt zu Ende gegangen wäre.

Nach einem Trümmerbruch und einer Fraktur des Schienbeinkopfes im linken Unterschenkel verlor sie eine ganze Saison.

Kraft gab ihr beim Kampf zurück ihr ebenfalls im Skisport sehr erfolgreicher Lebensgefährte Benjamin Raich, mit dem die Salzburgerin seit zehn Jahren liiert ist und auch das Lieblingshobby Klettern teilt. Mit dem Tiroler hat sie sich im Pitztal längst auch ein gemeinsames Zuhause geschaffen.

Debüt im Dezember 2001

Die am 31. Mai 1981 in Admont in der Steiermark geborene Schild hat die Leidenschaft zum Sport von den Skilehrer-Eltern mitbekommen.

Auch Bruder Josef fuhr Skirennen, die neun Jahre jüngere Schwester Bernadette wurde 2008 Junioren-Weltmeisterin und gilt als aktuell größte ÖSV-Hoffnung im Slalom.

Als Vierzehnjährige stellte Vater Josef in Stefan Bürgler seiner älteren Tochter einen Privattrainer zur Seite, weil diese aufgrund ihrer damals schon vielen Verletzungen "in kein Schema mehr passte". Der langjährige Vertrauenstrainer begleitete Marlies zurück an die Weltspitze.

Nach dem Weltcup-Debüt im Dezember 2001 feierte Schild ihren ersten Slalom-Weltcupsieg - bereits als aktuelle Vize-Weltmeisterin - auch deshalb "erst" mit fast 23 Jahren am 13. März 2004 in Sestriere, weil sie schon als 19-Jährige auf fünf Knie-Operationen bzw. Kreuzbandrisse zurückblickte. Dennoch fuhr die einstige Stams-Schülerin in der Folge im Weltcup zeitweise alle Disziplinen.

Ein Allround-Talent

Eine Kristallkugel in der Super-Kombination, Weltcup-Siege in Riesentorlauf und Super-Kombination (je 1) sowie Podestplätze in Abfahrt und Super-G (je 2) unterstrichen ihr skifahrerisches Allround-Talent.

Der Traum vom Gesamtsieg ging sich aber ebenso knapp nicht aus wie Gold bei Olympia, wo Schild dafür aber in Turin 2006 (Kombi), Vancouver 2010 und Sotschi 2014 (jeweils Slalom) insgesamt drei Mal Silber holte.

In der Saison 2006/07 gewann sie insgesamt acht Weltcuprennen, davon sieben von neun Slaloms, und führte bis zwei Rennen vor Schluss, ehe ihr Teamkollegin Nicole Hosp in einem dramatischen Finale noch die große Kristallkugel wegschnappte.

Allen Rückschlägen zum Trotz

Dafür wurde Schild im Slalom immer stärker. Im Folgewinter wurde sie mit fünf zum Teil überlegenen Siegen zum zweiten Mal Slalom-Weltcupsiegerin, ehe die schwere Trainingsverletzung von Sölden alles auf den Kopf stellte.

Ein Jahr später kam sie zurück und fuhr im Slalom bald stärker denn je. Speed-Disziplinen ließ sie ab da aber ebenso links liegen wie den Riesentorlauf in Sölden.

Was folgte, waren die wahrscheinlich stärksten Jahre der Marlies Schild. "Carpe Diem", also "Nutze den Tag" lautete ihr Leitspruch, dennoch hatte sie oft mehr ihrem eigenen Ehrgeiz als mit den Gegnerinnen zu kämpfen.

Rekord-Sieg in Lienz

Ihren bis dahin 18 Slalom-Triumphen ließ die Saalfeldenerin 17 weitere, den Weltmeistertitel 2011 sowie noch zwei Slalom-Weltcupkugeln folgen. Wegen einer neuerlichen Knie-Verletzung verpasste sie ausgerechnet im Winter 2012/13 mit der Heim-WM in Schladming aber erneut fast eine ganze Saison.

Noch einmal raffte Schild sich auf. Aus gutem Grund. In ihrer letzten Saison landete die Läuferin des SC Dienten am Hochkönig zwar "nur" noch zwei weitere Slalomsiegen, schrieb damit aber Geschichte.

Mit Sieg Nummer 34 egalisierte sie in Courchevel den Allzeit-Rekord der Schweizerin Vreni Schneider, mit dem 35. am 29. Dezember 2013 in Lienz machte sie sich zur ewigen Nummer eins. Fast zwei Jahre lang hatte sie den Rekord gejagt.

Elf Olympia- und WM-Medaillen

Schild tritt nun mit insgesamt 37 Weltcuperfolgen (35 Slalom, 1 Riesentorlauf, 1 Kombination) und fünf kleinen Kristallkugeln ab.

Sie eroberte elf Medaillen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften von 2003 bis 2014, darunter WM-Gold im Slalom 2011 in Garmisch-Partenkirchen.

In 212 Weltcuprennen hat sie 68 Podestplätze erobert, davon 56 im Slalom, 5 in der Kombi, 3 im Riesentorlauf sowie jeweils 2 in Abfahrt und Super-G.

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