Auf der Jagd nach Ted Ligety

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Auf der Jagd nach Ligety ist "Rutschen verboten"

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Nach Sölden und Beaver Creek hat Ted Ligety auch am Sonntag in Alta Badia die Konkurrenz demoliert.

Der US-Amerikaner war auf der Gran-Risa-Strecke in seiner eigenen Riesentorlauf-Welt unterwegs und stellte den Rest des Weltcup-Feldes einmal mehr bloß.

Konkurrenz bloßgestellt

Lediglich Marcel Hirscher kam annähernd in die Nähe von "Mr. Giant Slalom", der Salzburger wurde mit 2,04 Sekunden Rückstand Zweiter.

Die anderen Österreicher wirkten - wie die gesamte restliche Konkurrenz - im Vergleich mit Ligety fast wie Skischüler. Während der Head-Pilot einen sauberen, kraftvollen Schwung an den anderen reihte, rutschten und plagten sie sich mühevoll über die steile und eisige Piste.

Mit Ausnahme von Hirscher fassten die Rot-Weiß-Roten eine Packung in der Höhe von nicht wenig als fünf bis sieben Sekunden aus.

Erster Durchgang wie aus dem Bilderbuch

"Über Weihnachten müssen wir in die Skischule", stellte Philipp Schörghofer, der mit Knieproblemen ausschied, trocken fest.

"Alle sind gefragt, Athleten, Trainer, Service. Es ist wie in der Formel 1: wir müssen hart arbeiten und tüfteln, um unseren Fahrer das optimale Training und Material zur Verfügung zu stellen", meinte ÖSV-Riesentorlauf-Trainer Andreas Puelacher.

"Der Zeitunterschied im ersten Durchgang war bizarr und auch verwirrend, für mich und für die anderen", erzählte Ligety nach einem Durchgang wie aus dem Bilderbuch.

"Hatte perfekten Grip"

Ligety wusste, woran es lag: "Ich hatte im Gegensatz zu den anderen Läufern einen perfekten Grip. So konnte ich sauber fahren. Ich habe gar nichts Verrücktes gemacht. Die Ski der anderen waren einfach nicht perfekt präpariert."

Im Finale fuhr Ligety den Sieg dann clever nach Hause. Das oberste Gebot bei der Verfolgsjagd auf Ligety heißt daher "Rutschen verboten".

"Ligety ist der einzige, der den Hang von oben bis unten ohne rutschen bewältigen kann. Alle anderen rutschen, und rutschen bedeutet Zeitverlust. Das summiert sich", meinte Hirscher.

Hirscher muss Ligetys Dominanz anerkennen

Torabstand kam Ligety entgegen

Alta Badia war ein weiterer Beweis dafür, dass Ligetys Überlegenheit mit dem Torabstand steht und fällt. Bei Abständen wie in Beaver Creek (bis zu 32 Meter) oder Alta Badia (27) ist er eine Klasse für sich.

Wenn es enger wird wie in Val d'Isere (23) wird es auch Ligety eng. "Auf solchen Kursen sind Leute wie Hirscher klar im Vorteil. Sie springen bei den Schwüngen mehr und kommen daher besser und schneller in die Falllinie. Ich habe dort zu wenig Platz für meine Schwünge."

Ein wenig kurios wirkte, dass mit Puelacher ausgerechnet ein ÖSV-Coach den ersten Lauf Ligety so auf den Leib geschneidert hat.

Mehrere Gründe für Überlegenheit

Puelachers Begründung lautete: "Ich habe einen fairen Kurs gesetzt. Wenn einer so in Form ist wie Ligety, dann kann man setzen was man will, da fängt man ihn nicht ein."

Für Puelacher hat Ligetys Überlegenheit mehrere Gründe: "Ligety hat ein riesiges Selbstvertrauen. Das Material-Paket aus Ski, Schuhe, Bindung und Platte passt perfekt. Der Ski liegt bei Ligety unglaublich ruhig, alle anderen haben Rutschphasen. Er kommt hingegen problemlos über alle Wellen und Unebenheiten drüber. Zudem ist sein Timing ideal."

Auch Schröcksnadel macht sich Gedanken

Jetzt heißt es Ärmel aufkrempeln und arbeiten. "An Ligety orientieren ist richtig, kopieren ist falsch, Jeder muss eine gewisse Individualität behalten", meinte Puelacher.

"Objektiv betrachtet ist Ligety derzeit unschlagbar. Aber ich sehe nicht schwarz, auch er ist zu biegen. Es wartet aber viel Arbeit auf den Rest der Welt."

Auch ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel macht sich angesichts der Ligety-Überlegenheit seine Gedanken. "Wenn ein Ligety zwei Sekunden Vorsprung in einem Lauf hat, ist dies zu viel. Da denkt mannatürlich darüber nach", meinte der Tiroler in einem ORF-Interview.

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