Friedenspfeife im "Ski-Krieg"

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Hirscher und Kostelic rauchen die Friedenspfeife

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Eigentlich wollte Ivica Kostelic am Montagnachmittag im kroatischen Quartier oben in der Ramsau entspannen.

Denn die Trainingseinheit nach dem Frühstück war fordernd, Vater Ante kannte keine Gnade.

Obwohl der Knöchel noch immer vom Sturz in Kitzbühel schmerzt und die beiden Rennen am Hahnenkamm-Wochenende noch in den Knochen stecken.

Nach dem Mittagessen aber kam Bewegung ins Relax-Programm. Erst schaute FIS-Renndirektor Günter Hujara bei Familie Kostelic vorbei.

Im Gepäck hatte der Hüter von Recht und Ordnung im Ski-Weltcup einen Spezial-Screen, auf dem er dem Weltcup-Führenden noch einmal die Fahrten von Hirscher und Neureuther in Zagreb zeigte.

"Gerüchte müssen ausgeräumt werden"

„Um es wirklich zu sehen, ob es korrekt war oder nicht, braucht man High-Definition und High-Resolution. Ohne die richtige Auflösung schaut es nach Einfädler aus, erst wenn man hinein zoomt und die Fahrten Sequenz für Sequenz analysiert, kann man etwas sehen“, so Hujara, der die Bilder dann auch bei der Mannschaftsführersitzung den Trainern der anderen Nationen präsentierte.

„Eigentlich mag ich es nicht, wenn alte Geschichten aufgewärmt werden, mir ist es lieber, wenn sich alle auf ihre Arbeit konzentrieren. Aber diese Gerüchte müssen ausgeräumt werden.“

Das sah auch Vedran Pavlek vom kroatischen Verband so, der nach dem Studium der entschleunigten Bilder von Zagreb: „Bei Neureuther ist es jetzt zu 100 Prozent sicher, dass er nicht eingefädelt hat, bei Hirscher würde ich sagen 90 Prozent.“

Hirscher hat das Gespräch gesucht

Während die Trainer noch über die Bilder diskutierten, kam es im Hotel Pichlmayrgut, dem Team-Hotel der Österreicher, ungefähr zur gleichen Zeit zur großen Aussprachen zwischen Marcel Hirscher und Ivica Kostelic.

Noch zu Mittag hatte der Salzburger angekündigt, dass er das Gespräch mit seinem Konkurrenten suchen wird. Kurz darauf war der Termin vereinbart.

Ein halbe Stunde lang tauschte man sich aus, diskutierte die Ereignisse der letzten Tage und räumte Meinungsverschiedenheiten aus der Welt.

"Marcel ist ein ehrlicher Sportsmann"

Wenig später gab es bei der Startnummernauslosung, zu der man gemeinsam fuhr, die öffentlich inszenierte „Versöhnung“ der beiden "Streithähne".

„Wir haben uns ausgeredet, wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt, muss man diese aus der Welt schaffen“, richtete der Shootingstar im ÖSV-Team das Wort an die Fans. Tosender Applaus am Hauptplatz von Schladming.

Dann schnappte sich Ivica Kostelic das Mikrofon. Wieder Jubel, das befürchtete Pfeifkonzert blieb aus. Auch als der Kroate in seiner Muttersprache ein paar Worte an seine Fans richtete.

„Ich habe gehört, dass Marcel mit mir reden möchte. Das fand ich sehr fair von seiner Seite, er ist ein ehrlicher Sportsmann, deshalb bin ich zu ihm gekommen.“

Sport soll Menschen verbinden

Beide appellierten danach an die Vernunft beider Fan-Lager, wünschen sich für Dienstag eine friedliche Ski-Party auf der Planai und eine tolle Slalom-Show unter Flutlicht.

„Wir hoffen nicht, dass es unter den Fans unnötige Sachen gibt. Der Sport soll Menschen zusammenbringen“, waren sich die beiden Ski-Stars einig.

Wie auch in der vorangegangenen Diskussion, die sich vor allem ums Weiterfahren nach dem Einfädler in Kitzbühel und weniger um den angeblich irregulären Sieg in Zagreb drehte.

"Ich werde mich dran halten"

„Ich verstehe jetzt seine Meinung und umgekehrt. Ich werde mich in Zukunft dran halten, was wir uns ausgemacht haben.“

Nämlich dass er, Hirscher, wenn er merkt, dass er eingefädelt hat, sofort stehen bleibt und nicht wie in Kitzbühel weiterfährt.

Dafür und für seinen Einfädler in Wengen, wo er ebenfalls erst im Ziel abgeschwungen ist, wurde er übrigens von der FIS als Wiederholungstäter mit einer Geldstrafe von 5.999 Schweizer Franken belegt.

Mit einem Sieg beim „Nightrace“ könnte Hirscher mit Startnummer 1 sein Konto wieder auffetten: auf den Gewinner warten 35.700 Euro.

Stephan Schwabl

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