Raich: Marlies als Vorbild, Aamodt im Visier

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Zu alt. Zu langsam.

Benjamin Raich wurde längst abgeschrieben. Seine Zeit wäre vorbei, ätzten Kritiker. Schon in Adelboden, als der Tiroler Zweiter wurde, gab er auf der Piste die beste Antwort.

Nun setzte er einen drauf. Schon im ersten Super-G in Crans Montana – Raich landete auf Platz drei – zeigte er auf und sorgte für den ersten ÖSV-Saisonpodestplatz in dieser Disziplin.

Am Samstag dann der ganz große Coup: Raich gewann den zweiten Super-G und triumphierte erstmals in einer der schnellen Disziplinen.

„Ich habe sehr lange darauf hingearbeitet und viel Geduld haben müssen“, zeigte sich der „Blitz aus Pitz“ erleichtert.

Der Aamodt-Rekord wackelt

Generell legt Raich keinen allzu großen Wert auf ewige Bestmarken und Rekorde. Dabei hätte er allen Grund dazu, schließlich gehört er in diversen Statistiken zu den Besten aller Zeiten.

Ein kleiner Auszug gefällig? Nur fünf Athleten gewannen mehr Weltcup-Rennen als er, nur drei durften sich über mehr Podestplätze freuen. In puncto Top-10-Platzierungen wackelt schön langsam sogar der Allzeit-Rekord von Kjetil-Andre Aamodt.

Der Norweger kommt auf 231 Rennen, die er in den Top 10 beendete, gefolgt von Marc Girardelli (212). Nur knapp hinter dem Luxemburger rangiert Raich mit nunmehr 208 Top-10-Ergebnissen bereits an dritter Stelle.

Bedenkt man, dass der „Blitz aus Pitz“ nach der Heim-Weltmeisterschaft 2013 in Schladming auch die Olympischen Spiele 2014 in Sotschi ins Auge fasst, ist Platz eins alles andere als Utopie. Angesichts der aktuellen Hochform Raichs erst recht nicht.

 

chn

Ende einer langen Durststrecke

Verständlich, war er doch diverse Male nahe dran am Sieg, um am Ende doch knapp den Kürzeren zu ziehen. Fünf zweite Plätze standen bislang im Super-G zu Buche.

Der Erfolg in der Südwestschweiz war nicht nur der 36. in der einzigartigen Karriere Raichs, es war zugleich der erste nach einer langen Durststrecke.

806 Tage musste er warten, ehe drei Tage vor seinem 34. Geburtstag wieder die Eins aufleuchtete und Raich das oberste Stockerl besteigen durfte.

Marlies Schild als Vorbild

Diese Zeit war mit vielen Rückschlägen verbunden. Bei der Weltmeisterschaft in Garmisch-Partenkirchen riss sich der Tiroler das Kreuzband. Während viele aufgegeben hätten, kämpfte er sich zurück.

Keine Spur von Jammerei, kein Funke von Selbstmitleid. Raich blieb sich stets treu, richtete den Fokus auf seine Genesung und wurde nun mit dem Sieg belohnt. „Marlies (Schild) war das beste Vorbild für mich. Sie ist nach einer viel schwereren Verletzung wieder zurückgekommen.“

Im familien-internen Rennen um die Nummer eins legte Raich wieder vor, er führt mit 36:35 Siegen denkbar knapp vor seiner Lebensgefährtin. Große Bedeutung misst er diesem Umstand keine bei.

Anzahl - Platzierung Führender
Siege 36 - Rang 6 Stenmark - 86
Podestplätze 90 - Rang 4 Stenmark - 155
Top-5 144 - Rang 3 Stenmark - 175
Top-10 208 - Rang 3 Aamodt - 231
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