Aus dem Schatten der Schwester ins Rampenlicht

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Eine Schild kommt selten allein. Rund 40 Fans waren aus Saalfelden angereist, um Bernadette Schild beim Nacht-Slalom in Flachau lautstark zu unterstützen.

Ein Teil der Anhänger drückt normalerweise Marlies die Daumen. Weil die aber zur Zeit nicht mitfahren kann, macht man eben Stimmung für die kleine Schwester.

Dass sie nach Platz sechs und also dem besten Weltcup-Ergebnis in der Karriere der seit wenigen Tagen 23-Jährigen auch noch jede Menge Grund zum Jubeln hatten, war Draufgabe an einem für Schild „fast perfekten Tag“.

"Musste mich einbremsen"

Nach einem total befreiten ersten Lauf („Das war kein Zufall!“), bei dem sich die Technikerin wie an ihren besten Trainingstagen fühlte, wollte sie im Finale fast zu viel.

„Ich habe mich von der tollen Stimmung anstecken lassen, wollte noch einmal alles geben. Leider hatte ich oben ein paar kleine Fehler, deshalb musste ich mich einbremsen.“

Mit Platz sechs verhinderte Schild das totale ÖSV-Debakel auf der Hermann-Maier-Piste.

Erstmals schnell in Flachau

Dass sie zum zweiten Mal in Folge beste Österreicherin in einem Slalom ist, findet sie selbst „verrückt“.

Vor allem da sie mit dem Hang in der Vergangenheit ihre liebe Müh und Not hatte.

„Aufgrund meiner Vorgeschichte hier wäre es vor dem Rennen schon ein Erfolg gewesen, wenn ich mich für den zweiten Durchgang qualifiziere“, lacht Bernadette Schild im Gespräch mit LAOLA1.

Der Aufwärtstrend hält an

Während die Teamkolleginnen nach dem Rennen seelische Wunden leckten, füht sich die passionierte Surferin auf der Erfolgswelle sichtlich wohl.


Zagreb war eine Befreiung, jetzt geht alles viel leichter. Aber hier in Flachau bin ich noch einmal besser gefahren“, freut sich die Salzburgerin über die Fortsetzung des Aufwärtstrends.

Wenngleich sie immer noch Luft nach oben sieht. „Ich befinde mich nach wie vor im Formaufbau. Sollte ich bei der WM fahren dürfen, bin ich dann hoffentlich im Super-Hoch“, lacht der sympathische Lockenkopf.

"Keiner feiert gerne alleine"

Ihr Ticket für Schladming hat die 23-Jährige in der Tasche, ihr Dank gilt den vielen Helfern, die sie am Weg in die Weltspitze unterstützt haben.

„Es sind sehr viele Leute involviert, Trainer, Betreuer, Serviceleute, sie alle geben mir den Rückhalt und die Sicherheit, die ich brauche.“

„Gemeinsam haben wir jetzt Erfolg, und der ist ja bekanntlich am schönsten, wenn man ihn teilen kann“, feiert Bernadette Schild nicht gerne alleine.

Der nächste "Nuller"

Nichts zu feiern in Flachau hatte Carmen Thalmann. Die Kärntnerin war nach der 13. Laufzeit im ersten Durchgang im Finale gut unterwegs, lag auf Kurs Bestzeit.

Aber dann carvte sie zu knapp an die Kippstange – Ausfall!

„Da geht es nur um ein paar Millimeter! Jetzt steht wieder ein Nuller, das ist in meiner Situation ganz schlecht“, hätte Thalmann ihre Fahrkarte nach Schladming lösen können.

„Es bringt mir nichts, dass es sich gut angefühlt hat und ich weiß, dass ich schnell bin. Das sind die anderen auch, ich muss es endlich runterbringen.“

"Stehe mit leeren Händen da"

Noch am Pistenrand gab es Trost von Damen-Chef Herbert Mandl.

„Er hat gesagt, dass es gut ausgeschaut hat. Was man halt so sagt, wenn eine Läuferin nicht so happy ist“, wollte die 23-Jährige keine aufbauenden Worte sondern lieber „ein bisserl spinnen“.

In Marburg geht es für sie um Alles, muss endlich ein gutes Ergebnis her – und das weiß sie auch: „Im Moment stehe ich mit leeren Händen da, aber ich werde noch einmal alles riskieren.“

 

Stephan Schwabl

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