"Von unten drängt nichts nach!"

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"Die Speed-Disziplinen sind auch Erziehungssache!"

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Die WM-Aufstellung rückt näher und näher – und Damen-Chef Herbert Mandl hat nicht gerade die Qual der Wahl.

Da der ÖSV bei der Heim-Weltmeisterschaft in Schladming natürlich alle möglichen Tickets vergibt, wird es in allen Disziplinen so sein, dass rot-weiß-rote Läuferinnen an den Start gehen, die man nicht zum erweiterten Favoritenkreis zählen darf.

Mehr noch: In den Speed-Disziplinen könnte sich aufgrund der fünf Startplätze - Doppel-Weltmeisterin Elisabeth Görgl sei Dank - sogar die eine oder andere Europacup-Läuferin qualifizieren.

Überforderung ist verständlich

In Cortina fällt die (Vor-)Entscheidung in Abfahrt und Super-G.

Mandl verweist im Gespräch mit LAOLA1 darauf, dass „natürlich alles auf die Ergebnisse ankommt“, und weist darauf hin, dass eine WM „nichts für die Jungen“ ist.

Der 51-Jährige möchte die jungen Läuferinnen nicht zu früh „verheizen“, sondern Schritt für Schritt an die Weltspitze heranführen.

Denn gerade der Schritt vom Europa- in den Weltcup ist, erklärt der Niederösterreicher, ein sehr großer und bedarf eigentlich einiger Zwischenschritte.

„Die Strecken im Europacup sind leider zu einfach, da ist es klar, dass die Mädchen im Weltcup überfordert sind.“

"Die Abfahrt braucht Vertrauen"

Dass heimische Talente wie Cornelia Hütter, die in St. Anton überraschend mit der hohen Startnummer 38 in die Top-Ten fuhr, Potenzial haben, ist unbestritten, mischen sie doch auch im Europacup ganz vorne mit.

Die 20-Jährige vom SV St. Radegund ist aktuell die Nummer drei in der EC-Abfahrtswertung und – wenn sie gesund bleibt - ein Versprechen für die Zukunft.

Mandl möchte aber bewusst nichts überstürzen. „Gerade die Abfahrt bringt Aspekte mit, die sehr viel Vertrauen brauchen. Mut zum Beispiel. Das fängt schon im Jugend-Bereich an, da müsste man diese Dinge schulen, um später damit vertraut zu sein.“

Speed ist Erziehungssache

Viele Eltern können sich aber schwer bis gar nicht damit anfreunden, dass die Tochter mit mehr als 120 km/h eine Piste hinunterrast.

„Das ist in erster Linie Erziehungssache, aber viele Eltern, speziell Mütter, unterstützen das überhaupt nicht. Das Problem daran: Wenn ich mich in der Jugend von den Speed-Disziplinen distanziere, hole ich das später nur mehr ganz schwer auf.“

Kaum Abfahrts-Training möglich

Hinzu kommt, dass selbst in Österreich, wo das Skifahren nach wie vor einen unglaublich hohen Stellenwert genießt, ein Abfahrts-Training, wie es der Nachwuchs zur Vorbereitung auf den Weltcup brauchen würde, gar nicht mehr machbar ist.

„Das Terrain hätten wir, aber bei der Präparierung und beim Herstellen von rennfertigen Bedingungen wird es schon sehr schwierig.“

Erschwerend auch, dass es kaum mehr FIS-Rennen im Abfahrtsbereich gibt. „All das macht es uns nicht leichter, die jungen Athletinnen vorzubereiten.“

Slalom-Situation bedenklich

Die Qualität im österreichischen Speed-Team, gibt Herbert Mandl unumwunden zu, hat sich seit dem Abgang der „Golden Girls“ um Michaela Dorfmeister, Renate Götschl und Alexandra Meißnitzer natürlich verringert.

„Ja, es stimmt schon, von unten drängt nicht richtig etwas nach.“ Bedenklich: Im Slalom ist die aktuelle Situation noch deutlich schlechter.

„Diese Lücke gibt es und das muss uns zu denken geben. Weil im Slalom ist die Barriere eine ganz andere. Da müssen wir schauen, warum es beim Kurzschwung nicht funktioniert.“

Wechsel in eine Ski-Akademie?

Vielleicht schaut Mandl nach diesem Winter selbst auf den Nachwuchs, überlegt der langjährige Damen-Chef doch seit längerem den Trainer-Job an den Nagel zu hängen und in eine Ski-Akademie zu wechseln.

Er selbst geht auf LAOLA1-Nachfrage offen mit den Gerüchten um: „Man weiß ja, dass ich nach so vielen Jahren gerne weniger unterwegs und mehr Zeit mit meiner Familie haben möchte.“

Sein Know-how möchte er aber an den Nachwuchs weitergeben. Das Konzept ist klar: „Ohne solide Grundausbildung schafft man es nicht an die Spitze. Wir hatten Athletinnen und Athleten, die im Europacup alles gewonnen und es dann trotzdem nicht geschafft haben.“

Ein mögliches Rezept: Die Leistungserwartung nicht so hoch anzusetzen. Zumindest darin sammelt er in diesem Winter jede Menge Erfahrung.

 

Stephan Schwabl

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