Falsches Spiel mit Toni Giger?

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Verwirrspiel um Schweizer Interesse an Toni Giger

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Die Frage nach dem besten Schweizer Herren-Ergebnis in diesem Winter können wohl nur fanatische Ski-Statistiker beantworten.

Und man muss im Weltcup-Kalender auch bis an den Anfang der Saison blättern, um fündig zu werden.

Der fünfte Platz von Didier Defago beim Auftakt-Riesentorlauf in Sölden war bislang das Höchste der Gefühle für die Eidgenossen.

Der Totalausfall in Alta Badia, wo man keinen Läufer ins Ergebnis brachte, der absolute Tiefpunkt.

Platz neun im Nationencup

Bei den Damen reichte es immerhin schon für einen Sieg durch Lara Gut in der Abfahrt von Val d'Isere. Dennoch ist beim Blick auf die Ergebnisse klar: die einstige Ski-Großmacht ist aktuell nur ein Zwerg.

Im Nationencup der Herren liegt Swiss-Ski nur auf Rang neun, das gesamte Schweizer Damen-Team hat insgesamt nur um 139 Punkte mehr gemacht als die Weltcup-Führende Tina Maze alleine.

Angesichts der tiefen Krise, in der sich der Skisport bei unseren Nachbarn befindet, besteht dringender Handlungsbedarf. Das Präsidium diskutiert gerade mögliche Modelle, um zurück in die Erfolgsspur zu carven.

Und dabei spielt ein im Skisport klingender Name eine große Rolle: Toni Giger.

Wird Giger Alpin-Chef?

Laut übereinstimmenden Medienberichten soll der Salzburger spätestens für den kommenden Olympia-Winter als Alpin-Chef verpflichtet werden.

Dieser Posten wurde nach der Installierung des Deutschen Dierk Beisel als Super-Sportdirektor für alle Sparten – ähnlich Hans Pum im ÖSV – nicht besetzt.

Beisel, so heißt es in der Schweiz, ist allerdings mit der Verantwortung für sieben Disziplinen überfordert.

"Derzeit ist nichts spruchreif"

Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann hat am Montag aber dementiert, dass die Verbandsspitze Verhandlungen mit dem Salzburger plane.

"Davon weiß ich nichts. Es laufen Analysen, wie wir der momentan schwierigen Situation begegnen können. Derzeit ist aber nichts spruchreif."

Im "Blick" wird Lehmann noch so zitiert: "Der Name Giger ist für uns auf jeden Fall sehr interessant. Aber wir würden uns sicherlich nicht hinter dem Rücken von Peter Schröcksnadel bei ihm melden."

Noch im Laufe des Februars möchte Lehmann jedenfalls einige Gespräche führen. "Ziel ist es, spätestens beim Weltcup-Finale Nägel mit Köpfen zu machen. Dann wollen wir eine Lösung präsentieren."

Für einen Ausländer schwierig

Lehmann kann sich ein Engagement Gigers vorstellen, wenn "es darum ginge, auf Stufe Weltcup aktiv zu sein, dann wäre das denkbar."

Eigentlich sucht der ehemalige Abfahrts-Weltmeister aber jemanden, der den Ski-Nachwuchs von den Junioren an die Weltspitze heranführt.

"Um das zu lösen, müssten wir einen Mann haben, der die Strukturen in unserem Land genau kennt. Das macht die Aufgabe für einen Ausländer schwierig."

Wird Beisel entlassen?

Der für gewöhnlich gut informierte „Blick“ spekuliert aber bereits, dass Beisel schon im Frühjahr als starker Mann entlassen werden könnte. Oder eben die Alpin-Kompetenz an Giger abtreten muss.

Der 49-Jährige war von 1999 bis 2010 Chef des „Austria Power Teams“, dem unter anderem Hermann Maier, Stephan Eberharter oder Benjamin Raich angehörten, die insgesamt sechs Mal den Gesamt-Weltcup, vier Olympiasiege, neun WM-Goldene und 26 kleine Kristallkugeln einfahren konnten.

Entwicklung und Forschung

Bei den Olympischen Spielen in Vancouver gingen die ÖSV-Herren allerdings leer aus. Der Mathematik-Professor musste seinen Chef-Sessel für Mathias Berthold räumen.

Giger wechselte aber nicht - wie vielfach spekuliert - in die Politik, sondern blieb dem ÖSV in anderer Funktion, nämlich als Leiter Entwicklung und Forschung erhalten.

Die Innovations-Abteilung geriet zuletzt bei der Vier-Schanzen-Tournee in die Kritik, als die Norweger überraschend den „Stöckl-Schuh“ präsentierten und damit für Bestweiten sorgten.

Giger selbst hat sich nach eigener Aussage „noch nicht mit diesem Thema beschäftigt“, kann sich ein Engagement in der Schweiz aber durchaus vorstellen.

„Sobald ich eine offizielle Anfrage von Swiss Ski erhalte, würde ich mich damit auseinandersetzen“, lässt er wissen.

Auch Zurbriggen wollte Giger

Der Schweizer Ski-Verband wollte Giger übrigens schon einmal haben.

„Nach dem Rücktritt von Martin Rufener habe ich mehrere Anrufe vom damaligen Präsidiumsmitglied Pirmin Zurbriggen erhalten. Dass er mich haben wollte, war für mich eine große Ehre, weil Pirmin einer der größten Athleten der Ski-Geschichte ist.“

Damals sagte der Salzburger den Eidgenossen ab, sollte ihm Swiss Ski diesmal einen Fünf-Jahres-Vertrag anbieten, würde er kommen. Kolportiertes Jahresgehalt: 250.000 Franken.

Interesse an Evers

Neben Toni Giger steht auch noch ein zweiter ÖSV-Erfolgstrainer auf der Wunschliste unserer Nachbarn: Andreas Evers.

Der einstige Speed-Coach von Hermann Maier und Co. arbeitet zurzeit mit den US-Herren. „Ich fühle mich beim US-Team sehr wohl, aber wenn mich jemand von Swiss Ski einlädt, würde ich die Einladung annehmen.“

 

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