Nicole Hosp verkündet das Ende ihrer Karriere

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Nicole Hosp war so etwas wie ein "Stehaufweibchen" im ÖSV-Team.

Mehrmals haben schwere Verletzungen die Karriere der Tirolerin unterbrochen, trotzdem hat es Hosp in fast 14 Weltcup-Jahren auf zwölf Medaillen und ebenso viele Weltcupsiege sowie den Gewinn der großen Kristallkugel (2007) gebracht. Das einzige, das Hosp (31) entgangen ist, war ein Abfahrts-Sieg.

Diesem letzten großen Ziel, der sie in den erlauchten Kreis der Fahrerinnen mit Siegen in allen Disziplinen gebracht hätte, kam Hosp kurz vor dem Ende ihrer Karriere am nächsten.

Mit Platz drei beim Finale in Meribel holte sie im drittletzten ihrer 287 Weltcup-Rennen zwar erstmals einen Podestplatz in der schnellsten Alpin-Disziplin, auf Siegerin Lindsey Vonn fehlten ihr aber drei Zehntel Sekunden.

Das einzige Manko

Ein verschmerzbares "Manko", denn die am 6. November 1983 in Ehenbichl geborene Hosp blickt auf eine mehr als erfolgreiche Karriere zurück. Fulminant war vor allem der Start.

Im Jänner 2001 gab sie mit 17 Jahren im Garmisch-Slalom ihr Weltcup-Debüt, als 18-Jährige war sie im Oktober 2002 als "Nobody" sensationell Teil des historischen, weil ersten "Triplesieges" im Riesentorlauf in Sölden, wo sie sich mit Startnummer 36 nach Laufbestzeit im Finale den Sieg mit Tina Maze (SLO) und der Norwegerin Andrine Flemmen teilte.

Fast 14 Jahre später blickt Hosp auf gleich sieben WM- aber mit Turin 2006 und Sotschi 2014 lediglich zwei Olympia-Teilnahmen zurück, weil sie 2010 in Vancouver verletzt war.

Zwölf Medaillen (3 Olympia, 9 bei WM, davon drei in Teambewerben) und zwölf Weltcupsiege in RTL (5), Slalom (5), Super-G (1) und Super-Kombi (1) lautet trotz einiger längerer Verletzungspausen die beeindruckende Gesamtbilanz.

Die vielen Rückschläge

Schon früh war das einen riskanten Fahrstil pflegende Supertalent aus Bichlbach allerdings auch von Verletzungen begleitet. Die Saison 2003/2004 etwa musste Hosp vorzeitig beenden, weil sie sich beim Joggen eine Knöchelverletzung zugezogen hatte.

Das erste Comeback verlief zäh. Hosp nahm zudem Abfahrt und Super-G mit ins Programm und avancierte zur Allrounderin. Erst 2006 stellten sich aber die nächsten Siege ein.

Dann kam allerdings die Saison bzw. das insgesamt beste Jahr in der Karriere der Nicole Hosp.

Gleich fünf Siege gelangen der meist von Vater Hans Hosp sowie dem Fanclub begleiteten Tirolerin 2007 saisonübergreifend und zwei ihrer vier Triumphe im Winter 2006/07 fuhr sie beim Finale in Meribel ein, womit sie ihrer Teamkollegin Marlies Schild in einem mitreißenden Kampf noch die große Kristallkugel entriss.

Der größte Erfolg

Zusätzliche Brisanz ergab sich daraus, dass Hosp mit Schilds Servicemann Roland Schönegger liiert war.

Weil sie in diesem Winter auch Riesentorlauf-Weltmeisterin in Aare geworden war und zudem die kleine Kristallkugel für den Riesentorlauf-Weltcup gewonnen hatte, war ihr der Titel "Sportlerin des Jahres" nicht zu nehmen.

Es sollte sieben Jahre dauern, bis mit Anna Fenninger wieder eine Österreicherin den Gesamtsieg schaffte.

Denn dann begann nicht nur der Aufstieg von Lindsey Vonn. Hosp gelangen zwar 2007/2008 noch weitere Slalom-Siege in in Aspen und Maribor und Platz zwei in der Gesamtwertung.

Die Österreicherin konnte aber keinen ihrer Titel erfolgreich verteidigen und der Erfolg in Slowenien sollte der letzte für fast sieben Jahre gewesen sein.

Das große Comeback

Stürze in Aspen und Zagreb stand Hosp in der Saison 2008/09 mit Zerrungen, Bändereinrissen und einem Schienbeinkopf-Bruch zunächst noch weg, ganz dick kam es dann aber beim Saisonstart am 24. Oktober 2009 in Sölden.

Hosp stürzte an dem Ort, an dem sie ihren ersten Sieg gefeiert hatte schwer und fiel mit einem Kreuzbandriss im rechten Knie für die ganze Saison und damit auch Olympia in Vancouver aus.

Doch das "Stehaufweibchen" kehrte erneut zurück. Es folgten zwar zunächst wieder magere Jahre und als sie 2011/12 in ihrer Paradedisziplin Riesentorlauf überhaupt erstmals ohne Punkte geblieben war, reagierte sie drastisch und strich die Disziplin, in der sie ihr einziges Einzel-WM-Gold geholt hatte, aus ihrem Repertoire.

Es war eine gute Entscheidung, auch wenn die Folgen auf sich warten ließen. Vielmehr wurde Hosp schon der Rücktritt nahegelegt, sogar mangelnder Trainingseifer wurde ihr unterstellt.

Der zweite Frühling

Aber wer Hosp abschrieb, hatte sich erneut getäuscht. Mit Superkombi-Bronze bei der Heim-WM 2013 in Schladming tauchte die Tirolerin wieder auf dem Podium von Titelkämpfen auf, danach wurde sie mit dem Team sogar Weltmeisterin.

Das Finale ihrer Karriere verlief wieder höchst erfolgreich. Nach Super-G Bronze bei Olympia 2014 in Sotschi hatte sie in allen Disziplinen Medaillen gewonnen, in Aspen holte sie nach fast siebenjähriger Erfolgspause ihren zwölften Weltcupsieg.

Und bei der WM 2015 in Vail/Beaver Creek stellten sich die Medaillen elf und zwölf ein, womit sie sogar mit Annemarie Moser-Pröll gleichzog.

"Ewig werde ich nicht mehr fahren", hatte die mit Schönegger längst im gemeinsamen Haus lebende Hosp da schon angedeutet, dass ein Karriere-Ende nicht mehr allzu fern ist.

Der gelungene Abtritt

"Die Zeit für ein anderes Leben wird kommen, es geht ja auch ums Kinderkriegen", hatte sie schon im Februar 2015 einen konkreten Blick in die Zukunft gewagt.

Das große Finale kam zweieinhalb Monate nach dem Ende der Saison 2014/15, obwohl sich der so ersehnte Abfahrtssieg nicht mehr ausgegangen war.

Mit Rang drei beim Saisonfinale in Meribel fuhr Hosp in der schnellsten Disziplin aber wenigstens ein Mal auf ein Weltcup-Podest. Zweieinhalb Monate später gab sie am 1. Juni 2015 auf dem höchsten Berg Deutschlands das Ende ihrer Laufbahn bekannt.

Die Zugspitze liegt nur eine halbe Autostunde von Hosps Heimatort Bichlbach entfernt.

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