Vonn-Comeback überstrahlt alles

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Was man vor dem Renn-Wochenende wissen muss

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Die Ski-Saison ist mittlerweile voll in Gange.

Die Herren absolvierten bereits jede Disziplin mindestens einmal, die Damen feiern dieses Wochenende ihre Premiere in Super-G und Abfahrt.

Doch was muss man vor den Rennen in Lake Louise bzw. Beaver Creek wissen?

LAOLA1 hat alle Infos, die du brauchst. Vom Vonn-Comeback über Hirschers Speed-Ambitionen bis zur Frage, ob der Skisport in der Krise steckt:

Vonn und Tiger im Gleichschritt zum Comeback:

Lindsey Vonn ist zurück. Die US-Amerikanerin feiert in Lake Louise ihr Comeback nach fast einjähriger Verletzungspause. Bereits letzte Saison kehrte sie in den Rocky Mountains in den Weltcup-Zirkus zurück. Nach den Rängen 40 und 11 in der Abfahrt zeigte sie mit Platz fünf im Super-G auf, nur um sich zwei Wochen später in Val d’Isere erneut zu verletzen. Dieses Jahr sollte das nicht passieren. Die 30-Jährige überstürzte diesmal nichts, sondern nahm sich Zeit, ließ sich am Knie operieren und baute ihre Rückkehr Schritt für Schritt auf.

"Noch einmal darf mir so etwas nicht passieren“, sagte sie in Hinblick auf die zweite schwere Verletzung binnen eines Jahres. Warum sie dennoch weiter macht? „Zum Aufhören brauche ich die Rekorde. Wenn ich meine Karriere beendet habe, kann ich zurückschauen und sagen: ich bin die erfolgreichste Skifahrerin“, sagte sie unlängst mit Bezug auf Annemarie Moser-Prölls 62 Weltcupsiege, auf die ihr noch drei fehlen, in der "Sportwoche".

Im ersten Training zeigte sie bereits, dass ihr nicht viel auf die Weltspitze fehlt. Als 18. verlor sie gerade einmal 1,82 Sekunden auf die Bestzeit. Als wäre es abgesprochen, feiert auch ihr Freund Tiger Woods an diesem Wochenende sein Comeback. "Wir sind beide mit unseren Verletzungen zur gleichen Zeit durch die Reha gegangen. Wir waren beide frustriert, haben uns aber gegenseitig angefeuert und motiviert. Ich glaube, dass wir uns gegenseitig sehr geholfen und einiges an Inspiration mitgenommen haben“, bedankt sich Vonn beim Golf-Superstar, der beim Charity-Einladungs-Turnier in Isleworth erstmals nach viermonatiger Reha abschlägt.

 



Marcel Hirscher in den Speed-Bewerben

Marcel Hirscher will es wissen. Erstmals stürzt sich der Salzburger eine Weltcup-Abfahrt hinunter – wenn auch nur im Training. In Beaver Creek will er ein Abfahrtstraining bestreiten – zum einen, um für die WM-Super-Kombi gerüstet zu sein, zum anderen, um im Super-G nicht vom Tempo überrascht zu sein. Im Super-G steht der dreifache Gesamtweltcup-Sieger nämlich wie schon letztes Jahr am Start.

2012 holte er auf der "Birds of Prey“ bei zwei Super-G-Starts die Ränge 32 und 16. Mit letzterem Resultat wäre der 25-Jährige wohl auch diesmal zufrieden. Laut Angaben seines Trainers absolvierte er lediglich zwei Super-G-Trainingstage. Es wird ein ungewohntes Bild, Hirscher wieder einmal in der schnellen Disziplin zu sehen.

Die Super-G-Misere des ÖSV

"Super-G ist die Österreicher-Disziplin schlechthin“, lautet eine in unserer Republik gängige Meinung. Ganz zutreffend ist diese allerdings nicht mehr. Zwar führt Hermann Maier die ewige Super-G-Bestenliste mit 24 Siegen nach wie vor an und Österreich hat in dieser Disziplin mehr Siege als jede andere Nation, dennoch muss der ÖSV bereits mehr als 1.000 Tage auf einen Super-G-Sieg warten.

Der letzte Sieg datiert von 2012, als Klaus Kröll das Saisonfinale in Kvitfjell (2. März) für sich entscheiden konnte. In Beaver Creek soll diese Durstrecke beendet werden. Die Chancen dafür stehen ganz gut, ist die Piste in Colorado doch als "Österreicher-Strecke“ bekannt. Neben Hermann Maier (1997, 1999) und Stephan Görgl (2004) fuhren Hannes Reichelt (2005, 2007) und Georg Streitberger (2010) in Beaver Creek Siege ein. Reichelt landete in den letzten beiden Jahren jeweils als Dritter am Podest, Otmar Striedinger verpasste 2013 seinen ersten Weltcup-Sieg um nur 24 Hundertstel. Vielleicht beendet aber auch Matthias Mayer die Super-G-Flaute. Dann würde Mayer indirekt in die Fußstapfen eines anderen Maiers treten.

 

Die WM-Generalprobe

Die Herren-Rennen in Beaver Creek sind die letzte Chance, Erfahrungen für die WM im Februar zu sammeln. Für gewöhnlich findet die WM-Generalprobe im Jahr vor dem Großereignis als Saison-Abschluss statt. In Colorado ist dem nicht so. Die Damen bestritten ihre Tests in Beaver Creek bereits letzte Saison, die Männer dürfen nun nochmal auf jene Piste, auf der in zwei Monaten um Medaillen gekämpft wird. Ein Top-Ergebnis ist wohl ein starkes Argument im Streit um die WM-Startplätze. Mit einem Sieg könnte sich der eine oder andere wohl schon fix für das Großevent qualifizieren.

Der Skisport in der Krise?

Befindet sich der alpine Skisport in der Krise? In Österreich sind Hischer und Co. nach wie vor das Zugpferd im Wintersport. Dank Live-Übertragung aller Rennen und stundenlanger Berichterstattung fährt der ORF gute Quoten ein. "Am Wochenende wird Skifahren geschaut“, so das Motto der ÖsterreicherInnen. Sieht man sich die TV-Quoten im internationalen Vergleich an, kommt man jedoch ins Grübeln. Während Skispringen die Liste der FIS-Disziplinen mit durchschnittlich über 48,9 Millionen Zusehern anführt, schauen in Abfahrt, Super-G, RTL und Slalom pro Rennen nur 3,6 Millionen zu. Fast ein Drittel davon kommt aus Österreich, das zweite Drittel wohl aus der Schweiz. Auf dem Rest der Welt stößt Skifahren also auf wenig Gegenliebe – zumindest wenn es um die Einschaltquoten geht. Übrigens liegt Ski Alpin damit an letzter Stelle, Langlauf (3,9 Mio.), Nordische Kombi (25,2 Mio.), Freestyle (32 Mio.) und Snowboarden (41,6 Mio.) liefern allesamt bessere Quoten.

Mehr Spektakel in der Abfahrt?!

Das ist wohl auch ein Mitgrund, warum die FIS die Abfahrt in Zukunft wieder spektakulärer gestalten will. Höheres Tempo und weitere Sprünge sollen die schnellste Disziplin wieder besonders machen. Man soll als Zuseher nicht das Gefühl haben, jeder zweite Hobbyfahrer könnte die Strecke bewältigen. Auch Sprünge wie der Zielsprung in Kitzbühel sollen wieder weiter gehen.

Verständlich, ist die Streif ohne die finale Hürde doch einfach nicht dasselbe. In Beaver Creek sorgen die ungewöhnlich hohen Temperaturen derzeit ohnehin für den schnellsten Schnee seit Jahren. Aus diesem Grund musste der "Golden-Eagle“-Sprung sogar etwas abgetragen werden. Dennoch soll die Abfahrt Schritt für Schritt wieder zu einem richtigen Spektakel werden, Abfahrts-Renndirektor Hannes Trinkl wandert diesbezüglich auf einem schmalen Grat. "Wir suchen nun eine Mischung zwischen attraktiv und dass sich keiner dabei umbringt", sagt der Mann, der die Abfahrten dieser Welt seit heuer setzt. Denn auch wenn der Kaffee frei nach Rainhard Fendrich erst so richtig schmeckt, „wenn einer regungslos im Schnee“ liegt - Bilder wie jene von Daniel Albrecht 2009 in Kitzbühel will niemand sehen.

 

Matthias Nemetz

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